News: Verleihung des Berliner Opernpreises 2018

Frauenpower und Roboterlaunen

Der Berliner Opernpreis 2018 geht in diesem Jahr zu gleichen Teilen an die Inszenierungen „Arianna, Ariadne, Ariane“ sowie „Prothesen der Autonomie“

Arianna, Ariadne, Ariane © Philipp Plum

Szenenbild aus "Arianna, Ariadne, Ariane"

Oper – für viele eine elitäre Veranstaltung mit Musik aus vergangenen Jahrhunderten. Doch nicht in jedem Opernhaus wird Geschichte gefeiert: Die Neuköllner Oper in der Karl-Marx-Straße versteht sich als „Volksoper im besten Sinne“. Sie gilt als die Berliner Nachwuchsschmiede für junge Künstler und Komponisten und ihr Angebot reicht vom experimentellen Kammerstück bis hin zur großen Oper, von klassischer Moderne über Mittelalterspektakel bis hin zu Operette und Musical. In 40 Jahren hat die Neuköllner Oper 220 Ur- und Erstaufführungen auf die Bühne gebracht – das macht sie zum produktivsten Musiktheater Europas. Doch da neue Werke nicht auf der Straße liegen, lobt die Neuköllner Oper gemeinsam mit der GASAG Berlin seit 1997 alle zwei Jahre den Berliner Opernpreis als Nachwuchspreis aus.

Unter dem diesjährigen Motto „Take it or leave it“ wurde zu einem neuen Umgang mit dem Erbe aus 400 Jahren Musiktheatergeschichte aufgerufen. In einem 30-minütigen Werk sollte das Thema aufgegriffen und neuartig interpretiert werden. Am Mittwochabend wurden nun die Preisträger des diesjährigen Opernpreises in der Villa Elisabeth gekürt. Die Jury entschied sich, zwei Künstlergruppen mit ihren Inszenierungen zu gleichen Teilen auszuzeichnen.

Berliner Opernpreis: Die Jury hatte die Wahl zwischen 36 Einsendungen aus neun Ländern

Berliner Opernpreis 2018. Preisträger und Jurymitglieder

Berliner Opernpreis 2018. Preisträger und Jurymitglieder © Philipp Plum

Das Team um Tom Smith und Caitlin van der Maas thematisiert in seinem Werk „Arianna, Ariadne, Ariane“ den Ariadne-Mythos. Es geht um drei Frauen, die von ihren Männern verlassen wurden und auf einer Insel gestrandet sind. Hier vermischen und ergänzen sich nun drei Perspektiven, Sprachen, Zeiten und musikalische Idiome und formen so ein neues „Lamento d’Arianna“.

Thierry Tidrow, Zsófia Geréb und Franziska vom Heede entwerfen in „Prothesen der Autonomie – eine Sci-Fi Oper“ einen futuristisch-komödiantischen Blick auf das Jahr 2180 sowie auf „Reklamations- und Wartungszeiten der Gewerkschaft zur Verhinderung emotional belastender Arbeiten“. In der Zukunft scheint die gute alte Oper mit ihren leidenden Heroinen keiner modernen Sängerin mehr zumutbar zu sein. Die Folge: Ein Roboter übernimmt die Rolle der leidenden Heldin – allerdings hat dieser auch seine eigene Meinung und einige Macken.

„Während uns bei „Arianna, Ariadne, Ariane“ die Fähigkeit überzeugte, für die Stimme zu schreiben und emotionale Klangbilder aus einer affirmativ-romantischen Grundhaltung zu gestalten, beeindruckte uns bei „Prothesen der Autonomie“ die Farbigkeit der Komposition und eine zwingende Inszenierung eines zum Teil sehr komplexen, intellektuell-diskursiven Werks,“ sagte Bernhard Glocksin, Künstlerischer Leiter der Neuköllner Oper und Mitglied der sechsköpfigen Jury, die sich des Weiteren aus

Thomas Desi (Festivalleiter Musiktheatertage Wien), Arash Safaian (Komponist), Mária Szilágy (Festivalleiterin Budapest), Wiebke Roloff (Opernwelt) und Andreas Altenhof (Direktorium Neuköllner Oper). Die Juroren mussten sich zwischen 36 Einsendungen aus neun Ländern entscheiden, die alle für einen erweiterten Musiktheaterbegriff sowie neue Produktionsformen stehen. In der Kirche St. Elisabeth in Berlin-Mitte sind nun an zwei Abenden die beiden Preisträgerarbeiten zu erleben.

concerti-Tipp:

Take it or leave it!
Zwei Preisträgerarbeiten des Berliner Opernpreis 2018:
„Arianna, Ariadne, Ariane“ & „Prothesen der Autonomie – eine Sci-Fi Oper“
25.5. & 26.5.2018, 20:00 Uhr
Kirche St. Elisabeth, Berlin

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