Michael Kaminski
Artikel
-
Rassenhygieniker Wotan
(Köln, 29.3.2026) Während Paul-Georg Dittrich und sein Team in ihrer Wagner-Deutung einem gedanklichen Kurzschluss erliegen, gerät die musikalische Seite beglückend: Der Mischklang, den das Gürzenich-Orchester unter Marc Albrecht entfaltet, ist von berückender Wirkungsmacht.
-
Kulissenbühne heutig
(Meiningen, 27.3.2026) Malerfürst Markus Lüpertz verantwortet die „Rheingold“-Premiere als Bühnen- und Kostümbildner sowie Regisseur in Personalunion: Historische Kulissenbühne trifft darin anregend emanzipierende Gegenwartskunst.
-
Demagogie in Megalopolis
(Wiesbaden, 21.3.2026) Während Paul Taubitz und das Hessische Staatsorchester Wiesbaden Vogelgezwitscher und Pathos auskosten, destilliert Ersan Mondtag aus den die Vogelwelt heimsuchenden Wohlstandsbürgern allzu bemüht demagogisches Potential.
-
Der Totalitarismus hat nicht das letzte Wort
(Mainz, 22.2.2026) Wo Viktor Ullmann in seiner Oper „Der Kaiser von Atlantis“ das Grauen der Vernichtung meinte, setzt Regisseurin Cuéllar Velasco verblüffend poetisch auch utopisches Potential frei. Musikalisch lohnt die Produktion sogar weite Anreisen.
-
Kaltes Gold und feurige Brillanten
(Meiningen, 13.2.2026) In Paul Hindemiths Oper setzt Regisseurin Giulia Giammona die Psychologie der Titelfigur und der Massen in gleichermaßen Beklemmung und Grauen erregende Wechselwirkung. Auch musikalisch läuft dieser packende „Cardillac“ auf Hochtouren.
-
Passionsgeschichte einer Stadtpatronin
(Düsseldorf, 7.2.2026) An der Deutschen Oper am Rhein öffnet Regisseur Johannes Erath Geist und Sinn für die haptischen Dimensionen von Astor Piazzollas Operita „María de Buenos Aires“.
-
„Jazz-Operette“ goes Hollywood
(Dortmund, 24.1.2026) Szenisch und musikalisch offenbart sich die Premiere von Paul Abrahams „Märchen im Grand Hotel“ als Volltreffer. Rasanz, Pointensicherheit, eine Prise Sentiment treffen auf die ganz große Show.
-
Emanzipation und Dekolonialisierung mit hohem Unterhaltungswert
(Hof, 19.12.2025) Regisseur Oliver Pauli weist am Theater Hof in Emmerich Kálmáns „Die Bajadere“ mit Charme und Eleganz auf die Zwiespältigkeit von „kultureller Aneignung“ hin.
-
Konkretion und Abstraktion
(Frankfurt am Main, 7.12.2025) Regisseur Claus Guth situiert Mozarts „Mitridate, re di Ponto“ an der Oper Frankfurt in den sechziger Jahren und geht einen Mittelweg zwischen Tagesaktualität und Historisierung.
-
Giulia e Cleopatro
(Duisburg, 30.11.2025) Genderfluides hat Konjunktur. Bereits bei Händel könnte es in der Tat angelegt sein. Darauf legt es Regisseurin Michaela Dicu in ihrer Deutung jedenfalls voll an, was sich nicht nur als Vorteil erweist.
-
Liebestod im Hallenbad
(Krefeld, 15.11.2025) Regisseur Jan Eßinger und Bühnenbildnerin Benita Roth verlegen den Schauplatz der Tragödie um das größte Liebespaar aller Zeiten in den lost space einer aufgegebenen Schwimmhalle. Das funktioniert bestens. Mihkel Kütson entlockt den Niederrheinischen Sinfonikern dazu alle der Partitur innewohnenden Vorzüge.
-
Liebestrank als Medizin gegen toxische Männlichkeit
(Münster, 2.11.2025) Regisseurin Clara Kalus zeigt: Die Männergesellschaft auf Tristans Schiff definiert sich ganz wesentlich durch Herrschaft über Frauen. Musikalisch punktet dieser „Tristan“ aber noch weitaus stärker.
-
Verlorene Unschuld
(Köln, 26.10.2025) Unter Gastdirigent Marc Albrecht tönt das Gürzenich-Orchester in Wagners „Rheingold“ prägnant und mit der angemessenen Härte einer bitterbösen Komödie. Das Inszenierungsteam darf in den Folgeproduktionen noch gehörig nachlegen.
-
Hochmodisch
(Cottbus, 18.10.2025) „Messeschlager Gisela“ ist in Cottbus fürwahr ein Hit des musikalischen Unterhaltungstheaters. Durch Katja Wolffs Inszenierung bleibt kein Zweifel, weshalb das Werk nach dem Mauerbau nicht länger erwünscht war.
-
Elementarereignis
(Bielefeld, 12.10.2025) Am Theater Bielefeld verlagert Regisseur Matthew Wild das Paar Benjamin Britten und Peter Pears schlüssig ins Geschehen von „Peter Grimes“. Auch musikalisch gerät die Premiere packend.
-
Wo der Demagoge sein Unwesen treibt
(Bonn, 3.10.2025) In „Nabucco“ am Theater Bonn wirkt Will Humburg mit dem Beethoven Orchester Bonn wahre Wunder. Vielem lauscht man wie zum ersten Mal. Regisseur Roland Schwab deckt die ungeheure Brutalität der babylonischen wie der hebräischen Seite auf.
-
Von Männern zugrunde gerichtet
(Köln, 28.9.2025) In „Manon Lescaut“, seiner ersten Opernproduktion im neuen Amt, türmt der Kölner GMD Andrés Orozco-Estrada mit dem Gürzenich-Orchester die dramatischen Wogen hoch auf. Regisseur Carlos Wagner lässt den Machismo des Werks krass ausspielen.
-
Im Spiegelsaal
(Dortmund, 21.9.2025) Das gesellschaftliche Brodeln, der sich ankündigende Epochenbruch von Mozarts „Le nozze di Figaro“ glimmen in der Regie von Vincent Boussard allenfalls auf. Dafür kann der neue GMD Jordan de Souza an die besten Zeiten des Hauses anknüpfen.
-
Erlesenes Kammerspiel
(Meiningen, 19.9.2025) Die deutsche Erstaufführung der anno 1724 in Neapel aus der Taufe gehobenen Opera seria „Didone abbandonata“ des Domenico Sarro ist eine famose Neu- und Wiederentdeckung.
-
Werden wie die Kinder
(Bonn, 15.6.2025) Gija Kantschelis Oper „Musik für die Lebenden“ ist in Zeiten des Krieges das Stück der Stunde. Hier liegt selbst die Sprache in Trümmern, doch aus den Fragmenten entsteigt Gesang. Eine zutiefst berührende Premiere.
-
Wo der Kaiser höchstselbst sein Publikum erwartet
(Aachen, 7.6.2025) Das Regie-Team vom Musiktheaterkollektiv Agora setzt in Verdis „Ernani“ auf die Beteiligung der Zuschauer und fordert zugleich deren Illusionskraft.




















