„TKKG – Gefangen in der Vergangenheit“ vom Jungen Theater Bonn

Der Fall Beethoven

Vom 5. bis 13. September überträgt das Junge Theater Bonn sein virtuelles Theaterprojekt „TKKG – Gefangen in der Vergangenheit“ live.

© Junges Theater Bonn

Die jungen Hauptdarsteller Julius Busch (Tim), Lukas Kirchhoff (Karl), Syd Winkler (Klößchen), Lena Appel (Gaby) bie der Pressekonferenz in Bonn

Die jungen Hauptdarsteller Julius Busch (Tim), Lukas Kirchhoff (Karl), Syd Winkler (Klößchen), Lena Appel (Gaby) bie der Pressekonferenz in Bonn

Nicht einmal die berühmten Nachwuchsdetektive Tim, Karl, Klößchen und Gaby (kurz: TKKG) bleiben von Lockdowns, Ausgangssperren und Social Distancing verschont – ihr neuester Fall wird deshalb ein Online-Krimi: Das Junge Theater Bonn (JTB) wagt mit seinem neuen Projekt „TKKG – Gefangen in der Vergangenheit“ den nächsten Schritt in Richtung Digitaltheater und präsentiert ein neues Format, das in neun Vorstellungen vom 5. bis 13. September live im Internet übertragen wird.

Theater für den virtuellen Raum

„Es ist ein virtuelles Theaterstück oder ein live gespielter Film, dessen Handlung zu erheblichen Teilen in der virtuellen Welt eines Online-Spiels stattfindet“, erklärt Theaterintendant Moritz Seibert. „Eine allgemeingültige Bezeichnung für so etwas gibt es noch nicht.“ Der große Unterschied zu anderen Streaming-Events sei dabei vor allem, dass das Projekt von Anfang an nur für den virtuellen Raum konzipiert war. Während Theaterstücke oder Konzerte normalerweise mit Kameras abgefilmt und dann gestreamt werden, befindet sich der Handlungsort hier direkt im World Wide Web, weshalb die Zuschauer die Vorstellungen auch nur live an ihrem PC, auf dem Tablet oder Handy anschauen können und nicht auf einer Bühne oder Kino.

„Wenn es nötig wäre“, so Seibert, „könnten wir dieses Stück proben und spielen, ohne dass die Schauspieler oder die Zuschauer ihr Haus auch nur ein einziges Mal verlassen müssen. Die Schauspieler sind genau wie die vier TKKGs, die sie spielen, nur über eine Videokonferenz miteinander in Kontakt. Und in diese Videokonferenz platzt der Hilferuf eines Jugendlichen, der in einem Online-Spiel ausgeraubt wurde. Also machen sie sich auf den Weg in das Universum dieses Spiels, um den Täter zu überführen.“

Ein Beethoven-Krimi

In dem Stück werden nicht nur die Ängste, Sorgen und Hoffnungen junger Menschen während der Corona-Krise thematisiert; die erzählte Geschichte steht auch ganz im Zeichen von Beethovens 250. Geburtstag und führt die jugendlichen Ermittler ebenso wie das Publikum in das virtuell rekonstruierte Bonn des Jahres 1786, wo sie dem 15-jährigen Beethoven höchstpersönlich begegnen – und natürlich seiner Musik. Intendant Seibert versucht hier vor allem auch das junge Publikum zu erreichen: „Wir hoffen natürlich, dass wir bei dem einen oder anderen Zuschauer Interesse an der Musik wecken können, und dass auch einige der weniger bekannten Werke von Beethoven gehört werden.“

Neben dem Nachwuchsensemble des JTB ist der aus Film und Fernsehen bekannte Schauspieler Simon Böer in der Rolle als Kommissar Glockner mit von der Partie, auch Violinistin Anne-Sophie Mutter wird das neuartige Projekt mit einem Gastauftritt unterstützen. So sieht auch Moritz Seibert der digitalen Uraufführung am 5. September gespannt entgegen: „Ich hoffe sehr, dass uns das Experiment so gelingt, dass wir in diese Richtung weiterarbeiten, auch wenn ich natürlich hoffe, dass wir bald auch wieder ganz normal und analog Theater spielen können.“

Tickets für den Zugang zum Livestream gibt es hier.

concerti-Tipp:

„TKKG – Gefangen in der Vergangenheit“
Junges Theater Bonn (online)
Livestream-Vorstellungen im Zeitraum von Sa. 5.9. bis So. 13.9.2020
Weitere Infos

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