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Orgelspiele Mecklenburg-Vorpommern 2022

Diese Koinzidenz ließ sich nicht erahnen

Die Orgelspiele Mecklenburg-Vorpommern stehen unter dem Motto „Wendepunkte“.

vonHelge Birkelbach,

Als sich die Veranstalter der Orgelspiele Mecklenburg-Vorpommern im Dezember 2021 auf das Motto der nächsten Saison einigten, lagen zwei entbehrungsreiche Jahre hinter ihnen. 2020 konnte das Festival, das die reichhaltige Orgellandschaft im Nordosten Deutschlands feiert, wegen Corona nicht stattfinden. Im Jahr darauf erklangen endlich wieder die prächtigen, vielerorts restaurierten Instrumente in Dorf- und Kleinstadtkirchen, jedoch ohne Publikum. Wie für viele andere kulturelle Ereignisse lag die Rettung im digitalen Raum: Die Konzerte wurden aufgezeichnet, editiert und tags darauf online veröffentlicht.

2022, so hofft man nun, bringt den ersehnten Wendepunkt. „Wir sind wieder da!“, freuen sich die Veranstalter auf der Festival-Homepage – und gehen mit berührenden Worten auf die erschreckende Koinzidenz ein, die bei der Wahl des doch so positiv gemeinten Mottos „Wendepunkte“ noch nicht zu erahnen war: der Krieg in der Ukraine. „Wir ließen uns davon leiten, dass sich 2022 die Übersetzung der Bibel durch Martin Luther, die zu weitreichenden gesellschaftlichen und kulturellen Veränderungen führte, zum fünfhundertsten Male jährt. Corona kannten wir seinerzeit; ein Krieg mitten in Europa, in der Ukraine, wie wir ihn heute erleben müssen, lag völlig außerhalb unserer Vorstellungskraft.“

Eine musikalische Predigt

Gleich beim Eröffnungskonzert in der Dorfkirche Selmsdorf liefert der Reformator, der 1522 das „Septembertestament“ veröffentlichte, die tragenden Worte. Mit Luthers „Sermones symphoniaci“ gestalten Organist Franz Danksagmüller und Bariton Klaus Mertens eine musikalische Predigt, die durch das gesamte Kirchenjahr führt und verschiedene Kapitel des Katechismus behandelt. Texte und Lieder von Martin Luther treffen auf gregorianische Hymnen und Kompositionen von Heinrich Schütz. Experimentierfreudig gibt sich das Festival auch im weiteren Verlauf der insgesamt sechzehn Veranstaltungen, mit Uraufführungen und Improvisationen sowie dem Einsatz von elektronischem Instrumentarium und Schlagzeug. Die Saison 2022 endet in der Stadtkirche Gützkow mit einem Programm des polnischen Organisten Krzysztof Urbaniak. Das Motto lautet: „Hoffnung“.

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