450. Geburtstag und 400. Todestag von Michael Praetorius

Musiker und Diplomat

Michael Praetorius war als Universalgelehrter beruflich ein begnadeter Tausendsassa – heute wird sein 450. Geburtstag und 400. Todestag gefeiert.

© gemeinfrei

Michael Praetorius

Michael Praetorius

Wer genau an seinem 50. Geburtstag stirbt und trotzdem mehr als 1700 Werke noch zu Lebzeiten herausgebracht hat, muss immens fleißig gewesen sein. Am 15. Februar 1621, mitten in den Wirren des begonnenen Dreißigjährigen Krieges, beendet Michael Praetorius in Wolfenbüttel ein überaus reiches Leben, das den Universalgelehrten und autodidaktischen Komponisten und Organisten auch als rechte Hand des kunstliebenden Herzogs Julius von Braunschweig ausweist. Nicht nur die Welt der Töne steht dem Thüringer Pfarrerssohn offen, sondern auch das Reich der Diplomatie und Hofberatung. Es gibt kaum eine politische Angelegenheit, in die Praetorius nicht einbezogen wird von seinem Dienstherrn und Gönner, und der lässt ihm dafür dankbar alle Freiheiten, auch anderswo aufzutreten, etwa an den Höfen in Dresden und Magdeburg.

Der wichtigste Zeuge historischer Aufführungspraxis

© Pixabay

In der Marienkirche Wolfenbüttel wurde Michael Praetorius bestattet.

In der Marienkirche Wolfenbüttel wurde Michael Praetorius bestattet.

Seinen Namen indes hat Michael Praetorius in die Musikgeschichte eingeschrieben, und zwar nicht nur als aktiver Musiker, sondern auch als Autor des dreibändigen Standardwerks „Syntagma musicum“ aus dem Jahre 1619, das heutigen Musikforschern der wichtigste Zeuge historischer Aufführungspraxis ist, weil es zeitgenössische Terminologie, verwendete Instrumente und gängige Spielanweisungen genau beschreibt.

Der Hofkapellmeister hinterlässt zwei Söhne und ein beachtliches Vermögen, das er den Armen und Studenten widmet. Damit schließt sich der Lebenskreis, hatte Praetorius doch selbst schon als 13-Jähriger an der Frankfurter ­Viadrina sein Theologiestudium begonnen und damit die Grundlage für seine erfolgreiche Karriere als Schöpfer und Bearbeiter evangelischer Kirchenlieder gelegt. In diesem Jahr plant die Stadt Wolfenbüttel mit vielfältigen Veranstaltungen die Ehrung ihres wohl größten Sohnes.

Auch interessant

Interview Anna Skryleva

„Es reicht leider nicht, viel Talent zu haben“

In jungen Jahren war Anna Skryleva ein Wunderkind am Klavier. Doch dann griff sie zum Dirigierstock und ist nun Generalmusikdirektorin in Magdeburg. weiter

Playlist Philippe Jaroussky

„Ich könnte das immer und immer wieder hören!“

Countertenor Philippe Jaroussky teilt Stücke und Songs, die man gehört haben sollte. weiter

Instrument des Jahres 2021: Die Orgel

Die Musikmaschine

Die Orgel ist das Instrument des Jahres 2021. Ein Streifzug durch ihre jahrtausendealte Geschichte. weiter

Kommentare sind geschlossen.