Termintipp

Metamorphosen

Die Lukas-Passion brachte ihm Freunde und Feinde: Komponist Krzysztof Penderecki sucht den Kontakt zur Tradition

© Pr osv/Wikimedia Commons

Krzysztof Penderecki, 2015

Krzysztof Penderecki, 2015

Für Ohren, die das Neue in der Musik suchen, wirken die Werke von Krzysztof Penderecki oft ein bisschen zu harmonisch, zu traditionell. Und doch war Penderecki einst ein führender Vertreter der polnischen Avantgarde. 1933 in der Nähe von Krakau geboren, wurden nach seinem Kompositionsstudium in den Nachkriegsjahren auch Festivals und Rundfunkanstalten in Westdeutschland auf ihn aufmerksam: Penderecki galt als Schöpfer spektakulärer Klangfarben, auch als Pionier auf dem Feld der elektronischen Musik. Mit seiner effektvollen und musikalisch ambitionierten Lukas-Passion schließlich wurde der Mitdreißiger 1966 quasi über Nacht weltberühmt.

Dass die Lukas-Passion so griffig und leicht fasslich war, provozierte kritische Stimmen, doch es gab in der Fachwelt auch positive Resonanz. „Nach Weberns geistlichen Chören und Strawinskys Spätwerken hat Penderecki mit dieser Passionsmusik die wichtigste Brücke zwischen liturgischem Geist und Neuer Musik gebaut“, schrieb der renommierte deutsche Kritiker Hans Heinz Stuckenschmidt. Penderecki fand auch Eingang in den Unterhaltungssektor – man denke an sein Streicherstück Polymorphia, das als Soundtrack im Horrorfilm „Shining“ eingesetzt wurde. Und durch seine Zusammenarbeit mit der Geigerin Anne-Sophie Mutter hat der Komponist in späteren Jahren der Sphäre der Neuen Musik das wiederzugeben versucht, was ihr in ihren ganz wilden Jahrzehnten fehlte: den Kontakt zur Tradition. Und ein bisschen Glamour. (Matthias Nöther)

Interpreten

Ye-Eun Choi (Violine)
Deutsche Radio Philharmonie
Krzysztof Penderecki (Leitung)

Programm

Penderecki: Adagio aus „Sinfonie Nr. 3“ & Violinkonzert Nr. 2 „Metamorphosen“
Schostakowitsch: Sinfonie Nr. 9 Es-Dur op. 70

Vergangene Termine

Samstag, 12.01.2019
19:30 Uhr
Freitag, 11.01.2019
20:00 Uhr
Freitag, 11.01.2019
20:00 Uhr

Auch interessant

Online-Tipp: hr-Sinfonieorchester im Video-Livestream

Von Russland nach Frankreich

Das hr-Sinfonieorchester spielt Werke von Schostakowitsch, Debussy und Ravel. Das Konzert ist im Livestream zu erleben. weiter

Rezension Artemis Quartett & Elisabeth Leonskaja

Kompromisslos und direkt

Das Artemis Quartett hat erstmals gemeinsam mit Elisabeth Leonskaja Werke von Dmitri Schostakowitsch eingespielt. weiter

Rezension Andris Nelsons – Schostakowitsch

Gute Alternative

Beim Boston Symphony Orchestra unter Andris Nelsons fehlt hier bei wuchtigen oder ironischen Passagen gelegentlich der letzte Biss. weiter