Seit Giovanni Antoninis und Cecilia Bartolis Norma ist Bellini auf alten Instrumenten salonfähig. Fabio Biondi geht noch einen Schritt weiter, lässt mit nur sechs ersten Violinen spielen – selbstverständlich mit Darmsaiten – und integriert Harfe und Fortepiano in den Orchesterklang. So sehnig, zum Zerreißen gespannt, waren Bellinis langgestreckte Kantilenen, war seine klassische, auf dem Wechsel von Privatem und Öffentlichem basierende Dramaturgie wohl selten zu hören. Der Zuhörer mag in den Titelpartien vollere Stimmen gewohnt sein. Aber Valentina Farcas liefert mit schlanken, nie brüchigen Melodiebögen eine erstklassige Giulietta ab. Und Viveca Genaux setzt ihr umstrittenes, kühl-körniges Timbre expressiv und hochmusikalisch ein – nicht selten bewegend. Einzig Davide Giusti als Tebaldo singt mit urgesundem Tenor zu direkt und pauschal und fällt so aus dem stilistischen Rahmen.
CD-Rezension Fabio Biondi
Ein Schritt weiter
Erstklassig: So zum Zerreißen gespannt waren Bellinis langgestreckte Kantilenen wohl selten zu hören
I Capuleti e i Montecchi
Vivica Genaux, Valentina Farcas, Davide Giusti, Fabrizio Beggi, Ugo Guagliardo, Belcanto Cho, Europa Galante, Fabio Biondi (Leitung)
Glossa
(2 CDs)
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Termine
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Konzert
Julian Prégardien, SWR Symphonieorchester, Fabio Biondi
Schwetzinger SWR Festspiele
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Ian Bostridge, Europa Galante, Fabio Biondi
Castello: Sonata decimaquinta a 4 & Sonata decimasesta a 4, Monteverdi: Il Combattimento di Tancredi e Clorinda & Tempro la cetra, e per cantar gli onori, Farina: Capriccio stravagante a 4, d’India: Che veggio, ohimè, che miro?, Frescobaldi: Fiori musicali op. 12 (Auswahl)
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Sa., 13. Juni 2026 19:00 Uhr
Konzerthaus Berlin, BerlinKonzert
Immo Yang, Konzerthausorchester Berlin, Fabio Biondi
Mozart: Ouvertüre zu „La clemenza di Tito“ KV 621 & Violinkonzert D-Dur KV 218, Mendelssohn: Sinfonie Nr. 1 c-Moll op. 11
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