Termintipp

Sacre

© Marco Piecuch/Pfalztheater Kaiserslautern

James Sutherland

James Sutherland

Ballettmusik zu schreiben war unter anspruchsvollen Komponisten lange verpönt, sogar noch im Russland der Nach-Tschaikowsky-Ära. Dennoch konnte der schillernde russische Impresario Sergei Djagilew Anfang des 20. Jahrhunderts einen gewissen Igor Strawinsky (damals noch No-Name-Nachwuchs) fürs Ballett gewinnen: Nach „Feuervogel“ und „Petruschka“ schrieb Strawinsky „Le Sacre du printemps“ – und mit dessen Uraufführung 1913 Musik- und Tanzgeschichte. Seither unterzogen sich zahllose Choreografen der Meisterprüfung, dieser rhythmisch hochkomplexen Partitur eine tänzerische Ebene hinzuzufügen.

Nun stellt sich James Sutherland am Pfalz­theater Kaiserslautern dieser Heraus­for­derung. Von der eigentlichen Rahmenhandlung weicht er indes ab: Erzählte die ursprüngliche Choreografie von Ballettlegende Vaslav Nijinsky von einem heidnischen Ritual im archaischen Russland, in dessen Verlauf ein Mädchen zugunsten des Fortbestands der Natur geopfert werden muss, so kehrt der schottische Choreograf heute den Spieß quasi um. Im 21. Jahrhundert kann ein Menschenopfer allein die Natur längst nicht mehr retten, ein solches „Geschenk“ ist sinnlos. Nach der gründlichen Ausbeutung der Erde durch den Menschen schlägt sie zurück – und macht per Naturkatastrophe die gesamte Menschheit zum Opfer. Aber es gibt eine letzte Chance: Ein einzelner auserwählter Mensch wird für den Erhalt seiner Spezies sorgen … Auf diese Weise wird das Motiv der Auserwählten, die im Original für eine Gemeinschaft sterben muss, ins Gegenteil verkehrt: Nun darf nur die Auserwählte leben.

Einen sinnlichen Bezug zu den natürlichen Elementen behält James Sutherland aber bei: Er bezieht Erde und Wasser in sein Werk ein, eine Art Referenz an das originale „Sacre“. Strawinskys Musik mit ihrer elementaren Wucht lässt er durch zeitgenössische Kompositionen kontrastieren, denn außerdem erklingen Arvo Pärts „Cantus in Memoriam Benjamin Britten“ und „Weather One“ des zeitgenössischen US-amerikanischen Komponisten Michael Gordon sowie „Flight from the City“ von Jóhann Jóhansson, dem bekannten, 2018 verstorbenen isländischen Filmkomponisten. (Dagmar Ellen Fischer)

Interpreten

James Sutherland (Choreografie & Regie)
Uwe Sandner (Leitung)

Programm

Musik von Strawinsky
Pärt u. a.

Vergangene Termine

Sonntag, 22.03.2020
18:00 Uhr abgesagt