Empfehlung der concerti-Redaktion

Die widersprenstige Zähmung

Getanzte Geschichte des Geschlechterkampfes: „Der Widerspenstigen Zähmung“ von Shakespeare im Spiegel der #MeToo-Debatte

Der Widerspenstigen Zähmung/Landestheater Schleswig-Holstein: Anna Schumacher, Darstellerin der "Katharina" © Henrik Matzen

Vorabmotiv zu "Der Widerspenstigen Zähmung": Anna Schumacher, Darstellerin der "Katharina"

Zähmung ist eine Vokabel aus der Zoologie. Per Definition meint sie das Bändigen von Wildtieren, damit diese sich den Bedürfnissen der Menschen anpassen. Das kann Shakespeare nicht ernsthaft im Sinn gehabt haben, als er Ende des 16. Jahrhunderts Der Widerspenstigen Zähmung schrieb … oder etwa doch? Tatsächlich wird in seinem bekannten Drama der Wille der Protagonistin Katharina gebrochen, sie unterwirft sich schließlich gehorsam dem Gatten – und das soll ein Happy End sein? Zwangsheirat würde man es heute nennen. Das Stück braucht eine neue Deutung, dachte Katharina Torwesten, seit neun Jahren als Ballettdirektorin erfolgreich am Schleswig-Holsteinischen Landestheater.

In ihrer Choreografie rollt sie die Geschichte des Geschlechterkampfes neu auf: Beginnend bei Adam und Eva, reist sie über Steinzeit und Antike auch ins lustfeindliche Mittelalter und bis in die Neuzeit. So entstand eine getanzte Reise durch die Jahrtausende, die ebenso absurde wie witzige Situationen zwischen Mann und Frau aus den jeweiligen Epochen aufspürt. Beim augenzwinkernden Blick auf das mitunter drastische Geschehen ist sie dann wieder recht nahe am literarischen Vorbild, denn auch im historischen Drama kamen Sinnlichkeit und Humor nicht zu kurz. Für diese Facette beispielsweise fand sie in Alfred Schnittkes „Gogol-Suite“ mit ihren zahlreichen Klangfarben die ideale musikalische Unterstützung; auch dessen Collected Songs „Where Every Verse is Filled with Grief“ begleiten die Tänzer, ebenso Schostakowitschs „Fünf Stücke“ und seine Romanze op. 97 sowie „Salut d’amour“ von Edward Elgar. 

Katharina Torwesten

Choreografin Katharina Torwesten © Andreas Zauner

Apropos Liebe: Natürlich ist sie der rote Faden des Ganzen. Die Geschichte zeigte: „Frauen als Einzelkämpferinnen mögen beeindruckend sein, doch erst in der Gemeinschaft können sie etwas bewirken“, resümiert Torwesten. Womit sie im Hier und Jetzt der #MeToo-Debatte angekommen ist, die sie ebenfalls kritisch aufgreift: Alles Männliche unter Generalverdacht zu stellen, könne nicht die Lösung sein. Und so ist ihr Finale ein wirkliches Happy End: Sie entwirft – ganz ohne besserwisserischen Zeigefinger – eine Zukunftsvision, in der das lustvolle Miteinander der Geschlechter zelebriert und niemand mehr gezähmt oder unterworfen wird. (Dagmar Ellen Fischer)

Interpreten

Katharina Torwesten (Choreografie)
Ingo Martin Stadtmüller (Leitung)

Termine

Freitag, 21.12.2018
19:30 Uhr
Stadttheater Flensburg
Sonntag, 23.12.2018
19:00 Uhr
Stadttheater Rendsburg
Mittwoch, 26.12.2018
19:00 Uhr
Stadttheater Flensburg
Samstag, 12.01.2019
19:30 Uhr
Stadttheater Rendsburg
Donnerstag, 24.01.2019
19:30 Uhr
Stadttheater Flensburg
Mittwoch, 06.02.2019
19:30 Uhr
Stadttheater Flensburg

Vergangene Termine

Samstag, 08.12.2018
20:00 Uhr
Theater in der Stadthalle Neumünster
Freitag, 07.12.2018
19:30 Uhr
theater itzehoe
Dienstag, 04.12.2018
19:30 Uhr
Stadttheater Flensburg
Samstag, 01.12.2018
19:30 Uhr Premiere
Stadttheater Flensburg