Opern-Kritiken
Lesen Sie Opernkritiken von aktuellen Premieren, Uraufführungen und Saisonhighlights aus Deutschland und europäischen Metropolen verfasst von Experten.
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Wahnsinn als Staatsraison
(Frankfurt am Main, 12.4.2026) Regisseurin Andrea Breth, Thomas Guggeis und Lucia Ronchetti mit ihrem passend dazu komponierten Prolog machen aus Puccinis „Turandot“ eine beklemmende Studie über Gewaltherrschaft.
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Songspiel und queere Didaktik
(Erfurt, 11.4.2026) Die Oper „For a Look or a Touch“ von Jake Heggie erweist sich als lehrreicher Klassiker des neuen Musiktheaters. Darin erlebt ein jugendliches Publikum die Nöte und Bedrängnisse queerer Personen in Greifweite und ohne betuliches Leisetreten.
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Die Unterwelt: eine feuchte Angelegenheit
(Graz, 11.4.2026) An der Oper Graz bringt Regisseurin Nanine Linning Jean-Philippe Rameaus Barockoper „Castor et Pollux“ als wässrig schwebendes Drama auf die Bühne. Dirigent Bernhard Forck stimmt in den Reigen mit wellenartiger Lyrik ein.
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Undine geht
(Magdeburg, 10.4.2026) Seit 1989 wirkt Undine Dreißig am Theater Magdeburg, dem sie bis heute treu blieb. Nun verabschiedet sie sich von ihrem Publikum: so professionell wie nötig, so privat wie möglich.
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So stilvoll geht Barockspektakel
(Wien, 10.4.2026) Wie ein guter Wein gereift: Fünf Jahre nach der Bayreuther Premiere bringt das Theater an der Wien Leonardo Vincis neapolitanische Barockoper „Alessandro nell’Indie“ zurück auf die Bühne. Max Emanuel Cencics kurzweilige Regie hat dabei nichts von ihrem Witz und Unterhaltungswert eingebüßt.
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Hier spielt die Barockmusik
(Zürich, 25.3.-27.3.2026) Wie ein Koordinatensystem der Stilrichtungen: Die Oper Zürich versammelt in ihrem Festival Zürich Barock die musikalischen Kräfte Europas und wird zum neuen Hotspot der Alten Musik.
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Gefühlswallungen durch Anna Netrebko
(Berlin, 29.3.2026) Die Festtagspremiere von „Un ballo in maschera“ an der Staatsoper Unter den Linden steht ganz im Zeichen von Anna Netrebko als Verdis Amelia. Die Starsopranistin rettet die eher öde Regie von Rafael R. Villalobos.
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Rassenhygieniker Wotan
(Köln, 29.3.2026) Während Paul-Georg Dittrich und sein Team in ihrer Wagner-Deutung einem gedanklichen Kurzschluss erliegen, gerät die musikalische Seite beglückend: Der Mischklang, den das Gürzenich-Orchester unter Marc Albrecht entfaltet, ist von berückender Wirkungsmacht.
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Self-Empowerment für Yoga-Mums
(Stuttgart, 29.3.2026) An der Staatsoper Stuttgart gestaltet GMD Cornelius Meister mit einem kraftvollen Solistenensemble um Rachael Wilson eine hörenswerte Produktion von „Dialogues des Carmélites“. Regisseurin Ewelina Marciniak schießt allerdings mit der einen Regieidee über die Grenzen der viel besseren zweiten hinaus.
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Der Berg ist dein Feind
(Erfurt, 28.3.2026) Am Theater Erfurt feierte Charles Wuorinens Vertonung der Literaturvorlage von Annie Proulx und der Oscar-prämierten Filmversion „Brokeback Mountain“ Premiere.
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Träume ich hier richtig?
(Baden-Baden, 28.3.2026) Die Osterfestspiele gehen mit dem Mahler Chamber Orchestra unter Joana Mallwitz in eine neue Ära. Inszenatorisch ideenreich und sängerisch bestmöglich gelöst, zeigt die Debütproduktion des „Lohengrin“ durchaus Schwächen.
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Alles auf Anfang
(Salzburg, 27.3.2026) Die Berliner Philharmoniker und ihr Chef Kirill Petrenko kehren zurück an die Salzach. Mit diesem „Rheingold“ ist dem Intendanten der Osterfestspiele, Nikolaus Bachler, ein Coup mit Nachwirkung gelungen.
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Kulissenbühne heutig
(Meiningen, 27.3.2026) Malerfürst Markus Lüpertz verantwortet die „Rheingold“-Premiere als Bühnen- und Kostümbildner sowie Regisseur in Personalunion: Historische Kulissenbühne trifft darin anregend emanzipierende Gegenwartskunst.
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Von Kitsch ersticktes Pathos
(Dresden, 22.3.2026) Pünktlich vor der Karwoche gibt es an der Semperoper mal wieder eine vom Publikum überrannte Neuproduktion von Richard Wagners „Parsifal“. Während Chefdirigent Daniele Gatti musikalisch am Ende doch noch zur Perfektion findet, setzt Regisseur Floris Visser die Inszenierung leider in den Sand.
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Weimarer Totalmissbrauch
(Weimar, 21.3.2026) In diesem Korngold-Thriller kommt alles zu plump, weil die Inszenierung den Plot mit störrischer Sensationsgier, ohne Tiefgang und doppelten Boden aufgreift.
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Demagogie in Megalopolis
(Wiesbaden, 21.3.2026) Während Paul Taubitz und das Hessische Staatsorchester Wiesbaden Vogelgezwitscher und Pathos auskosten, destilliert Ersan Mondtag aus den die Vogelwelt heimsuchenden Wohlstandsbürgern allzu bemüht demagogisches Potential.
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Tanzende Körper in der Ursuppe
(Genf, 19.3.2026) Bei seinem Opernregiedebüt in Genf lehrt uns Choreograf Edward Clug auf feinsinnige Weise das Staunen. Poesie, Fantasie und Magie schlagen jeglichen Realismus in Rameaus barockem Wunderwerk „Castor et Pollux“.
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Der Strahlemann-Superman
(Dortmund, 15.3.2026) Zwischen Schlachtengemälde und utopischer Sehnsucht wird am Theater Dortmund die deutsche Erstaufführung der „Mazeppa“ von Clémence de Grandval zur grandiosen Ausgrabung und Wiederbelebung einer späten Grand Opéra.
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Tod, Heilung, Harmonie
(Leipzig, 14.3.2026) Ein hundertprozentiger Uraufführungserfolg, wie ihn sich viele Theater erträumen: Komponist Bernd Franke bekennt sich zu einem emotionalen Musiktheater in der Nachfolge seines Mentors Hans Werner Henze.
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Eine Sturmflut der Rache
(Straßburg, 11.3.2026) An der Operá national du Rhin inszeniert Olivier Py höchst eindrucksvoll Édouard Lalos Oper „Le Roi d’Ys“. Atemberaubend, was Samy Rachid und das Orchestre national de Mulhouse zu dieser tragischen Geschichte im Graben entfesseln.
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„So schön, dass ich heulen könnte“
Martin Lehmann hört und kommentiert Aufnahmen von Kollegen, ohne dass er weiß, wer singt.
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