Opern-Kritiken
Lesen Sie Opernkritiken von aktuellen Premieren, Uraufführungen und Saisonhighlights aus Deutschland und europäischen Metropolen verfasst von Experten.
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Eine Postkarten-Regie: Es grüßt der Faust
(München, 8.2.2026) An der Bayerischen Staatsoper zeigt Lotte de Beer Charles Gounods „Faust“ als elegant erzähltes Bildertheater. Nathalie Stutzmann überzeugt als eine der größten Dirigentinnen der Zeit mit akademischer Präzision und klanglicher Vielfalt.
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Hat deutsche Kultur ein Imageproblem?
(Stuttgart, 7.2.2026) Im achtzigsten Jahr der Nürnberger Prozesse bemüht Elisabeth Stöppler an der Staatsoper Stuttgart Richard Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“ unter dem Zeichen historischer Verantwortung. Szenisch gefiel das nicht jedem, musikalisch kann das Ensemble dafür umso mehr glänzen.
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Passionsgeschichte einer Stadtpatronin
(Düsseldorf, 7.2.2026) An der Deutschen Oper am Rhein öffnet Regisseur Johannes Erath Geist und Sinn für die haptischen Dimensionen von Astor Piazzollas Operita „María de Buenos Aires“.
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Ein vergiftetes Meisterwerk
(Wien, 7.2.2026) Verdis frühe Schiller-Vertonung „Luisa Miller“ erweist sich an der Wiener Staatsoper als stilistisch herrlich einheitliche, in die Zukunft weisende Preziose. Maestro Michele Mariotti und das wunderbare Sängerensemble sind ihre idealen Anwälte. Die Inszenierung ist indes ein Totalausfall.
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Komik ist nun die US-amerikanische Tragödie
(Hamburg, 1.2.2026) Von guten Riesenechsen, narzisstischen Orangen und Mäusen, die uns alle verraten haben: An der Staatsoper Hamburg kommt Komponistin Olga Neuwirths und Schriftstellerin Elfriede Jellineks lang erwartete Politsatire „Monster’s Paradise“ zur Uraufführung.
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Bruchlandung auf dem Olymp
(Halle, 31.1.2026) An der Oper Halle feierte Jacques Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“ Premiere: Patric Seibert, Chefdramaturg des Hauses, saß dabei nicht nur am Regiepult, sondern als Hans Styx auch als Pilot am Steuer einer Boeing der Olympic Airlines.
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Die Angst endet nie
(Dresden, 31.1.2026) An der Dresdner Semperoper feiern Francis Poulencs „Dialoge der Karmelitinnen“ als Import aus Zürich ihre bejubelte Premiere. Musikalisch bleiben keine Fragen offen, szenisch schon – aber das ist eher eine Stärke der Produktion, die sich niemand entgehen lassen sollte.
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Ob pausenlos singen oder leiden: Es ist ein Kreislauf des Lebens
(Lübeck 31.1.2026) Das Leben als Karussell: Regisseur Philipp Himmelmann inszeniert am Theater Lübeck Jacques Offenbachs „Les Contes d’Hoffmann“ in einer stark verdichteten Version.
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Mann ist Frau und Frau ist Mann
(Wien, 23.1.2026) Ob einer der intelligentesten und erstklassigsten Opernregisseure wie Christof Loy für ein kitschig halbseidenes Genre wie die Zarzuela der richtige ist? Die Antwort ist derzeit mit Pablo Lunas „Benamor“ im Musiktheater an der Wien zu sehen.
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Ein Herbst des Herzens im Frühling des Lebens
(Paris, 26.1.2026) An der Opéra national de Paris treffen Tschaikowskys „Eugen Onegin“ und eine bildstarke Neudeutung im Palais Garnier aufeinander – mit einem aufsehenerregenden Regiedebüt und einer überzeugenden musikalischen Deutung.
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In der Tiefe des eigenen Ichs
(Berlin, 25.1.2026) David Hermann inszeniert Erich Wolfgang Korngolds Einakter „Violanta“ als Psychothriller der Selbsterkenntnis. Der bald scheidende GMD der Deutschen Oper, Sir Donald Runnicles, zaubert mit dem Orchester des Hauses orchestrale Suggestionskraft.
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Die Liebe: ein weites Feld
(Frankfurt, 25.1.2026) An der Oper Frankfurt entfacht „Amor vien dal destino“ unter der musikalischen Leitung von Václav Luks und in der konzentrierten Regie von R. B. Schlather ein tragikomisches Liebesspiel, das wahrlich mehr Lust auf die Musik Agostino Steffanis macht.
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„Jazz-Operette“ goes Hollywood
(Dortmund, 24.1.2026) Szenisch und musikalisch offenbart sich die Premiere von Paul Abrahams „Märchen im Grand Hotel“ als Volltreffer. Rasanz, Pointensicherheit, eine Prise Sentiment treffen auf die ganz große Show.
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Im Rossini-Absurdistan
(Genf, 23.1.2026) Mit Michele Spotti am Pult des Orchestre de la Suisse Romande ist ein Rossini-Überzeugungstäter am Werk, der ganz tief in die Partitur eines Buffa-Meisterwerks hineinlauscht. Die Inszenierung von Julien Chavaz lässt die Komödie nach allen Regeln der Kunst abschnurren.
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Es ist Macbeth, aber in komisch
(Basel, 22.1.2026) Am Theater Basel inszeniert Herbert Fritsch Verdis „Macbeth“ als grelles, choreografisch verdichtetes Spiel, das den Schrecken der Machtgier mit burlesker Lust an der Überzeichnung bricht.
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Selig sind die Glücklichen
(Straßburg, 21.1.2026) Die Opéra National du Rhin feiert mit Jakob Peters-Messers Inszenierung von Korngolds seltener Oper „Das Wunder der Heliane“ Premiere. Die plakative Symbolik des Märchenstoffs trifft auf klaren Zugriff und wuchtigen Korngold-Klang aus dem Orchestergraben.
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Im Unterholz verheddert
(Paris, 17.1.2026) Beim Pariser „Siegfried“ begeistern vor allem Pablo Heras-Casado am Pult und Andreas Schager in der Titelpartie, während sich die Inszenierung von Calixto Bieito trotz weniger witziger Ideen kaum zu Deutungshöhe aufschwingt.
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Heiter bis zickig
(Dessau, 16.1.2026) In der Bauhausstadt feiert Johann Strauss‘ „Die Fledermaus“ mit meisterhafter Orchester-Delikatesse und stets richtiger Feinabstimmung mit dem boulevardesk und belcantesk gut aufgelegten Bühnenensemble seine Premiere.
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Mahler meets Marthaler
(Hamburg, 15.1.2026) Nach diesem Musiktheaterabend an der Staatsoper Hamburg wird man Mahler anders hören: Regisseur Marthalers Methode wird in „Die Unruhenden“ nie zur Masche, sondern knackt Mahlers Musik nachgerade genialisch.
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Traumaforschung vor Waldtapete
(Berlin, 11.1.2026) Die neue Oper „Das kalte Herz“ von Matthias Pintscher erzählt das gleichnamige Märchen mit neuen Bezügen. Vieles bleibt allerdings verrätselt, und die Uraufführungsinszenierung hilft auch nicht weiter.
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„Es liegt mir auf der Zunge“
Andris Poga hört und kommentiert Aufnahmen von Kollegen, ohne dass er weiß, wer spielt.
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