2019 blickt das Richard-Strauss-Festival im Rahmen des Jubiläumsfestivals vom 21. – 29. Juni auf dreißig erfolgreiche Jahre zurück. Noch immer ist es fest in Garmisch-Partenkirchen verankert, wo Richard Strauss seine zweite Lebenshälfte verbrachte, und strahlt gleichzeitig seit 2018 mit Konzerten auf Schloss Elmau und im Kloster Ettal weit in die Region hinaus. Für das Jubiläum hat Festivalleiter Alexander Liebreich das Festival unter das Motto „Poesie“ gestellt, welches sich nicht nur in den Konzerten, sondern auch in Lesungen, Gesprächen und Education Projekten wiederfindet.

Poesie ohne Worte

Am 22.6. verschmelzen vier Konzerte zu einer ganzen „Nacht der Poesie“, wobei die ersten drei Konzerte der Klassik gewidmet sind und ganz ohne Worte auskommen. Im „late night“- Konzert des Jazz-Pianisten Michael Wollny und des Saxofonisten Heinz Sauer sind die Musikbeiträge eng mit Texten von Ror Wolf verwoben, die von Christian Brückner, der markanten deutschen Synchronstimme von Robert de Niro, interpretiert werden. Doch schon zuvor lässt die Camerata Salzburg keinen Zweifel daran, dass der Abend voller Poesie sein wird.

© Pia Clodi

Pure Spielfreude: Die Camerata Salzburg

François Leleux interpretiert Richard Strauss’ Oboenkonzert mit dessen überbordendem Melodienreichtum – ein Werk, das nicht nur an die Spätromantik, sondern auch an Schönbergs „Verklärte Nacht“, die von einem Gedicht von Richard Dehmel inspiriert ist, anknüpft. Mit Saleem Ashkar wird einer der spannendsten Pianisten der jüngeren Generation mit Debussys impressionistischen Klangmalereien seine ganz eigene, assoziative Erzählform finden. „Die Kraft des spielerischen Klanges, die Vielfalt der Bedeutungen, die Realität des Paradoxen – sie sind die Grundlagen der Poesie und die des freien Denkens“, äußert sich auch Alexander Liebreich zum diesjährigen Festival-Motto, das er ganzheitlich begreifen will und somit auch explizit die nonverbale Kunstform der Musik mit einschließt. Es empfiehlt sich übrigens, die Konzertnacht bereits am hellen Nachmittag um 15 Uhr zu beginnen: Dann nämlich liest Schauspieler Ulrich Matthes Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“, eine Erzählung, in der der Wiener Schriftsteller die Theorien seines Zeitgenossen Sigmund Freud über den Traum und das Unbewusste literarisch verarbeitete.

© Gregor Rohrig

Golda Schultz

Die südafrikanische Sopranistin Golda Schultz

Bei allen orchestralen und kammermusikalischen Highlights gerät beim Richard-Strauss-Festival das Lied keineswegs ins Hintertreffen, steht doch diese intime, lyrische Musikgattung der Dichtkunst am nächsten. In diesem Jahr sind vor allem internationale Spitzeninterpretinnen der jüngeren Generation vertreten. So ist beispielsweise Golda Schultz, die 2015 in der Rolle der Sophie in Strauss’ „Der Rosenkavalier“ ihr umjubeltes Debüt bei den Salzburger Festspielen feierte, mit einem Liederabend mit Werken von Franz Schubert und Richard Strauss zu erleben. Das Konzert der südafrikanischen Sopranistin findet am 26.6. im nahegelegenen Schloss Elmau statt, dem „Cultural Hideaway“ in einem denkmalgeschützten Fünf-Sterne-S-Hotel. Tags zuvor ist Schloss Elmau als Kooperationspartner des Festivals zudem der Konzertort für eine Matinee der Reihe „Rising Stars“, die hoch talentierten Nachwuchskünstlern auf dem Sprung zur internationalen Karriere eine Plattform bietet. Auf dem Programm stehen Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert Schumann und Richard Strauss.

© Richard Strauss-Festival

Dirigent Alexander Liebreich leitet seit 2018 das Richard Strauss-Festival

Abends ist mit dem Auftritt von Arabella Steinbacher ein weiterer kammermusikalischer Höhepunkt zu erleben. Zusammen mit dem Pianisten Robert Kulek bringt sie Werke von Johann Sebastian Bach, Richard Strauss und Arvo Pärt zu Gehör. Das Konzert lässt sich übrigens genuss- und geistreich einleiten: Bereits um 17 Uhr spricht Alexander Liebreich mit Helmut Lachenmann, dem Komponisten und Doyen der Neuen Musik, über „Musik & Poesie“. All jene, die sowohl das Konzert als auch das Kamingespräch besuchen, können zwischen beiden Veranstaltungen ein Drei-Gänge-Menü buchen und die einzigartige Atmosphäre des Schlosses auch kulinarisch genießen.

