Das Lied von der Erde

Von der Einsamkeit in die Ewigkeit: Das Hamburg Ballett zelebriert den Abschied von der Welt mit Mahlers Lied von der Erde

Vielleicht bleibt Das Lied von der Erde John Neumeiers letzte Choreografie, die er zu Musik von Gustav Mahler kreiert – so mutmaßt der Hamburger Ballettchef selbst. Seine persönliche künstlerische Beziehung zu dem 1911 verstorbenen jüdischen Komponisten begann mit dem vierten Satz aus dessen dritter Sinfonie, der ihn 1974 zu einem Pas de trois unter dem Titel Nacht inspirierte. Seither fügte er fast allen Mahler-Sinfonien eine tänzerische Ebene hinzu – und begründete damit ein neues Genre in der Tanzgeschichte: das Sinfonische Ballett, ohne Handlung, bei dem sich der Choreograf von Assoziationen leiten lässt, die eine Musik evoziert. Das Lied von der Erde scheint einer Sinfonie näher als einem Liederzyklus, und als Tänzer beim Stuttgarter Ballett lernte John Neumeier das Werk am eigenen Körper in Kenneth MacMillans choreografischer Version kennen – 1965 ein nahezu revolutionäres Unterfangen. John Neumeiers Version entstand im Februar 2015 mit Tänzern der Pariser Oper, nun folgt die Hamburg-Premiere. Für das Mahler-Finale lässt John Neumeier niemanden zwischen sich und den Komponisten kommen: Er zeichnet nicht nur für die Choreografie, sondern auch für Bühnenbild, Licht und Kostüme verantwortlich. (Dagmar Ellen Fischer)

Hamburgische Staatsoper

Das Lied von der Erde

John Neumeier (Choreografie)
Hélène Bouchet (Tanz)
Alexandr Trusch (Tanz)
Karen Azatyan (Tanz)
Klaus Florian Vogt (Tenor)
Michael Kupfer-Radecky (Bariton)
Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Simon Hewett (Leitung)

Musik von Mahler