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Oren Lazovski, NO-MAD, 2016 © Johan Planefeldt

ID Festival Berlin 2016

21. Oktober 2016 bis 23. Oktober 2016
Radialsystem V (Berlin)

ID Festival Berlin 2016

Gal Naor
Guy Braunstein Quintet
Omer Klein Trio
Sferraina
Trio Mondrian
Tango Factory u. a.

Kleine Festivals, deren Leiter selbst Künstler sind, sind das beste, was Musikern und Publikum passieren kann: Ohne Berührungsängste, flexibel im Hinblick auf aktuelle Themen und Sparten, ohne lange Entscheidungswege – und die Partys hinterher sind die besten. Das gilt uneingeschränkt für das „ID Festival Berlin“, das der israelische Pianist Ohad Ben-Ari letztes Jahr im Berliner Radialsystem gestartet hat.

Vom 21. bis 23. Oktober stellt es nun zum zweiten Mal Fragen nach Identität, Herkunft und Zusammenleben. Wieder gehören neben Konzerten auch Diskussionen, Theater, Performances und bildende Kunst dazu. Waren im ersten Jahr die „neuen Wanderer“ der israelischen Community Schwerpunkt, weitet sich der Fokus nun auf Wanderbewegungen als globales Phänomen, das die Welt immer stärker verzahnt.

Künstler können die Diskussionen zu Migration und Asyl „sinnlich anregen“ und ihnen ein Gesicht geben, erklärt Ohad Ben-Ari. Wenn das Guy Braunstein Quintet Erich Korngolds selten gehörtes Klavierquintett von 1921 spielt – auch dieser Komponist war ab 1938 Migrant – bedeutet das zum Beispiel konkret, dass zwei klassisch ausgebildete syrische Musiker dabei sind. „Im Nahen Osten hat Israel eine gemeinsame Grenze mit Syrien, aber wir Künstler können nicht miteinander sprechen. Die Atmosphäre ist zu aufgeladen,“ bedauert der Pianist. Berlin dagegen sei ein wichtiger Ort für viele aktuelle Diskurse, dank liberaler Atmosphäre und bezahlbarer Lebenshaltungskosten. Mit dem Radialsystem und seinem Team habe man für das Festival großartige Gleichgesinnte gefunden, die die „Choreografie der Programme“ perfekt beherrschen. Was dem Festivalgründer letztes Jahr noch gefehlt hat, war die Literatur: „Hier leben viele Autoren, die physisch über Ländergrenzen und schreibend von einer Sprache in eine andere migriert sind – dieses Jahr bieten wir ihnen ein eigenes Podium.“

Ohad Ben-Ari ist nicht nur mit dem Guy Braunstein Quintet, sondern auch mit dem Mondrian Trio und Gili Hochmans neuem Werk Diverging Roads zu hören. Außerdem als Geheimtipp zu Gast: Sferraina Barock, ein Ensemble um die Sängerin Tehila Nini Goldstein, die jemenitische Musik des Frühbarock neben italienische Musik der Epoche stellt.

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