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„Man trifft sich ,am Händel’.“

Musikstadt Halle (Saale)

Halle (Saale) ist als Geburtsstadt von Georg Friedrich Händel bekannt – doch bietet die Stadt fernab des festlichen Barocks mit den jährlich stattfindenden Händel-Festspielen viele weitere klangvolle Höhepunkte. Neues beim Festival KlangART Vision, Besonderes während der Tage von „Women in Jazz” oder Klassisches mit der Staatskapelle Halle erfüllt die Spielstätten in Sachsen-Anhalt. Über allem klingen die Glocken im Stadt-Carillon des Roten Turms.

Florian Amort ist der neue Direktor der Stiftung Händel-Haus sowie Intendant der Händel-Festspiele Halle und freut sich auf das diesjährige Festivalmotto „Mannsbilder. Helden, Herrscher, Herzensbrecher“. 

Sind die Hallenser eigentlich stolz auf ihren berühmten Sohn?

Florian Amort: Ja, das sind sie. Wir haben auf dem Marktplatz auch das große Händel-Denkmal, wo wir zum Geburtstag Blumen niederlegen und feiern. Man trifft sich „am Händel“. Auch mit der Stadtmarke hallesaale – HÄNDELSTADT bekennt man sich zum großen Barockmeister. 

Wie fügt sich das Händel-Haus in dieses Bekenntnis? 

Amort: Das Händel-Haus ist als Musikinstitution der Ort in Halle mit der größten internationalen Strahlkraft. Hier wurde Händel geboren, wir pflegen diesen Ort mit Ausstellungen und mit lebendiger Würdigung. In Halle befinden sich noch zwei weitere wichtige authentische Orte des Händel-Gedenkens, nämlich die Marktkirche, in der er getauft wurde, und der Dom zu Halle, wo er als Organist gewirkt hat. 

Was ist das Besondere an den Händel-Festspielen in Halle, im Vergleich zu den anderen Händel-Festspielen in Karlsruhe und Göttingen?  

Amort: Alleinstellungsmerkmale sind sicherlich die authentischen Orte, die mit seiner Person verbunden sind. Aber das Besondere ist die außergewöhnliche Vielfalt und Dichte, die wir hier gerade in diesem Jahr präsentieren können. In zehn Tagen spielen wir zehn Opern und drei Oratorien und viele Konzerte mit Ensembles und Solisten auf höchstem Niveau. Außerdem haben wir drei neue Sparten entwickelt: Händel NOW für besondere Konzertformate vom Wandelkonzert bis zum Open Air Act, Händel NEXT, unsere Nachwuchs-Sparte, und Händel LAB. Für unser junges Publikum zeigen wir „Rodelinda” als einstündige Playmobil-Oper. Das Händel-Laboratorium bildet alles ab, was sich innovativ mit dem Komponisten auseinandersetzt, von der Performance bis zur Auftragskomposition. 

Können Sie zu dem Motto „Mannsbilder. Helden, Herrscher, Herzensbrecher“ etwas mehr sagen? 

Amort: Obwohl mein verstorbener Vorgänger das Thema gesetzt hat, habe ich es mir mit Freude anverwandelt. Es ist ein gegenwartsbezogenes Thema, das spannende Impulse aus der Musikgeschichte aufnimmt. Wie werden Männerbilder in den Opern und Oratorien in Händels Zeit verhandelt? In der Welt des Barocks galt man als besonders männlich, wenn man seine Affekte kontrollieren konnte, ein bisschen wie wir es kennen: „Männer zeigen keine Gefühle.“ Die Oper war aber gerade in dieser Zeit eine Gattung, in der man Affekte besonders pflegte und Männer ständig ins Gefühlschaos gestürzt wurden. Das ist ein ganz spannender Widerspruch. Außerdem haben wir in der Barockoper die Thematik des „Crossdressings“, der Kastraten und Hosenrollen, also einen ganzen Kosmos von Männlichkeits-Facetten.  

„Mannsbilder” klingt zunächst wie ein Gegenpol zur aktuellen Strömung in der Klassikwelt, Komponistinnen zu entdecken und Frauen mit ihrem Wirken wieder in den Fokus zu rücken. Wie kommen die Frauen im Festival-Motto vor? 

Amort: Frauen und Männer bekommen ihre Bühne! Das hat auch etwas mit meiner Neugier zu tun. Jedes Jahr werden wir – und das ist auch ein Bekenntnis – eine Oper einer Komponistin zeigen. Dieses Jahr ist es „Talestri, regina delle Amazzoni“ von Antonia Maria Walpurgis von Bayern. Besser könnte eine Oper zum diesjährigen Motto gar nicht passen: Es geht um Talestri, die Königin der Amazonen, also die männlichsten Wesen der weiblichen Mythologie. Mitte des 18. Jahrhunderts schrieb die Komponistin das Libretto selbst und verhandelte darin Konflikte nicht nur zwischen den Geschlechtern, sondern auch zwischen persönlichen Neigungen und ideologischer Überzeugung. 

Was ist Ihr persönliches Highlight? 

Amort: Auf jeden Fall die eben beschriebene Entdeckung „Talestri“ und noch eine weitere Rarität: „The Dragon of Wantley“ von Johann Friedrich Lampe, ein vermutlich in Braunschweig geborener Komponist, der Musiker im Orchester von Händel war und eine Persiflage auf die opera seria und auf Händel selbst geschrieben hat. Wunderbarer Klamauk, den man sich nicht entgehen lassen sollte!

Abseits von Händel – gibt es etwas in Halle, was man unbedingt genießen sollte? 

Amort: Es gibt die Kunst- und Naturalienkammer in den Franckeschen Stiftungen, die eine Art Wunderkammer ist und gerade aufwändig renoviert wurde. Außerdem ist Halle bekannt für seine süßen Halloren Kugeln. Mein Geheimtipp ist allerdings das Café Wittekind. Hier gibt es Baguette und Patisserie von einem französischen Bäcker, der früher einmal Organist war.

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