Startseite » Multimedia » Verfolgt und Vergessen

Podcast-Tipp: Musikalische Stolpersteine

Verfolgt und Vergessen

Mit Kurzporträts erinnert der Podcast „Musikalische Stolpersteine“ an Musikschaffende, die während der NS-Zeit verfolgt wurden.

vonBenjamin Elsholz,

Wer den schwungvollen Walzer „Wiener Praterleben“ hört, schwelgt sofort im Wien der Jahrhundertwende. Der Name seines Urhebers fällt einem dagegen nicht so schnell ein: Siegfried Translateur. Weil er Jude war, wurde der 1875 in Schlesien als Salo Translateur geborene Komponist von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet. Viele andere Musikschaffende teilten ein ähnliches Schicksal und verschwanden in Folge der Repressionen aus dem öffentlichen Kulturleben. Um an sie zu erinnern, entstand 2024 das Projekt „Musikalische Stolpersteine“ des Landesmusikrats Berlin. Es rekonstruiert die Lebensgeschichten verfolgter Komponistinnen und Komponisten und bezieht zugleich junge Menschen in die historische Aufarbeitung ein. Berliner Schulklassen recherchieren mit Unterstützung des Vereins „musica reanimata“ Biografien, sprechen mit Nachfahren und untersuchen das musikalische Vermächtnis: Welche Werke werden noch aufgeführt, welche sind überhaupt zu finden? Die Ergebnisse erscheinen in Podcastfolgen, produziert in Kooperation mit dem rbb.

Gespräche mit Nachfahren der Komponisten in den nächsten Folgen

Im Februar werden drei neue Folgen im Radio 3 des rbb ausgestrahlt, in denen Cioma Schönhaus, Jakob Dymont und Siegfried Translateur im Mittelpunkt stehen. Neun der etwa 15-minütigen Audio-Porträts sind in der ARD Audiothek bereits verfügbar. Die nächste Sendung am 10. Februar widmet sich Cioma Schönhaus, dessen Lebensgeschichte bereits im Film „Der Passfälscher“ dargestellt wurde. Sein Sohn, der Klezmer-Musiker Sascha Schönhaus, erzählt im Podcast von seinem Vater, der hunderten Jüdinnen und Juden die Flucht ermöglichte. Für die eine Woche später erscheinende Folge über den aus Litauen stammenden Kantor Dymont, der ost- und westeuropäische Musiktraditionen verband, sprachen Schülerinnen und Schüler des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums Berlin mit seinem Enkel. Der dritte neue „Musikalische Stolperstein“ porträtiert schließlich Siegfried Translateur, dessen Walzer „Wiener Praterleben“ im Berlin der 1920er Jahre als „Sportpalastwalzer“ zum Hit wurde.

concerti-Tipp:

Musikalische Stolpersteine
Drei neue Folgen, ab 10.2., jeweils dienstags um 12:00 Uhr auf rbb radio 3
Danach abrufbar auf: radiodrei.de

Auch interessant

Rezensionen

Newsletter

Jeden Donnerstag in Ihrem Postfach: frische Klassik!