Porträt Elin Kolev

Wunderkind spielt Wunderkind

Der 15jährige Geiger und „Filmstar“ Elin Kolev debütiert in Berlin

© Daniel Pasche

Ukraine, 1941: Der junge, hochbegabte Geiger Abrascha wird als Wunderkind gefeiert. Er spielt in den großen Konzertsälen vor der Parteielite und sogar vor Stalin. Die Deutsche Hanna wird von Abraschas Lehrerin ebenfalls als Schülerin angenommen, und zwischen den beiden entwickelt sich eine Freundschaft. Doch bald wird sie auf eine harte Probe gestellt: Nach dem Angriff Deutschlands auf Russland muss Hannas Familie sich verstecken. Und die von Abrascha hilft ihr.

„Wunderkinder“ heißt der Film von Marcus O. Rosenmüller, der diese Geschichte erzählt und im Oktober in den deutschen Kinos anlief. Und neben Leinwandgrößen wie Gudrun Landgrebe, Kai Wiesinger und Konstantin Wecker wirkt darin, in der Rolle eben jenes Abrascha, ein 14jähriger Junge mit, der auch im wirklichen Leben ein Wunderkind ist: Elin Kolev.

1996 in Zwickau geboren, begann Elin seine musikalische Ausbildung im Alter von fünf Jahren am Robert-Schumann-Konservatorium seiner Heimatstadt. Mit zehn wurde er an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig als Jungstudent in die Klasse von Carolin Widmann aufgenommen, und seit 2010 lernt er, immer noch als Jungstudent, an der Musikhochschule Karlsruhe bei Josef Rissin.

Schon als Achtjähriger gab Elin mit der Vogtland-Philharmonie sein Orchesterdebüt: Beim Event „Klassik unter Sternen“ begeisterte er fünftausend Zuschauer. Er konzertierte in ganz Deutschland, Österreich und Italien. Mit zwölf Jahren folgten die erste Amerika-Tournee und der erste Auftritt in der New Yorker Carnegie Hall und im letzten Frühjahr dann das erste große Konzert in seiner Geburtsstadt: Im Zwickauer Konzert- und Ballhaus mit dem schönen Namen „Neue Welt“ spielte Elin Ravel, Franck und Die vier Jahreszeiten, und die Chemnitzer „Freie Presse“ lobte: „Der 14-Jährige gab mitnichten den fertigen Solisten und schon gar nicht den Wundergeiger. Vielmehr war da einer zu erleben, der sich – so sehr das Gezeigte zu bewundern ist – noch auf dem Weg befindet, bei dem dank verantwortungsvoller Lehrer die fortwährende Festigung der musikalischen Grundlagen und eine solide, unaufgeregte, altersgemäße Entwicklung auf dem Plan stehen.“

Zwei wichtige Konzertsaaldebüts stehen für Elin in den ersten beiden Monaten des neuen Jahres an: Im Leipziger Gewandhaus tritt er im Rahmen des Neujahrskonzerts mit dem MDR-Sinfonieorchester unter Leitung von Jun Märkl auf, und in der Berliner Philharmonie spielt er am 21. Februar in der Reihe der Konzertdirektion Hohenfels das Violinkonzert von Felix Mendelssohn.

Im September wurde Elins erste CD veröffentlicht, und das gleich beim Major-Label Sony: Abwechselnd mit Pianistin Milana Chernyavska und den Dresdner Kapellsolisten unter Helmut Branny serviert er virtuose Leckerbissen wie Zigeunerweisen, Liebesfreud und Liebesleid und Schmachtfetzen wie die Meditation aus Thaïs oder das Thema aus Schindlers Liste. Und apropos Film: Vor der Kamera hat er auch schon wieder gestanden: In der Dokumentation „Orchestra of Exiles“ von Josh Aronson verkörpert Elin Kolev den Geiger Bronislaw Huberman. Der hat die Entwicklung vom Wunderkind zum seriösen Interpreten geschafft. Ein gutes Omen also.

CD-Tipp

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