Porträt Klavier-Festival Husum

„Jenseits des Mainstreams“

Zum 25. Mal wird Husum im August zum Mekka der Fans außergewöhnlichen Piano-Repertoires

© Klavierfestival Husum

Die Husumer Krabbentage und der Husumer Fischmarkt zählen zu den Höhepunkten im jährlichen Veranstaltungskalender der „grauen Stadt am Meer“, wie Theodor Storm seine Heimat nannte. Acht Tage im Jahr jedoch zieht die Kleinstadt Piano-Aficionados aus aller Welt an. Dann stehen die „Raritäten der Klaviermusik“ im Mittelpunkt. Und dafür, dass unter diesen zahlreiche Juwelen zu finden sind, steht der Gründer und Künstlerische Leiter des Festivals ein: Peter Froundjian.

Dem Pianisten und Klavierpädagogen war bereits während seines Studiums in Berlin „die Diskrepanz zwischen dem vorhandenen Schatz und der Vielfalt an Musik – in diesem Falle an Klaviermusik – und dem engen Kanon an Werken, die das Musikleben dem Publikum de facto zu bieten gewillt war“, aufgefallen. Früh hatte er sich gefragt: „Soll das wirklich alles sein – die immergleiche Wiederholung bestimmter Werke, Saison für Saison, Jahr für Jahr?“ Als ihn der Zufall dann nach Husum verschlug, erhielt er den entscheidenden Anstoß: „Das ,Schloss vor Husum’ sollte meine Arbeitsstätte werden“, erinnert sich Froundjian. „Ein schlichter Backsteinbau mit einem charakteristischen Turm und einer durchaus historischen Aura, die das Innere des Schlosses durchweht. Nicht ein einziges Mal hatte ich bis dahin daran gedacht, ein Festival zu gründen. Doch die Begegnung mit dem Schloss und seinem Rittersaal ließ in meinem Kopf eine Vision entstehen, die realisierbar erschien. Im Rahmen eines einwöchigen Festivals könnte man eingefahrene Gleise des Musiklebens verlassen, Vorurteile aufbrechen, Programme abwechslungsreicher und damit erlebnisreicher gestalten.“

Gesagt, getan: 1987 spielte Michael Ponti, durch seine CD-Aufnahmen als musikalischer Entdecker bekannt, zur Eröffnung des ersten Festivals Werke u.a. von Moscheles, Henselt, Anton Rubinstein, Medtner, Tausig, Moszkowski und zwei Liszt-Transkriptionen. Nur ein Jahr später stellte sich der damals noch völlig unbekannte Marc-André Hamelin erstmals in Husum vor: mit Werken von Liszt, Bolcom, Godowsky und sechs Zugaben!

„Dass Marc-André Hamelin – mittlerweile ein weltweit gefragter Pianist – mit seinen Konzerten im zweijährigen Turnus gewissermaßen zum geheimen Pianist-in-Residence des Festivals wurde, zeugt von unser beider Denken in ähnlichen Bahnen“, so Froundjian. Und wenn Hamelin zuletzt spielte, waren nicht nur die 160 Sitzplätze im Rittersaal, sondern auch sämtliche Hörplätze drumherum besetzt. Kein Wunder also, dass der Kanadier diesmal ins neue „Nordsee Congress Centrum“ ausquartiert wird. Mit Roland Pöntinen, Artur Pizarro, Piers Lane und Jonathan Powell – um nur einige zu nennen – hat Froundjian im Jubiläumsjahr noch weitere bekannte Pianisten engagiert, um kaum bekannte Klavierwerke zu präsentieren. Dokumentiert werden die Höhepunkte der Konzerte sicherlich wieder auf einer der jährlich erscheinenden CDs beim Label Danacord, die das Festival international bekannt gemacht haben. Zum Jubiläum erscheint zudem ein Rückblick in Buchform. Sein passender Titel: „Jenseits des Mainstreams“.

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