Klassik meets Jazz: Jacques Loussiers Play Bach Trio

Bach einmal anders

Johann Sebastian Bach gilt für zahlreiche Jazzmusiker als Schlüsselfigur des Jazz. Das Play Bach Trio widmete sich ausschließlich seinem Werk

© joelo2/Wikimedia Commons

Jacques Loussier, 2008

Jacques Loussier, 2008

Der Name ist Programm. Nahezu jedem Jazzfan ist das legendäre Play Bach Trio um den französischen Pianisten Jacques Loussier ein Begriff. Zu einzigartig ist die musikalische Ausrichtung der Combo. Im Zentrum ihres Schaffens stehen nämlich keine Eigenkompositionen oder Jazzstandards, sondern ausschließlich die Musik Johann Sebastian Bachs – ein Konzept, was dem Trio auch beim Klassikpublikum zur großen Popularität verhalf und schließlich sogar seine größten Skeptiker überzeugte.

Als Initialzündung des Play Bach Trios gilt ein Besuch Jacques Loussiers bei einem Konzert des Modern Jazz Quartets in der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre. Loussier, damals Klavier-Student am Pariser Konservatorium, war begeistert von der Möglichkeit, barocke Kompositionsformen mit dem Jazz zu kombinieren und begann zu experimentieren. Gemeinsam mit dem Bassisten Pierre Michelot und dem Schlagzeuger Christian Garros schrieb Loussier erste Arrangements der Musik Johann Sebastian Bachs und stellte diese bei Privatkonzerten in Pariser Künstlerkreisen vor. Wenig später wurde die Plattenfirma Decca auf Loussier aufmerksam und zeigte Interesse, Aufnahmen des Play Bach Trios zu veröffentlichen.

Pionierarbeit zwischen den Genres

Wenig später, im Jahr 1959, erschien schließlich die erste LP des Play Bach Trios und versetzte Jazzfans wie Klassikliebhaber gleichermaßen in einen Zustand zwischen Begeisterung und Ablehnung. Jedenfalls in einem Punkt waren sich Jazzer und Kunstmusikanhänger einig: Das, was Loussier auf der fünfunddreißigminütigen Platte vorstellte, hatte es vorher noch nicht gegeben. Schließlich war noch niemand zuvor auf die Idee gekommen, Kunstmusik für ein Jazztrio zu arrangieren.

Einen Hinweis darauf, dass die Bach’schen Kompositionen von dem Play Bach Trio nicht originalgetreu wiedergegeben werden, steckt bereits im Namen des Trios, ist er doch eine deutliche Anspielung auf den englischen Begriff „Playback“, also einer teilweisen Wiedergabe eines bereits fertiggestellten Musikstücks. Vielmehr nutzt Loussier die Kompositionen Bachs als Ausgangspunkt für eigene Fortspinnungen und Improvisationen, ohne jedoch die Themen oder harmonischen Verläufe der jeweiligen Originalwerke zu karikieren. So bleibt der Ursprung jeder Bearbeitung eindeutig zu identifizieren, was Loussiers respektvollen Umgang mit Bachs Musik deutlich macht.

Play Bach

Kurz nachdem die erste LP des Trios erschienen war, entbrannte zwischen Klassikpuristen und Jazzliebhabern die Diskussion, ob es sich bei der Musik Loussiers um Kunstmusik oder Jazz handelt. Loussier selbst äußerte sich dazu in zahlreichen Interviews und behauptete vehement, dass es sich keinesfalls um Jazz oder um einen „verjazzten“ Bach handelt, was jedoch, schon rein auf die Besetzung bezogen, einer humorigen Falschaussage gleichkam. Dennoch tragen die Stücke allesamt die Originaltitel Bachs. Letztlich schaffte es Loussier, auch die kritischen Stimmen von seinem Konzept zu überzeugen, sodass sich auch die folgenden Play Bach-Aufnahmen millionenfach verkauften. 1978 dann das Ende des Trios, Loussier wollte sich dem Weinbau widmen. Zu Bachs 300. Geburtstag im Jahr 1985 jedoch folgte die Neugründung des Trios – musikalische Überzeugungsarbeit war dann nicht mehr nötig.

Jacques Loussiers Play Bach Trio: Präludium C-Dur, BWV 846:

Auch interessant

Porträt Iiro Rantala

Der Querkopf

Gemeinhin gilt Iiro Rantala als international bestens beleumundeter Jazzpianist. Dabei ist er vom Beginn seiner Karriere an auch in der Klassik beheimatet. weiter

Jazz: Neues Album von John Coltrane

Zwischen Tradition und Avantgarde

Über 55 Jahre lag ein verschollen geglaubtes Album von Jazz-Saxophonist John Coltrane in einer vergessenen Kiste. Am 29.6. erscheint „Both Directions at Once: The Lost Album“ bei Impulse! Records weiter

3 Fragen an ...

3 Fragen an … Michael Wollny

Der Schweinfurter Jazzpianist Michael Wollny hat bemerkenswert viele Bezüge zur klassischen Musik weiter

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *