Termintipp

Die Glasmenagerie

© Kiran West

Wie man sein Schicksal schultert: Williams psychologisches Drama erzählt von einer unglücklichen Familie und der Flucht in die Einsamkeit.

Wie man sein Schicksal schultert: Williams psychologisches Drama erzählt von einer unglücklichen Familie und der Flucht in die Einsamkeit.

In auswegloser Hassliebe aneinander gefesselt

John Neumeier bringt vier Figuren aus Tennessee Williams’ Glasmenagerie zum Tanzen

Tennessee Williams gehört heute zu den bedeutendsten US-amerikanischen Dramatikern, sein Erfolg begann mit dem im Dezember 1944 uraufgeführten Theaterstück „Die Glasmenagerie“. Genau 75 Jahre später verwandelt John Neumeier, Ballettintendant und Chefchoreograf des „Hamburg Ballett“, die literarische Vorlage in ein abendfüllendes Ballett. Als Inspiration dienten ihm nicht nur die Handlung des Dramas, sondern auch Situationen aus dem Leben des Autors. Der lässt in diesem Kammerspiel nur vier Personen agieren: Amanda, ihre beiden Kinder Tom und Laura sowie Jim, einen Kollegen Toms. Dessen Besuch verändert das Leben der Familie an nur einem Abend grundlegend: Amandas Hoffnung, eine Beziehung zwischen ihrer gehbehinderten, introvertierten Tochter Laura und Jim knüpfen zu können, erfüllt sich nicht; Sohn Tom verlässt Mutter und Schwester nach der Eskalation des fehlgeschlagenen Besuchs. Und Laura zieht sich nach dieser Enttäuschung mehr denn je in ihre von Glastierchen bevölkerte Welt zurück, die so fragil sind wie sie selbst.

Die von Williams gezeichneten Charaktere der Mutter und Tochter ähneln seiner realen Mutter und seiner Schwester, die tatsächlich psychisch labil war. John Neumeier kreierte die komplexe und zentrale Rolle der weltentrückten Laura für die international renommierte Solistin Alina Cojocaru, die als Gaststar schon mehrmals in Hamburg zu erleben war.

Die Glasmenagerie ist Ausgangspunkt für die zweite Begegnung des Choreografen mit seinem 28 Jahre älteren Landsmann Tennessee Williams; schon 1983 schuf er Endstation Sehnsucht als Ballett nach dem gleichnamigen Drama, das dem Autor 1948 den (ersten) Pulitzer-Preis eintrug. An der aktuellen Kreation wirken zwei weitere Pulitzer-Preisträger mit: Charles Ives (1874–1954) erhielt die begehrte Auszeichnung 1947, seine Musik ist durch eine große Experimentierfreudigkeit gekennzeichnet. Außerdem nutzt Neumeier Kompositionen des Pulitzer-Preisträgers Ned Rorem, Jahrgang 1923, der ein reiches Œuvre an Liederzyklen schuf. Schließlich erklingen Werke von Philip Glass. Der 1937 geborene Musiker macht weltweit als Minimalist von sich reden – allen drei US-Amerikanern ist eine große Affinität zur europäischen Kultur gemein. (Dagmar Ellen Fischer)

Interpreten

John Neumeier (Choreografie)
Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Simon Hewett (Leitung)

Programm

Musik von Glass & Ives

Termine

Donnerstag, 12.12.2019
19:30 Uhr
Freitag, 13.12.2019
19:30 Uhr
Sonntag, 26.01.2020
19:00 Uhr
Donnerstag, 30.01.2020
19:30 Uhr
Freitag, 31.01.2020
19:30 Uhr
Freitag, 26.06.2020
19:30 Uhr

Vergangene Termine

Samstag, 07.12.2019
19:30 Uhr
Donnerstag, 05.12.2019
19:30 Uhr
Dienstag, 03.12.2019
19:30 Uhr
Sonntag, 01.12.2019
18:00 Uhr Premiere

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