Die Eutiner Festspiele haben die Spielzeit 2026 offiziell abgesagt. Grund dafür ist die fehlende Professionalisierung der Organisationsstrukturen und das Ausbleiben einer stärkeren kommunalen Beteiligung. Mit der Saisonabsage endet zugleich die ehrenamtliche Geschäftsführung von Falk Herzog – und möglicherweise die Geschichte des renommierten Festivals insgesamt.
„Diese Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen, sie ist aber notwendig“, erklärt Herzog, der die Festspiele seit 2017 ausschließlich ehrenamtlich geführt hat. Der Kulturbetrieb sei inzwischen zu groß und komplex, um dauerhaft ohne hauptamtliche Leitung bestehen zu können.
Erfolgsgeschichte ohne strukturelle Absicherung
In den vergangenen Jahren entwickelten sich die Eutiner Festspiele zu einem der erfolgreichsten sommerlichen Kulturereignisse der Region: steigende Besucherzahlen, große Eigenproduktionen, überregionale Aufmerksamkeit. Möglich wurde dies vor allem durch das außergewöhnliche Engagement eines hochmotivierten Teams – vielfach über die Belastungsgrenzen hinaus.
Gleichzeitig wuchsen die organisatorischen Anforderungen massiv. Im Herbst 2025 zeigten sich die strukturellen Grenzen, als die Verwaltung der Festspiele unter anderem bei der Abrechnung hunderter Musikerhonorare in Rückstand geriet. Für Herzog war klar: Ohne professionelle Strukturen ist die Qualität eines Opern- und Musicalbetriebs nicht mehr zu sichern.
Keine Mehrheit für kommunale Beteiligung
Vor diesem Hintergrund suchten die Gesellschafter den Schulterschluss mit der Stadt Eutin. Ziel war eine kommunale Beteiligung und die Einrichtung einer hauptamtlichen Geschäftsführung, wie sie bei vergleichbaren Festivals in Deutschland üblich ist. Trotz grundsätzlicher Gespräche mit Verwaltung, Bürgermeister und Politik fand keines der vorgelegten Modelle eine politische Mehrheit. Dabei erwirtschafteten die Eutiner Festspiele bislang über 95 Prozent ihres Budgets selbst. Öffentliche Fördermittel blieben vergleichsweise gering, während Kosten in der Kultur- und Eventbranche seit Corona und infolge des Ukrainekriegs stark gestiegen sind. Infolge dessen sagten die Gesellschafter die geplanten Produktionen „Hair“ und „Turandot“ ab und leiteten die Abwicklung der gemeinnützigen Festspiele-GmbH ein.
Ticket-Rückerstattung für Spielzeit 2026
Bereits verkaufte Tickets für die abgesagte Spielzeit 2026 werden vollständig erstattet. Die Rückabwicklung erfolgt zentral über die Eutiner Festspiele, unabhängig vom Verkaufsort. Alle Informationen finden sich auf www.eutiner-festspiele.de






