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Klassik-Highlights der Saison 2026/2027 in Bayern

Die Welt auf dem Prüfstand der Kunst

concerti-Redakteur Jan-Hendrik Maier stellt seine persönlichen Höhepunkte der kommenden Saison in Bayern vor.

vonJan-Hendrik Maier,

„Gott mit dir, du Land der Bayern“ heißt es zu Beginn der Bayernhymne, die im öffentlichen Leben des Freistaats noch regelmäßiger anzutreffen ist als die meisten Regionallieder in anderen Bundesländern. Ob der Segen von oben auch in den Kulturinstitutionen bis zum Ende der neuen Spielzeit anhält, bleibt naturgemäß abzuwarten. Eines zeichnet sich in den Spielplänen der Opernhäuser jedoch schon ab: Es wird politisch.

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Der eine oder andere Besuch in der Bayerischen Staatsoper könnte 2026/2027 philosophischen Erkenntnisgewinn bescheren, denn dort stellt man die „Rolle des Göttlichen“ in der Welt – sprich: Machtsysteme, Ideologien und ihre Auswirkungen auf Gesellschaften – auf den künstlerischen Prüfstand. Zwei wichtige Akzente setzt dabei Tobias Kratzer mit der Vollendung seiner „Ring“-Deutung. Francesco Micheli fragt mit Donizettis „Maria Stuarda“ nach der Legitimation von Herrschern, während Claus Guth in John Adams’ halbdokumentarischer Oper „Doctor Atomic“ anhand des an der Entstehung der Atombombe beteiligten Physikers Robert Oppenheimer moralische Dilemmata analysiert.

Verabschiedet sich im Sommer 2027 als Nürnberger Generalmusikdirektor: Roland Böer
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Lug und Trug, die Mafia und ein legendärer Diamant

Das Staatstheater Nürnberg wiederum haucht dem Anspruch, dass Theater politisch sein müsse, neues Leben ein. Für Intendant Jens-Daniel Herzog bedeutet das, „Grundlagenforschung an der menschlichen Existenz“ zu betreiben. Mit Spannung darf man die Uraufführung von Anno Schreiers „Cosa Nostra“ erwarten, ein Werk über den selbstlosen Kampf zweier Ermittler gegen mafiöse Strukturen und um Fairness, Transparenz und Rechtschaffenheit. Deutlich leichtgängiger kündigt sich die Premiere von Mischa Spolianskys Burleske „Alles Schwindel“ an, die dem Bedürfnis nach Lug und Trug in der Gesellschaft bissig den Spiegel vorhält. Erstmals erklingt die groß besetzte originale Orchesterfassung. Der scheidende GMD Roland Böer verantwortet mit Wagners „Tannhäuser“ und Richard Strauss’ „Die schweigsame Frau“ zwei bedeutsame Neuproduktionen in der Frankenmetropole. Auch mit der Staatsphilharmonie hebt er noch manche Preziose, darunter Werke von Charles Ives und Max Reger.

In Regensburg, am jüngsten Staatstheater Bayerns, nimmt man indes die Freiheit in all ihren Bedeutungsebenen unter die Lupe. Gleich zu Beginn erwartet das Publikum in Karol Szymanowskis „Król Roger“ eine packende Auseinandersetzung zwischen Ideologien, alten und neuen Ordnungen und der Suche nach persönlicher Freiheit. Von gesellschaftlichen Umbrüchen war gleichwohl das Leben der Art-déco-Malerin Tamara de Lempicka geprägt. Intendant Sebastian Ritschel bringt ihre Geschichte mit der Europäischen Erstaufführung von Matt Goulds „Lempicka“ auf die Bühne. Auch Thomas Adès’ einst skandalträchtige Kammeroper „Powder Her Face“ feiert in Regenburg Premiere.

Wie weit kann sich ein Mensch an die Normen einer Gesellschaft anpassen, ohne das eigene Rückgrat zu verlieren? Dieser Frage geht Andreas Rosar im „Tannhäuser“ am Mainfranken Theater Würzburg nach. GMD Mark Rohde kehrt mit dieser Produktion zu seiner allerersten Oper zurück. Auch Operettenfreunde sollten über eine Reise in den Norden des Freistaats nachdenken: Bruno Granichstaedtens „Der Orlow“, bei der Uraufführung 1925 eine veritable Konkurrenz zu Lehárs „Lustiger Witwe“, erstrahlt in neuem Glanz. Der Clou: Im titelgebenden Mittelpunkt steht ein legendärer Diamant.

