Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar: Festwoche zum 150. Jubiläum

Virtuosenschmiede mit langer Tradition

Die Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar begeht ihren 150. Geburtstag mit einer Festwoche.

© Ina Schwanse

Sonnige Zeiten: Hochschule für Musik „Franz Liszt“

Sonnige Zeiten: Hochschule für Musik „Franz Liszt“

Die Idee einer „Fortschrittsschule der Musik“ trieb Franz Liszt schon als junger Erwachsener um. Als er 1848 das Amt des Hofkapellmeisters in Weimar übernommen hatte, warb der 37-jährige Dirigent vehement für die Errichtung eines lokalen Ausbildungszentrums, um qualifizierten Nachwuchs für sein Orchester zu rekrutieren, doch letztlich konnte er das Vorhaben am Hof nicht durchsetzen. Erst 1872 gelang seinem Schüler und Nachfolger Carl Müllerhartung die Gründung einer „Orchesterschule“ – die Geburtsstunde der heutigen Hochschule für Musik „Franz Liszt“ Weimar und die erste ihrer Art in Deutschland.

Anfangs stand sie lediglich vierzehn- bis achtzehnjährigen Männern offen, die von Mitgliedern der Hofkapelle nebenamtlich an Orchesterinstrumenten unterrichtet wurden. Vier Jahre später wurde das Angebot um Klavier- und ­Gesangsunterricht für gleichaltrige Frauen sowie um eine Vorschule für beide Geschlechter erweitert. Schon bald keimte auch das Konzept auf, gezielt Virtuosen auszubilden, was sich allerdings erst von den 1920er Jahren an in die Praxis umsetzen ließ. Mittlerweile zählt die Musikhochschule 750 Studenten aus fünfzig Ländern, unter ihnen auch angehende Kulturmanager, Musikvermittler und Schulmusiker.

Die traditionsreiche Ausbildungsstätte begeht ihren 150. Geburtstag mit acht Konzerten an acht Tagen. Zum Auftakt wirft die Staatskapelle Weimar Schlaglichter auf die Hochschulgeschichte und spielt Werke von Gründer Müllerhartung, den ehemaligen Professoren Karl Dietrich und Waldemar von Baußnern sowie von Liszt und Hans Bronsart von Schellendorf, dem Erstgenannter sein zweites Klavierkonzert widmete. Dieses wird Alumna Mariam Batsashvili im ersten von zwei Festkonzerten in der Weimarhalle interpretieren. Am gleichen Abend erklingt eine Uraufführung des Weimarer Komponisten ­Michael Obst. 150 Musiker aus den verschiedenen Hochschul­ensembles werden zudem Arrangements und Liszt-Bearbeitungen aufführen, gefolgt von der Licht- und Klanginstallation „Tropicalliszt“ an der Fassade des Bauhaus-Museums. Zum Ende der Festwoche laden Studenten aus den Bereichen der historischen Tasten- und Saiteninstrumente, Blockflöte und historischer Tanz zum Barockfest ins Schießhaus.

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