So Klingt: 5. Orff-Tage Jubiläumskonzert

El Sistema auf Bayerisch

Ob singen, ein Instrument spielen oder jodeln: In der Bayerischen Philharmonie kann jeder alles lernen. Hauptsache, er liebt Musik

© Bayerische Philharmonie

Musikalische Förderung für alle Lebenslagen: die Bayerische Philharmonie

Gerne wird heute, wenn es um die musikalische Förderung von Kindern geht, in die Ferne nach Venezuela geblickt, auf die Kinder des Musiksozialprojekts El Sistema; als wäre Deutschland auf diesem Gebiet ein Entwicklungsland. Mitnichten. Schließlich hat man sich in Bayern bereits vor 20 Jahren über die musikalische Breitenbildung Gedanken gemacht, weshalb sich „sieben Missionäre und Mutige am Nikolaustag 1994 in einem Wohnzimmer versammelten und einen Verein gründeten“ – die heutige Bayerische Philharmonie. So jedenfalls erzählt es einer seiner Gründer, der Dirigent, Musikpädagoge und Intendant der Bayerischen Philharmonie Mark Mast. „Niemand hätte damals geahnt, dass es uns 20 Jahre später noch gibt und wir jetzt die „Klangzeit 2014” präsentieren können!“

Die Bayerische Philharmonie e.V. mag vielleicht nicht mit karibischer Exotik punkten; als Institution aber ist sie einzigartig in Deutschland. Vom Kinderchor und einer Kinderphilharmonie bis hin zum Kammerorchester vereint sie sieben Klangkörper unter einem Dach; vier Orchester und drei Chöre, eine regelrechte Orchesterpyramide, wie Mast sagt, in der ein Kind es „zum Profi“ bringen kann. „Die musikalische Ausbildung der Kinder mag zwar im Lehrplan und der bayerischen Verfassung stehen, wird aber nur bedingt wahrgenommen. Mit der Verkürzung der Schulzeit spielt sie kaum mehr eine Rolle“, meint auch Christian Timmer, der Vorsitzende des Kuratoriums, das sich wie das Who is Who aus Wirtschaft, Kultur und Politik liest. Eventmanager Timmer, der im Hauptberuf Shows mit Rockstars organisiert, war von Anfang an dabei. „Zu 95 Prozent finanziert sich der Verein privat“, sagt er. Keine leichte Aufgabe in München, einer Stadt, in der es „viel Kultur jeder Art“ gebe und damit auch Begehrlichkeiten. Dennoch kam immer genügend Geld zusammen, um „die Ausbildung der Kinder, die Materialien, Musikalien,  Reisen, Lehrer …“ zu finanzieren. Und die acht Mitarbeiter in der Verwaltung in der Zentrale in Pasing, von wo aus die Unternehmungen organisiert werden. Allein im Jahr 2013 gaben über 2 800 Musiker 65 Konzerte für über 15 000 Besucher!

Lehrer und Schüler zugleich: Man lernt voneinander

Dieses Glück sieht man Mark Mast auf dem Foto der Website regelrecht an – inmitten seiner jungen Musiker. „Wir arbeiten mit 37 Nationen“, schwärmt er, „nach dem top-down-coaching-Prinzip“. Was da heißt: „Der Profi hat den Studenten neben sich, der Student den Jugendlichen und der Jugendliche das Kind. Das ist nicht wie auf einer Musikschule.“ Als Kapellmeister sieht sich der Schüler von Leonard Bernstein und Sergiu Celibidache stets im Dienst des Komponisten; als Mensch ist Mast das soziale Engagement wichtig: „Wir helfen Senioren, die nicht die Mittel haben oder mobil sind, in die Konzerte zu kommen. Wir helfen auch Jugendlichen. Das Soziale steht im Zentrum unserer Arbeit.“

Ein Fest zum Jubiläum mit Konstantin Wecker

Mark Mast sei „ein grenzüberschreitender Musiker“, meint einer, der es wissen muss: Liedermacher, Komponist, Schauspieler und Kabarettist Konstantin Wecker. „Als Celi-Schüler ist er ein fanatischer Musikliebhaber. Ich bin das auch.“ So lernten sie sich vor zehn Jahren kennen. Und so liegt es auf der Hand, dass ein Werk Weckers im Zentrum des großen Jubiläumskonzerts im Mai steht: Seine Carmina Bavariae treffen auf Orffs Carmina Burana, die seit jeher ein Eckfeiler im Repertoire der Bayerischen Philharmonie sind. Weitere Highlights von 2014: das Sommerfestival auf Schloss Hohenkammer im August, die Reise mit dem Kammerorchester der Bayerischen Philharmonie auf der MS Deutschland, Haydns Schöpfung im Oktober und Bachs Weihnachtsoratorium im Dezember.

Ein besonderes Geschenk haben die Veranstalter für die ganz Kleinen: Jedes Kind, das 2014 in München-Pasing geboren wird, erhält eine siebenjährige Patenschaft. So etwas wäre selbst der ehemaligen Familienministerin und Musikliebhaberin Ursula von der Leyen nicht eingefallen.

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