Das Publikum des Jahres 2018: Konzertbesucher im internationalen Vergleich

Leidenschaftlich bis kompromisslos

Anlässlich des concerti-Wettbewerbs „Das Publikum des Jahres 2018“ betrachten wir Wissenswertes, Kurioses und Skandalöses zum Thema Publikum – wie zum Beispiel nationale und kulturelle Unterschiede

© gemeinfrei

Publikum

Publikum

Andere Länder, anderes Publikum. So ungefähr lässt sich zusammenfassen, was international tätige Musikerinnen und Musiker Abend für Abend in den Konzertsälen von den großen Metropolen bis hin zu den entlegensten Kleinstädten erleben. Unterschiedlich ist dabei vieles. Ganz gleich, ob man die Altersstruktur der Konzertgänger zwischen verschiedenen Ländern vergleicht, sich das Verhalten während des Konzerts anschaut oder die Intensität des Schlussapplauses nebeneinanderstellt – jede Nation hat ihr ganz spezielles Publikum und erfüllt mitunter so manches Länderklischee. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.

Gerade wenn es um klassische Konzerte oder Operninszenierungen geht, hört man aus den entlegensten und oftmals unkundigsten Ecken tönen, das Publikum bestünde vorwiegend aus Personen älteren Semesters. Eine Behauptung, die auf Deutschland nachweislich nicht zutrifft und auf andere Länder, vor allem solche aus dem asiatischen Raum, schon gar nicht, wo beispielsweise in China sechzig Prozent der Besucher von Klassikkonzerten zwischen 19 und 35 Jahre alt sind. Von wegen Silberseeeffekt!

Eiserne Disziplin und pragmatischer Applaus

Doch nicht nur das durchschnittliche Alter des Publikums variiert von Land zu Land, auch das Verhalten während und nach Konzerten oder Opernaufführungen unterscheidet sich von Nationalität zu Nationalität. In Japan beispielsweise wird in absoluter Stille verharrt, bis der letzte Ton verklungen ist, in China hingegen müssen klassische Musiker schon mal gegen telefonierende Konzertbesucher anspielen. Und wie sieht es in Deutschland aus? Hier sind beide Extreme undenkbar, wer jedoch lärmt, muss sich nicht wundern, mit verachtenden Blicken bestraft zu werden.

© Gunnar Geller/Komische Oper Berlin

Opernpublikum

Opernpublikum

Auch ist Applaus nicht gleich Applaus. So sind beispielsweise die asiatischen Länder für lawinenartigen Beifall bekannt, in Italien hingegen wird ganz pragmatisch nur dann geklatscht, wenn man wirklich überzeugt war von der Darbietung. Auch sind die Italiener für ihr kompromissloses Ausbuhen bekannt, ein Verhalten, was außerhalb Europas weitestgehend verpönt ist, im Land südlich der Alpen jedoch eine lange Tradition hat und leidenschaftlich gepflegt wird. Weniger Missgunst herrscht in Südamerika, dessen Publikum allgemein als besonders warmherzig beschrieben wird. Anderes wiederum berichten Musiker aus Skandinavien, wo der Applaus zwar stürmisch, jedoch nur kurz, dafür aber nicht minder liebevoll gemeint ist.

Heiß diskutiertes Publikum

Keineswegs ist es jedoch so, dass das Verhalten des Publikums keiner Kritik unterliegt. Gerade in Deutschland wird derzeit hitzig über das Verhalten in Konzerten diskutiert – häufiger Stein des Anstoßes: die Besucher der Hamburger Elbphilharmonie, deren Sogeffekt bis in klassikferne Schichten hinein in den Reihen der Zuhörer für unliebsame Nebeneffekte sorgt – Kauen von Knabberkram und Betätigen von Blitzgeräten inklusive.

Im Vergleich zu früher jedoch ist das Verhalten des heutigen Publikums weltweit recht einheitlich. Gab es doch auch schon Zeiten, wo laut mitgejohlt wurde, um die Musiker auf der Bühne zur Höchstleistung anzutreiben. Und was sind dagegen schon ein paar Buh-Rufe oder Geräusche von zusammengeknülltem Hustenbonbon-Papier?

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