Das Publikum des Jahres 2017

Der Wiener Ringtheaterbrand

Anlässlich des concerti-Wettbewerbs „Das Publikum des Jahres 2017“ lassen wir amüsante und skandalträchtige Publikumsereignisse noch einmal aufleben – wie zum Beispiel den Wiener Ringtheaterbrand von 1881

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Ringtheater © gemeinfrei

Ringtheater

Dass Publikumsgeschichten nicht immer nur skurril oder gar erheiternd, sondern auch schrecklich tragisch sein können, davon zeugt der Wiener Ringtheaterbrand aus dem Jahr 1881. Als sich am 8. Dezember die Zuschauer kurz vor 19 Uhr in dem erst sieben Jahre zuvor eröffneten Ringtheater niederließen, freuten sie sich auf eine Aufführung von Jacques Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“. Was das Publikum nicht mitbekam: Als hinter der Bühne die Gasbeleuchtung der fünf Schaukästen entzündet wurde, kam es zu einem Brand. Die elektropneumatische Zündvorrichtung versagte, Gas strömte aus und explodierte beim nächsten Zündversuch.

Das Feuer setzte sofort die Dekoration in Brand. Innerhalb nur weniger Minuten brannten Bühne, Schnürboden und Versenkung – doch das Gebäude wurde nicht evakuiert. Wahrscheinlich dachten sich die Verantwortlichen, dass es reichen würde, die feuerhemmende Drahtkurtine (den Eisernen Vorhang gab es damals noch nicht) herunterlassen würde – doch die dazugehörige Kurbel brannte bereits.

Panik in der Feuersbrunst

Doch es kam noch schlimmer: Durch den Luftzug offener Fenster wurde der Brand zusätzlich genährt und breitete sich schließlich explosionsartig von der Bühne in den Zuschauersaal aus. Funken sprühten, überall war dicker, todbringender Qualm, die Gasbeleuchtung ging aus, die Notbeleuchtung aber sprang nicht an, denn die Öllampen waren aus Kostengründen nicht gefüllt worden. Panik brach unter den 1.700 Besuchern aus, die zum Teil in den oberen Rängen aus den Fenstern in den sicheren Tod sprangen, weil sie die Notausgänge ob der Dunkelheit nicht finden konnten.

Doch auch im Parkett sah es nicht besser aus: Da die Notausgänge nach innen aufgingen, von hinten aber die Menschen drängten, ließen sich die Türen irgendwann nicht mehr öffnen. Die Theaterbesucher erstickten qualvoll – nur wenige Meter vom rettenden Ausgang entfernt.

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Die Ruine des Ringtheaters nach dem Brand

„Alles gerettet!“

Die Tragödie wurde aber noch größer: Zum einen wurde die Feuerwehr viel zu spät alarmiert, die dann auch nicht in voller Besetzung, sondern lediglich mit einer Vorhut ankam und erst nach dem Eintreffen Verstärkung anforderte, nachdem sie das Ausmaß der Katastrophe sah. Nachdem der Polizeirat Anton Landsteiner aus dem Inneren des Theaters keine menschlichen Geräusche hörte, kam es zu seinem ebenso legendären wie furchtbaren Ausspruch „Alles gerettet!“.

Nur knapp 500 Menschen entkamen der Feuersbrunst. Offizielle Stellen vermeldeten nach dem Ringtheaterbrand 386 Tote. Da die Vorstellung aber nahezu ausverkauft war, beläuft sich die Dunkelziffer wohl auf über 1.000 Tote. Viele Leichen waren bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Allein anhand der Zahnstellung konnten viele Menschen identifiziert werden – der schlimmste Theaterbrand in der Geschichte Österreichs war damit zugleich die Geburtsstunde der forensischen Zahnmedizin.

Bruckner und der Wiener Ringtheaterbrand

Am Theater hat man aus dem schlimmsten Brand der österreichischen Geschichte schnell gelernt. So ist seitdem etwa ein eiserner Vorhang obligatorisch. Ebenso müssen die Kulissen und Dekorationen feuerfest imprägniert werden und ein Feuerwehrmann muss vor und während einer Vorstellung anwesend sein. Außerdem gehen seit dieser schrecklichen Tragödie die Türen in öffentlichen Gebäuden nach außen und nicht mehr nach innen auf.

Der Ringtheaterbrand hatte übrigens schwere Folgen für den Komponisten Anton Bruckner, der sich an diesem Abend selbst die Vorstellung anschauen wollte, sich aber kurz vorher umentschied. Den verheerenden Brand beobachtete er von seinem Fenster aus. Nach dem Brand hatte Bruckner lange Zeit sehr große Angst vor Feuer. Er verwendete keine Petroleumlampen mehr aus Angst, dass sie explodieren könnten. Und selbst wenn er Kerzen auslöschte, kontrollierte er sie aus Angst mehrfach. Erst ein Erholungsaufenthalt in St. Florian brachte ihn wieder ins seelische Gleichgewicht und nahm ihm die Angst vor dem Feuer.

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concerti sucht das „Publikum des Jahres 2017“

Publikum des Jahres 2017

Stimmen Sie hier für „Das Publikum des Jahres 2017“ ab. Folgen Sie unserem Wettbewerb auch auf Facebook und Twitter – suchen Sie einfach nach #publikumdesjahres. Die Suche nach dem Publikum des Jahres wird begleitet von unseren Partnern Niehoffs Vaihinger Fruchtsäfte, Thalia Buchhandlungen und GeloRevoice

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