Opern-Kritiken
Lesen Sie Opernkritiken von aktuellen Premieren, Uraufführungen und Saisonhighlights aus Deutschland und europäischen Metropolen verfasst von Experten.
-
Ein Wunder, doch anders als erwartet
(Köln, 10.5.2026) In der deutschen Erstaufführung ihrer Kammeroper erweisen sich Komponist George Benjamin und Librettist Martin Crimp erneut als Dream Team. Während der Dichter in der Knappheit des Ausdrucks Magie und Geheimnis evoziert, ersinnt der Tonsetzer eine luzide Partitur voller Suggestivkraft.
-
Das ergraute Herz
(Frankfurt am Main, 10.5.2026) An der Oper Frankfurt formt Regisseur Alex Ollé Wolfgang Fortners „Bluthochzeit“ nach Federico García Lorca zu einer bitterkalten, entseelten und gerade dadurch so präzisen psychologischen Studie.
-
Kampf der Königinnen
(München, 10.5.2026) Fesselnd, fasslich und farbenreich gerät Brett Deans umjubelte Uraufführung über das Schicksal der Königinnen Elizabeth Tudor und Mary Stuart. Zwei große Sängerdarstellerinnen tragen den Abend. Es bleiben nur wenige Fragezeichen.
-
Die Computerspiel-Flöte
(Gelsenkirchen, 9.5.2026) Das Musiktheater im Revier befragt unter der Regie Nora Krahls Mozarts „Zauberflöte“ mit zeitgenössischen KI-unterstützten Bühnenbildelementen. Ein Experiment.
-
Buntes Passions- und Revolutionsspiel
(Hildesheim, 3.5.2026) Das Theater für Niedersachsen wagt die deutsche Erstaufführung der Oper von Stewart Wallace über den 1979 in San Francisco ermordeten Queer-Aktivisten Harvey Milk. Ein enormer Erfolg.
-
Wie gefährlich sind Männerblicke für Frauen?
(Magdeburg, 2.5.2026) Christian Øland gibt mit Jules Massenets „Manon“ seinen Operneinstand als neuer GMD in Magdeburg. Er lässt die tragisch umschimmerte Traurigkeit in der Leichtigkeit der Musik wunderbar aufscheinen.
-
Nachts im Museum
(Schwetzingen, 2.5.2026) Im Rahmen der Schwetzinger SWR Festspiele inszeniert Regisseur Markus Bothe für das Nationaltheater Mannheim Claudio Monteverdis „L’Orfeo“ als fließendes Spiel zwischen Bühne und Publikum – und als Hommage an die Renaissance- und Barockmalerei.
-
Die Macht der Worte
(Wiesbaden, 1.5.2026) Das Staatstheater Wiesbaden startet mit einer wort- und lehrreichen Übernahme aus Nancy in die Maifestspiele: mit Tiago Rodrigues’ dem Brecht’schen Theater verwandten Exegese von „Tristan und Isolde“. Musikalisch fand das Gehörte dabei deutlich mehr Anklang als die feinsinnige, aber fordernde Regie.
-
Mein Körper gehört mir
(Mainz, 26.4.2026) In ihrer Uraufführung der Mainzer Fassung der amerikanischen Komponistin Missy Mazzoli dringt ihre Oper bis in des Gemüts verborgenste Winkel. Die Geschichte ist heftig.
-
Der Facettenreiche
(Leipzig, 24.4.-26.4.2026) Im Rahmen des Festivals Lortzing 26 erforschen Oper und Musikalische Komödie Leipzig die vielgestaltigen musikalischen wie inhaltlichen Qualitäten des in der Stadt lange Zeit wirkenden Spielopernfürsten Albert Lortzing. Den Chorensembles und den Orchestern der Häuser gebührt dabei die volle Hochachtung.
-
Landgang ins metropolitane Spektakel
(Duisburg, 25.4.2026) Leonard Bernsteins Broadway-Hit „On the Town“ zündet dank Regisseurin Louisa Proske, Choreografin Marie-Christin Zeisset, Dirigent Stefan Klingele und einem perfekten Ensemble nicht nur am Hudson River, sondern auch am Rhein.
-
Ein stiller Schmerzensmann
(Lübeck, 25.4.2026) Schnörkellos, unsentimental und präzise, so ganz ohne wohlfeile Regieeinfälle führt uns Brigitte Fassbaender Wozzecks Schicksal vor Augen. Baritonstar Bo Skovhus begeistert in der Titelpartie von Alban Bergs Oper.
-
Traumata eines Rückkehrers
(Genf, 23.4.2026) Regisseurin Barbora Horáková legt mit ihrer Inszenierung von Puccinis angeblichem Rührstück eine die Interpretations- und Rezeptionsgeschichte fortschreibende famose Deutung vor. Mit hellhöriger Poesie statt mit wohlfeilem Deutungsholzhammer.
-
Queeres Liebesdrama
(Braunschweig, 19.4.2026) Regisseur Jan Eßinger deutet die gleichgeschlechtliche Setzung als schicksalhafte Verfallenheit des berühmtesten Liebespaares der Kulturgeschichte. Musikalisch wähnt man sich in den siebten Opernhimmel versetzt.
-
Aus dem Bett heraus regieren
(Darmstadt, 18.4.2026) Wenn das Sinnliche auf Unsinn trifft: Am Staatstheater Darmstadt verbindet Regisseur Karsten Wiegand in seiner kammermusikalischen Inszenierung von „Die Krönung der Poppea“ die Intimität einer im Schlafgemach geplanten fürstlichen Intrige mit der frivolen Banalität einer karnevalesken Buffa-Oper.
-
Wahnsinn als Staatsraison
(Frankfurt am Main, 12.4.2026) Regisseurin Andrea Breth, Thomas Guggeis und Lucia Ronchetti mit ihrem passend dazu komponierten Prolog machen aus Puccinis „Turandot“ eine beklemmende Studie über Gewaltherrschaft.
-
Songspiel und queere Didaktik
(Erfurt, 11.4.2026) Die Oper „For a Look or a Touch“ von Jake Heggie erweist sich als lehrreicher Klassiker des neuen Musiktheaters. Darin erlebt ein jugendliches Publikum die Nöte und Bedrängnisse queerer Personen in Greifweite und ohne betuliches Leisetreten.
-
Die Unterwelt: eine feuchte Angelegenheit
(Graz, 11.4.2026) An der Oper Graz bringt Regisseurin Nanine Linning Jean-Philippe Rameaus Barockoper „Castor et Pollux“ als wässrig schwebendes Drama auf die Bühne. Dirigent Bernhard Forck stimmt in den Reigen mit wellenartiger Lyrik ein.
-
Undine geht
(Magdeburg, 10.4.2026) Seit 1989 wirkt Undine Dreißig am Theater Magdeburg, dem sie bis heute treu blieb. Nun verabschiedet sie sich von ihrem Publikum: so professionell wie nötig, so privat wie möglich.
-
So stilvoll geht Barockspektakel
(Wien, 10.4.2026) Wie ein guter Wein gereift: Fünf Jahre nach der Bayreuther Premiere bringt das Theater an der Wien Leonardo Vincis neapolitanische Barockoper „Alessandro nell’Indie“ zurück auf die Bühne. Max Emanuel Cencics kurzweilige Regie hat dabei nichts von ihrem Witz und Unterhaltungswert eingebüßt.
-
„Offenheit schadet nicht, sie stärkt“
Der französische Cellist Gautier Capuçon engagiert sich sehr für die Ausbildung und Förderung junger Musiker.
Newsletter
Jeden Donnerstag in Ihrem Postfach: frische Klassik!