Klangkörper mit Tradition: das Münchner Rundfunkorchester
Klangkörper mit Tradition: das Münchner Rundfunkorchester

Ungewöhnliche Klangbrücken an der Isar

Funkelnde Edelsteine glitzern auch in der bayerischen Orchesterlandschaft. In seiner ersten Saison als Chefdirigent der Münchner Philharmoniker fokussiert sich Lahav Shani auf sinfonische Meilensteine von Beethoven bis Mahler, gibt mit Bartóks „Herzog Blaubarts Burg“ den Auftakt zu einer über mehrere Jahre angelegten Reihe konzertanter Opern und setzt mit Musik von Paul Ben-Haim einen ganz persönlichen Akzent. Andrés Orozco-Estrada kehrt hingegen mit dem „Walpurgisfeuer“ der schwedischen Pionierin Helena Munktell an die Isar zurück, während Barbara Hannigan einmal mehr außergewöhnliche Brücken schlägt – dieses Mal zwischen Joseph Haydn und der iranischen Komponistin Golfam Khayam.

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Das Münchner Rundfunkorchester wiederum begeht seinen 75. Geburtstag unter anderem mit einem Galakonzert unter der Leitung des britischen Tausendsassas Wayne Marshall. Bei der traditionellen Residenz- und Schlössertournee im Sommer verzichtet man derweil auf internationale Solisten und richtet den Scheinwerfer auf Musiker aus den eigenen Reihen. Der designierte Chefdirigent Leo Hussain stellt sich im Rahmen der Sommerkonzerte im Prinzregententheater mit Victorin de Joncières’ „Lancelot“ vor. Auch Englands Chorlegende John Rutter hat sein Kommen nach München angekündigt.

Hat bereits zahlreiche Violinkonzerte aus der Taufe gehoben: Carolin Widmann
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Sieben Mal Genesis

Mit „Hoffnung“ überschreibt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (BRSO) seine neue Spielzeit. Die richtet sich ungebrochen auf ein neues Konzerthaus, obgleich ein konkreter Eröffnungstermin nach wie vor unbekannt ist. Im Konzertkalender verstehen die Münchner um Chefdirigent Sir Simon Rattle das Motto als Einladung, Verbindung und Zuversicht durch das gemeinsame Erleben von Musik zu erfahren. Neben vielfältigen Evergreens der Orchesterliteratur und Kernrepertoire mit Gastdirigenten wie Herbert Blomstedt und Franz Welser Möst sind erstmals alle drei Rachmaninow-Sinfonien zu hören. Simone Young bringt zudem Bruckners oft verschmähte „Studiensinfonie“ ins Repertoire des BRSO ein, und nach mehr als fünfzig Jahren nimmt man sich wieder Debussys „Pelléas et Mélisande“ an. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Igor Strawinsky.

Aufhorchen lässt gleichwohl die Reihe „musica viva“, in der an einem Abend gleich sieben europäische Erstaufführungen zum Thema Genesis erklingen. Rattle verantwortet ein Porträt zu George Benjamin, während Jörg Widmann und Riccardo Chailly die Musik Wolfgang Rihms beleuchten. Auch Clara Iannottas Violinkonzert „Sand like gold-leaf in smithereens“, dessen kurzfristig abgesagte Uraufführung beim Essener Festival „NOW!“ im vergangenen Oktober für Furore sorgte, erblickt nun mit der Solistin Carolin Widmann das Licht der Welt.

Als Dirigentin in Europa und den USA gefragt: Anna Handler
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Nie zu spät für Beethoven

Und jenseits der Isar? Die Bamberger Symphoniker und Chefdirigent Jakub Hrůša ermutigen dazu, vertraute sinfonische Klänge von Beethoven bis Schostakowitsch neu zu erleben und laden dazu 24 Gastdirigenten ein. Erstmals stehen Mirga Gražinytė-Tyla, Eva Ollikainen und Vladimir Jurowski am Pult von Bayerns Reiseorchester. Bei den Nürnberger Symphonikern gilt es, reizvolle Kombinationen etwa zwischen Arvo Pärt und Philip Glass mit der jungen Dirigentin Anna Handler oder zwischen César Franck und Anton Bruckner mit Organist Christian Schmitt zu entdecken. In Hof darf man sich auf Hector Berlioz’ „Sommernächte“ mit Tenor Ian Bostridge freuen.

Bliebe noch das große Jubiläum der Klassikwelt 2027: Beethovens 200. Todestag, der in nahezu allen Spielplänen Widerhall findet. Die Bamberger Symphoniker haben beim estnischen Komponisten Jüri Reinvere eine Hommage in Auftrag gegeben, dessen Titel „Schade! – Schade! – zu spät“ an die kolportierten letzten Worte des Bonner Meisters anspielt. Mitglieder des BRSO bringen an sechs Abenden sämtliche Streichquartette zur Aufführung. Rund um Beethovens Todestag am 26. März nehmen sich die Münchner Symphoniker aller neun Sinfonien an. Ein Saisonhöhepunkt ist sicherlich auch die „Missa solemnis“ mit Klaus Mäkelä am Pult der Münchner Philharmoniker und einem hochkarätigen Solistenquartett, bestehend aus Chen Reiss, Wiebke Lehmkuhl, Julian Prégardien und Gerald Finley.














































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