Konzerte in luftigen Höhen

Überhaupt lädt das Festival dazu ein, nicht nur auf den musikalischen Spuren von Richard Strauss zu wandeln, sondern auch die Schönheiten des oberbayerischen Alpenlandes zu entdecken, etwa bei den beiden geführten Musikwanderungen: Die erste führt von der wildromantischen Partnachklamm vorbei an Wasserfällen und dramatischen Gesteinsformationen zum Graseck, musikalischer Gast ist die junge Klarinettistin Anna Sysová (23.6.). Eine weitere Wanderung, diesmal begleitet vom Trompeter Matthew Sadler, beginnt an der Villa Strauss und endet nach Stationen auf dem Kramerplateau und der Burgruine Werdenfels in idyllischer Abgeschiedenheit am Pflegersee (29.6.).

© Markt Garmisch-Partenkirchen

Einmalige Aussichten: Die Zugspitze

Es geht beim Richard-Strauss-Festival auch noch höher hinaus, dann jedoch ganz bequem mit der Seilbahn: Am 23. Juli interpretiert Starpianist Piotr Anderszewski auf der Zugspitze Präludien und Fugen aus dem zweiten Band von Bachs „Wohltemperiertem Klavier“ und die opulente vorletzte Klaviersonate op. 110 von Ludwig van Beethoven. Vor dem Klavierabend können die Besucher auf 2962 Metern Höhe ein exklusives Dinner genießen, nach dem Konzert geht’s kurz vor Mitternacht mit der Seilbahn auf Talfahrt. Nicht ganz so hoch, aber mit einem atemberaubenden Blick auf die Zugspitze und das Werdenfelser Land findet am 27.6. auf dem Wank ein Konzert mit Alexej Gerassimez statt. Der Percussionist der Stunde präsentiert gemeinsam mit seiner Frau, der Bratschistin Hiyoli Togawa, ein mitreißendes Konzertprogramm aus Klassik, Neuer Musik, Jazz und Minimal Music. Auch hier gibt es – diesmal nach dem Konzert – ein Dinner mit bayerischen Köstlichkeiten.

© Nikolaj Lund

Ausnahmeschlagzeuger Alexej Gerassimez

Ein „Sommernachtstraum“ in Ettal

Ein ganz besonderer Spielort ist die prachtvolle Barockanlage des Klosters Ettal, das schon im letzten Jahr mit den romantischen Klassik Open Air Konzerten ein Publikumsmagnet war. In diesem Jahr wird der Innenhof der Benediktinerabtei zum Abschluss des Festivals am 28. und 29.6. wieder zur großen Orchesterbühne für einen musikalischen „Sommernachtstraum“ unter dem Sternenhimmel. Am ersten Abend empfängt das Rundfunk Sinfonieorchester Prag als „Orchestra in Residence“ seinen Chefdirigenten Alexander Liebreich und als Solistin Asmik Grigorian. Die litauische Sopranistin wurde im vergangenen Jahr bei den Salzburger Festspielen gleichsam über Nacht zum Weltstar, als sie in der Titelpartie von Richard Strauss’ Oper „Salome“ für ekstatische Begeisterungsstürme beim Publikum sorgte. Im Klosterhof wird sie mit Orchesterliedern erneut ihre Meisterschaft als Strauss-Interpretin unter Beweis stellen. Umrahmt wird ihr Auftritt von der Sinfonischen Dichtung „Till Eulenspiegels lustige Streiche“ und Antonín Dvořáks poetisch-schwelgerisch angelegter 8. Sinfonie.

© Growpublic

Eine stimmungsvolle Kulisse: Das Kloster Ettal

Für den letzten Abend des Festivals gibt Alexander Liebreich das Orchester in die Hände von Cornelius Meister, der im letzten Jahr mit dem ersten Opus Klassik als „Dirigent des Jahres“ ausgezeichnet wurde. Gemeinsam mit dem Cellisten Jean-Guihen Queyras wird er die Tondichtung „Don Quixote“ interpretieren, in der das Cello die Titelfigur charakterisiert. Am Ende des Konzerts kommt das Publikum dann in den Genuss von Mendelssohns „Sommernachtstraum“.

Auch im Jubiläumsjahr 2019 wird das Festival seinem Leitspruch wieder mehr als gerecht: „Großartige Musik in schönster Umgebung“.