TV-Tipp 21.1. 3sat: Rossinis „Die diebische Elster“ aus dem Theater an der Wien

Kleptomanisches Federvieh

3sat zeigt heute Abend Gioachino Rossinis halbkomische Oper „Die diebische Elster“ aus dem Theater an der Wien.

© ZDF und ORF/Theater an der Wien/Monika Rittershaus

Nino Machaidze als Ninetta in Rossinis „Die diebische Elster“ im Theater an der Wien.

Nino Machaidze als Ninetta in Rossinis „Die diebische Elster“ im Theater an der Wien.

Stanley Kubrick stilisierte mit den fröhlichen Walzerklängen einen Gewaltexzess in „Uhrwerk Orange“, Sergio Leone setzte die Musik in einer entscheidenden Szene seiner Mafiageschichte „Es war einmal in Amerika“ ein: Gioachino Rossinis Ouvertüre zu „Die diebische Elster“ führte lange Zeit ein Eigenleben abseits der Opernbühne. 1817 an der Mailänder Scala uraufgeführt, wurde „La gazza ladra“ allein in der ersten Spielzeit 27 Mal wiederholt, geriet dann aber fast einhundert Jahre in Vergessenheit. Bis heute zählt die teils komische, teils bitterernste Oper zu den vergleichsweise selten gespielten Bühnenstücken Rossinis.

Im Zentrum der in einem Dorf angesiedelten Geschichte steht das Dienstmädchen Ninetta (Nino Machaidze). Diese freut sich über die Rückkehr ihres Liebhabers aus dem Krieg, aber Giannetto (Maxim Mironov) lässt sie links liegen. Als ein silberner Löffel aus dem Besteckkasten der Hausherren verschwindet, steht Ninetta als Schuldige fest und wird, nach herrschendem Kriegsrecht, zum Tode verurteilt. Einen vermeintlichen Ausweg verspricht der Bürgermeister (Nahuel Di Pierro), selbst interessiert an der Magd: Heirat oder Hinrichtung. Erst in letzter Minute entdecken die Bewohner den kostbaren Löffel neben weiteren funkelnden Gegenständen im Nest der Elster…

Stimmige Gegenwartsinszenierung

Im vergangenen November gab Regisseur Tobias Kratzer mit Rossinis Oper sein Hausdebüt im Theater an der Wien. Roberto Becker lobte auf concerti dessen in die Gegenwart verlagerte Inszenierung als „wunderbar stimmig mit der Musik“. Sogar das kleptomanische Federvieh spielte hier mittels Drohnenaufnahmen mit. Am Pult des ORF Radio-Symphonieorchester Wien stand Antonino Fogliani.

3sat zeigt am heutigen Samstag ab 20:15 Uhr eine Aufzeichnung aus dem Theater an der Wien.

concerti-Tipp:

Gioachino Rossini: Die diebische Elster
Sa. 21.1.2023, 20:15 Uhr
3sat

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