Radio-Tipp 16.2.: Post-Instrumentalismus

Musiker als Instrumentenbauer

In der Neuen Musik gibt es kaum noch Grenzen, und so entwickeln immer mehr Interpreten ihre eigenen Instrumente.

© Andreas Oskar Hirsch

Carbophon des Komponisten Andreas Oskar Hirsch

Carbophon des Komponisten Andreas Oskar Hirsch

iPad-gesteuerte Orgeln, elektronische Saxofone und Vierteltontrompeten haben dem ersten Anschein nach wenig mit klassischer Musik zu tun. Doch weit gefehlt: In der Szene der zeitgenössischen Musik etablierte sich in den letzten Jahren der Trend, dass Musiker und Komponisten nicht mehr nur für klassisches Instrumentarium neue Werke schreiben, sondern selbst gleich neue Instrumente erfinden, um klangästhetisch neue Perspektiven zu ermöglichen. So wartet der alternative Instrumentenbau ununterbrochen mit Neuheiten auf, die für den eher konservativ eingestellten Klassikliebhaber durchaus skurril anmuten – und traditionellen Instrumentenbauern Schweißperlen auf die Stirn treiben.

Im Zuge des Trends sind in den letzten Jahren einige faszinierende Instrumente entstanden, darunter zum Beispiel das von Andreas Oskar Hirsch erfundene „Carbophon“ – ein elektroakustisches Zupf- und Schlaginstrument, das mithilfe eines Kontaktmikrofons automatisierte Klänge anspielt, oder die Gameleste – ein computergesteuertes Hybrid aus Celesta und dem indonesischen Gamelan, einst speziell für die isländische Sängerin und Musikproduzentin Björk entworfen. Als Instrumente als solche sind viele dieser Neuerfindungen kaum noch zu erkennen, erinnern einige Kreationen optisch vielmehr an Versuchsaufbauten eines Chemielabors, an Werkbänke oder Spinnräder.

Alternative zum traditionellen Instrumentenbau

Dass bei Veranstaltungen mit zeitgenössischer Musik inzwischen die Bühnensettings fast schon wie Serverräume anmuten, ist nur ein Aspekt des Phänomens. Einhergehend damit, dass sich die neuentwickelten Klangerzeuger immer weiter von den traditionellen Musikinstrumenten entfernen, werden viele Musiker zu Spezialisten ihrer ganz eigenen Klangästhetik – was die ohnehin schon breitgestreute Szene insgesamt noch bunter macht.

In der Deutschlandfunk-Sendereihe „Atelier neuer Musik“ stellt Leonie Reineke unter dem Titel „Post-Instrumentalismus – Wenn Künstler ihre Klangerzeuger selbst bauen“ den Trend aus der Neuen-Musik-Szene vor und blickt auf die Entwicklung des alternativen Instrumentenbaus, der sich mehr und mehr zu einem gleichermaßen konfusen und spannenden Teilaspekt der zeitgenössischen Musik entwickelt.

Sehen Sie hier Andreas Oskar Hirsch mit dem von ihm erfundenen Carbophon:

concerti-Tipp:

Deutschlandfunk
Atelier neuer Musik
Post-Instrumentalismus – Wenn Künstler ihre Klangerzeuger selbst bauen
Sa. 16.2.2019, 22:05 Uhr

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