Nicolai: Die lustigen Weiber von Windsor

(UA Berlin 1849)

Der Mond geht auf über dem Park von Windsor und belächelt den nächtlichen Spuk, den die braven Bürger dort vorbereiten ... schon die fantasievolle Ouvertüre ist ein Brennspiegel europäischer Musikstile. Die deutschen Wurzeln sind: Mozart („wenn ich seinen Geist hätte, könnte ich auch was Gutes machen“), Weber (romantisches Kolorit, Orchestration), dazu kommen: eine Prise Wiener Charme, italienische Melodik und französischer Esprit – dieses Gemisch entzündet sich an einem deftigen englischen Shakespeare-Stoff: Falstaff.

Dieser heruntergekommene Ritter hat zwei verheirateten Frauen, die auch noch Nachbarinnen sind, gleichlautende Liebesbriefe geschrieben, um über einen Flirt an das Geld ihrer Ehemänner zu kommen. Frau Fluth und Frau Reich schmieden einen Komplott, und Sir John Falstaff landet in der Themse ... zu den beiden lustigen Frauen gesellt sich eine dritte, die nicht von schlechten Eltern ist: Anna Reich; sie benutzt den Spuk im Park dazu, sich mit dem von ihren Eltern unerwünschten Fenton trauen zu lassen ... das Ganze geht gut aus, und auch der Ritter wird zur Hochzeit geladen.

Höhepunkte der farbigen Partitur sind die vitale Arie der Frau Fluth, das hingebungsvolle Duett Anna/Fenton (mit großem Violinsolo) und die burleske Chor- und Ballettszene im Park.

Otto Nicolai, geb. 1810 in Königsberg, floh sechzehnjährig vor seinem Vater, der ihn zum Wunderkind trimmen wollte. In Berlin studierte er Klavier, Komposition und Gesang – in der denkwürdigen Aufführung der Matthäuspassion unter Mendelssohn sang er die Christus-Worte. Sein kurzes Leben pendelte zwischen Italien, wo er geistliche Musik und Opern schrieb, und Wien, wo er die Philharmonischen Konzerte begründete (noch heute gibt es jedes Jahr ein Nicolai-Konzert). Unfreiwillig begründete er den Ruhm des jungen Verdi, als er die Vertonung des Nabucco-Librettos ablehnte. Die Wiener Hofoper ihrerseits lehnte seine Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“ ab, und so kam Berlin in den Genuss der Uraufführung. Kurz darauf erlag Nicolai neununddreißigjährig einem Schlaganfall.

Komische Opern gelingen seltener als tragische. Die Lustigen Weiber sind ein Glücksfall: Der guten Laune dieses Stückes kann sich niemand auf der Bühne und im Saal entziehen.

(Mathias Husmann)