Wussten Sie, dass hierzulande die letzte Einweihung eines neuen Opernhauses bald 37 Jahre zurückliegt? Seitdem geht das Gespenst der Sanierung um, etwa in Stuttgart, Berlin oder Köln, wo die Meldungen von Verteuerungen und Verzögerungen nicht abreißen. Peter Krause vermisst bei all dem Sanierungs-Klein-Klein vor allem mutige Visionen, denn ein spektakulärer Opernneubau verleiht auch dem Musiktheater selbst neue Impulse. Doch angesichts hiesiger kulturpolitischer Fragwürdigkeiten könnte man meinen, nicht nur die Kultur sei ein Spiegel der Gesellschaft, sondern auch der Umgang mit ihr.
Gleichsam als Spiegel unserer Zeit häufen sich in diesem Monat Opernpremieren, die Schreckensherrscher, Tyrannen und andere Machtmenschen zum Sujet haben, wie André Sperber herausgefunden hat. Dabei handelt es sich nicht nur um historische oder fantastische Personen, sondern auch um so manche Despoten unserer Zeit, in die von einigen zunächst große – wenn auch von Anfang an weltfremde und eher die eigenen Erwartungen als die Realität widerspiegelnde – Hoffnungen gesetzt wurden, bevor sie sich als grausame Kriegstreiber entpuppten.
Und doch blickt die concerti-Redaktion mit großer Vorfreude ins neue musikalische Jahr, denn das Konzert- und Opernleben hält beileibe nicht nur schwere Kost bereit, sondern auch heitere Klänge in Dur, und das weit über die Neujahrskonzerte hinaus. Den ganzen Facettenreichtum der Musik offenbart in den kommenden Monaten Konstantin Krimmel in Opernpremieren, Oratorien und Liederabenden deutschlandweit. Der Bariton gehört zu den vielseitigsten Sängern seiner Generation. Es verwundert also nicht allzu sehr, dass er in unserem „Blind gehört“ eine erstaunlich hohe Trefferquote aufwies und zu den Aufnahmen Spannendes zu erzählen hatte.
Wir wünschen Ihnen ein glückliches neues Jahr!
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