Nominiert zum „Publikum des Jahres 2018“: Das Orchester im Treppenhaus

Vom Treppenhaus auf die Bühne

Mit seinen Konzertformaten möchte das Orchester im Treppenhaus vor allem junge Leute ansprechen. Jetzt sind genau die zum „Publikum des Jahres 2018“ nominiert.

© Moritz Küstner

Orchester im Treppenhaus

Orchester im Treppenhaus

Das Orchester im Treppenhaus gibt es schon seit zwölf Jahren und längst sind die jungen Musiker mit ihren innovativen Konzertformaten über die Grenzen ihrer Heimatstadt Hannover hinaus bekannt. Das Orchester bringt mit, was sich viele, insbesondere junge Konzertgänger wünschen: klassische Musik abseits des Mainstreams in unkonventioneller, lockerer Atmosphäre. Damit möchten die Orchestermitglieder Zuhörer ansprechen, die keine oder nur selten klassische Konzerte besuchen.

„Wir versuchen Wege für ein intensives und konzentriertes Musikhören zu finden und möchten vor allem ein neues Publikum ansprechen“, erklärt der künstlerische Leiter des Orchesters Thomas Posth. „Deswegen war der erste Impuls zu sagen, wir gehen raus aus dem Konzertsaal.“ Stattdessen treten die Musiker in Clubs, Museen oder ehemaligen Güterbahnhöfen auf. Posth betont, dass der Fokus aber immer auf der Musik liege. „Deswegen gibt es auch keine Videos oder ähnliches, die die Musik überlagern könnten.“

© Moritz Kuestner

Thomas Post, künstlerischer Leiter des Orchesters im Treppenhaus

Thomas Post, künstlerischer Leiter des Orchesters im Treppenhaus

Erfolg mit innovativen Konzertformaten

Die Formate des Orchesters im Treppenhaus erstrecken sich von „Dark Room“-Konzerten, in denen die Besucher Masken aufbekommen und den Abend in völliger Dunkelheit erleben, über sogenannte Dating-Konzerte, bei denen die Zuhörer per App abstimmen können, welche Werke ihnen am besten gefallen haben, bis hin zur Disko. In diesem Format engagiert das Orchester Komponisten mit dem Auftrag, klassische Werke zu schreiben, zu denen das Publikum auch tanzen kann.

Ganz besonders liegen Thomas Posth und dem Orchester die „Notfallkonzerte“ am Herzen. An diesen Abenden wird das Publikum aufgerufen, seine persönlichen Notfälle auf einen Zettel zu schreiben. Danach dürfen sich diejenigen, die ihren Notfall notiert haben, der Reihe nach zu den Musikern auf die Bühne setzen, die dann über den jeweiligen Notfall musikalisch improvisieren. Im Anschluss werden Streichquartett-Ausschnitte zur Heilung gespielt. „Das sind oft Momente, in denen etwas mit den Menschen passiert“, sagt Posth. „Viele Leute schreiben uns im Anschluss, dass die Konzerte etwas bei ihnen bewirkt hätten.“

© Moritz Küstner

Orchester im Treppenhaus

Orchester im Treppenhaus

Orchester im Treppenhaus: Nähe zum Publikum ist sehr wichtig

Diese Nähe zu seinem Publikum ist dem Orchester im Treppenhaus besonders wichtig. „Wir haben viel direkten Kontakt zu unserem Publikum, was cool ist“, erzählt der künstlerische Leiter. In den Dark Room-Konzerten führen die Musiker ihr „blindes“ Publikum beispielsweise in den Raum und legen sie hin. „Diese Geste finde ich toll. Das ist etwas, das ich ungerne verlieren möchte.“ Und auch das Publikum scheut sich nicht, dem Orchester mitzuteilen, wie gut die Konzerte ankommen. In den kleinen „Pay what you can“-Säckchen, die bei jedem Konzert verteilt werden, finden sich häufig Zettelchen mit persönlichen Nachrichten der Zuhörer. Eine davon hat Thomas Posth besonders berührt. Darauf stand: „In einer Welt, in der man denkt, man hätte schon alles gesehen…“

Analoge Bewerbung zum „Publikum des Jahres 2018“

Das Orchester besteht aus vielen Studenten und Alumni, die auch danach noch geblieben und damit fester Bestandteil des etwa dreißig Mann starken Klangkörpers geworden sind. Der feste Kern, den elf Mitglieder bilden, wird intern liebevoll „Task Force“ genannt. Programmatische Entscheidungen werden aber oft im Kollektiv getroffen, und Thomas Posth freut sich über jeden kreativen Input, den er bekommt. Und der kam für die Bewerbung zum „Publikum des Jahres 2018“ von Büroleiterin Camilla Loeffler Berg und Marie-Christine Drunat aus der Abteilung Marketing und Kommunikation. „Die beiden fanden es schön, etwas Haptisches zu haben, deswegen haben wir uns gedacht, unterschiedliche Materialien in einer Schachtel zu sammeln, die sich die Jury angucken kann“, erklärt Posth. Damit sind sie der bislang einzige Kandidat, der sich analog beworben hat.

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Orchester im Treppenhaus

Orchester im Treppenhaus

Für diejenigen, die sich jetzt noch fragen, woher eigentlich der Name Orchester im Treppenhaus kommt, hat Thomas Posth eine ganz einfache Erklärung: „Der Name kommt von dem Treppenhaus Cumberlandsche Galerie in Hannover, das an das Schauspielhaus angeschlossen ist und in dem häufig Partys stattfinden. Das war für mich der perfekte Ort um anzufangen, denn genau danach hatte ich gesucht.“ Als das Orchester dann nach einem Namen gesucht habe, habe eine Dramaturgin beschlossen „ihr seid das Orchester im Treppenhaus“.

Sehen Sie hier das Orchester im Treppenhaus:

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