Thüringen steht ganz im Zeichen des Theaters. Überall im Land werden dieses Jahr historische Bühnen und eine große Theatertradition gefeiert, doch ein Ort sticht dabei besonders heraus: Das Liebhabertheater Schloss Kochberg. In dem Privattheater aus dem 18. Jahrhundert, als Goethe und Schiller die deutsche Kultur prägten, wird der Theatersommer zu einem Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Und wer den Blick auf die Bühne richtet, blickt nicht nur auf das Erbe dieser beiden Dichter, sondern erlebt zudem Theater, Musik und Literatur in einer Form, die es nur hier gibt.

Ein Theater, das Geschichte atmet
Das Liebhabertheater Schloss Kochberg gilt als wohl weltweit einzig erhaltenes Privattheater seiner Art und ist damit ein wahres Juwel der Theatergeschichte. Mit nur 75 Plätzen strahlt der Raum eine Intimität aus, die es dem Publikum ermöglicht, Theater auf eine ganz neue, unmittelbare Weise zu erleben. „Hier reiht sich das Programm unseres Theatersommers ein und setzt auf dessen Hochblüte zur Goethezeit“, erklärt Silke Gablenz-Kolakovic, künstlerische Leiterin des Liebhabertheaters Schloss Kochberg.
Einst Landsitz von Johann Wolfgang von Goethes Freundin Charlotte von Stein, wurde Schloss Kochberg zwischen 1775 und 1788 oft von ihm besucht und geschätzt. Heute gehört es zur Klassik Stiftung Weimar und beeindruckt mit seinem Landschaftspark nach klassisch-romantischer Prägung. Entstanden ist es aus einem barocken Gartenhaus mit Bühnenraum und Säulenportikus und wurde 1800 von Carl von Stein, Charlotte von Steins ältestem Sohn, eingeweiht. Nach Weimarer Vorbild wurden hier von Familie und Freunden eigene Stücke sowie Gedichte, Musik und Tänze aufgeführt.

Stars der Gegenwart und Klassiker der Vergangenheit
Von Mai bis September finden in diesem außergewöhnlichen Ambiente historische Opern, Schauspiele und Lesungen statt. Die Darsteller Corinna Harfouch, Eva Mattes, Barbara Schnitzler und Helmut Mooshammer geben dem Programm ihren unverwechselbaren Charme. Ihre Lesungen und Darbietungen entführen das Publikum in die Welt der großen Dichterinnen und Dichter der Goethezeit.
„Freuen Sie sich auf unser neues Format Literatur und Musik“, berichtet Silke Gablenz-Kolakovic. „Es verbindet die literarischen Stimmen der Epoche mit Klängen aus der Zeit Goethes.“ Corinna Harfouch liest die tiefgründigen Texte von Karoline von Günderode und Christa Wolf, Eva Mattes nimmt das Publikum mit auf eine Reise in das Werk von Bettina von Arnim. Barbara Schnitzler wiederum widmet sich anlässlich des 250. Geburtstags von E. T. A. Hoffmann einem literarisch-musikalischen Abend, der dessen facettenreiche Welt zum Leben erweckt.
Freundschaft, Liebe, Kunst und der geistige Austausch der Goethezeit werden dabei in einen zeitgenössischen Kontext gestellt. Helmut Mooshammer, vor allem bekannt von den Salzburger Festspielen, vertont gemeinsam mit Musikern der Lautten Compagney Berlin berühmte Balladen von Goethe und Schiller.

Ein Fest für alle Sinne
Der Theatersommer ist ein Erlebnis für alle Sinne. Die besondere Atmosphäre des historischen Theaters, kombiniert mit einer Vielzahl an Veranstaltungen, macht die Auswahl schwer. Neben den Lesungen und Konzerten spielt auch die Oper eine zentrale Rolle. In „Scherz, List und Rache“ verfolgte Goethe die Idee einer deutschen Oper nach italienischem Vorbild. Philipp Christoph Kayser vertonte das Libretto. Und mit „Die Theatralischen Abentheuer“ von Domenico Cimarosa steht zudem eine Opernsatire auf dem Spielplan, die Humor und feine Gesellschaftskritik verbindet.
Musikalisch spannt das Sommerfestival einen Bogen vom Osterkonzert mit Werken von Mozart, Haydn und Reichardt bis zum Eröffnungskonzert mit Kompositionen von Eberwein und Spohr. „Vier Konzerte im Originalklang bringen das Theater zum Klingen“, erzählt Silke Gablenz-Kolakovic. „Zu erleben sind Musiker der Lautten Compagney Berlin, das Thüringer Bach Collegium, die Capella Jenensis und Konzertmeister der Sächsischen Staatskapelle.“
Ein weiteres Highlight ist das Kochberger Gartenvergnügen am 16. Mai: Ein Festgottesdienst in der ehemaligen Patronatskirche St. Michael eröffnet das Klassik-Gartenfestival mit Musik, Marktständen und Führungen durch Schloss, Park und historische Gebäude. Der Theatersommer 2026 auf Schloss Kochberg ist mehr als ein Festival. Er ist eine Reise in die geistige Welt der Goethezeit – sinnlich, konzentriert und überraschend gegenwärtig. Wer hier Platz nimmt, erlebt Theater nicht als museales Erbe, sondern als lebendige Kunstform. Und genau darin liegt die Magie dieses Ortes.
Das Liebhabertheater im Schloss Kochberg stellt sich vor:

