Cellist Raphael Wallfisch im Porträt

Der Stille einen Klang geben

Raphael Wallfisch durchquert ein Wechselbad der Gefühle mit C. P. E. Bach

© Benjamin Ealovega

Raphael Wallfisch

Raphael Wallfisch

„Es ist, als kommuniziere die ganze Familie über das Cellospiel“, meint die Süddeutsche Zeitung, als sie sich 2015 zu einem bewegenden Drei-Generationen-Interview mit Anita Lasker-Wallfisch und einigen ihrer Nachkommen trifft. „Ihr sollt die Wahrheit erben“, heißt das Buch mit Erinnerungen einer der letzten bekannten Überlebenden des Mädchenorchesters von Auschwitz – gegenüber ihren Kindern und Enkeln schwieg sie sich aber lange dazu aus. „Ich habe erst sehr langsam von ihrer Geschichte erfahren“, betont ihr Sohn, Cellist Raphael Wallfisch, in der Tageszeitung „The Telegraph“. „Als ich jung war, sagte sie nur: ‚Ich war eine Zeit lang im Gefängnis‘ und beließ es dabei. Sie war zu beschäftigt damit, in der Gegenwart zu leben. Sie und mein Vater waren beide berühmt.“

Der Vater war ein bekannter Konzertpianist, Anita Lasker-Wallfisch Mitbegründerin des Londoner English Chamber Orchestra. Dass der Sprössling so talentierter Eltern ebenfalls Musiker wird, erscheint geradezu folgerichtig. Raphael Wallfisch bekommt Unterricht bei bedeutenden Lehrern wie Amaryllis Fleming, Amadeo Baldovino und Derek Simpson, gewinnt mit 24 Jahren den renommierten „Gaspar Cassadó“-Wettbewerb in Florenz und macht sich schnell einen Namen. Heute gehört er mit über 70 Einspielungen und weltweiten Konzerten zu den führenden Cellisten der Gegenwart.

© Benjamin Ealovega

Raphael Wallfisch

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Raphael Wallfisch interessiert sich für seltene Musik

Immer wieder widmet er sich auch Werken jüdischer Komponisten wie Hans Gál, Karl Weigl, Mario Castelnuovo-Tedesco, Mieczysław Weinberg oder Ernest Bloch. Sie alle eint ihre Herkunft und die Geschichte von Verfolgung und Emigration. „Ich habe mich schon immer sehr für seltene Musik interessiert“, betont der Brite in WDR3 TonArt. „Ein Grund ist der, dass wir Cellisten oft zu hören bekommen, es gäbe doch für unser Instrument nur etwa drei Stücke. Das stimmt nicht!“

Die Nähe zur menschlichen Stimme und die erzählerische Perspektive, die sein Instrument einnehmen könne, kommt Wallfisch bei seinen Interpretationen entgegen, wie er herausstellt. Oder frei nach Victor Hugo: „Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist.“ Vielleicht ist Raphael Wallfisch ja auch Cellist geworden, um der Stille einen Klang zu geben.

Raphael Wallfisch spielt Benjamin Britten:

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