Ausstellungstipp „HITLER.MACHT.OPER“

Instrumentalisiertes Musiktheater

Am 15. Juni eröffnete die Ausstellung „HITLER.MACHT.OPER“ im Dokumentationszentrum Reichsparteitaggelände in Nürnberg

Bühnenbild zu "Die Meistersinger" von Benno von Arent, 1938 © Museen der Stadt Nürnberg, Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände

Bühnenbild zu "Die Meistersinger" von Benno von Arent, 1938

Dass Adolf Hitler das Musiktheater schätzte, ist hinlänglich bekannt. Besonders die Opern Richard Wagners hatten es dem deutschen Diktator angetan, dem nachgesagt wurde, bei Besuchen auf dem Grünen Hügel in Bayreuth bei den Nachfahren Wagners wie ausgetauscht gewirkt zu haben. Jedoch sah Hitler in der Oper auch die Chance, selbige als Mittel zur Propaganda für sein NS-Regime einzusetzen. Zentrum dieses Szenarios war jedoch nicht Bayreuth, sondern Nürnberg, wo sich nun vom 15. Juni 2018 bis zum 3. Februar 2019 die Ausstellung „HITLER.MACHT.OPER“ mit dem Untertitel „Propaganda und Musiktheater in Nürnberg“ damit auseinandersetzt, wie Kunst zu Propagandazwecken instrumentalisiert werden kann.

Im Zentrum der Ausstellung, deren Doppeldeutigkeit im Titel bewusst gewählt wurde, steht die Wechselwirkung zwischen dem Nürnberger Opernhaus und dem Reichsparteitagsgelände, das zur Zeit des Nationalsozialismus gemeinsam mit der gesamten Nürnberger Innenstadt zur Bühne großer Aufmärsche der Nationalsozialisten wurde. Die parteipolitischen Inszenierungen dienten dem Opernhaus als Vorlage für ihre damaligen Aufführungen, etwa bei den originalgetreuen Aufmarschszenen in Wagners „Meistersingern“ bei den Eröffnungen der Reichparteitage von 1935 bis 1938. Hitler selbst griff sogar architektonisch in die Umgestaltung des Nürnberger Opernhauses ein, wollte Ästhetik, Städtebauliches und politische Machtausübung in Einklang bringen.

Einblick in den Opernbetrieb des Dritten Reichs

"Intendantenbüro" in der Ausstellung "HITLER.MACHT.OPER"

„Intendantenbüro“ in der Ausstellung „HITLER.MACHT.OPER“ © Museen der Stadt Nürnberg, Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände; Foto: Stefan Meyer, Berlin/Nürnberg

Die jetzige Ausstellung ist als Kooperation des Staatstheaters Nürnberg und dem Forschungsinstitut für Musiktheater der Universität Bayreuth konzipiert und basiert auf Forschungsergebnissen des Projekts „Inszenierung von Macht und Unterhaltung. Propaganda und Musiktheater in Nürnberg 1920-1950“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Die Besucher erwartet ein inszenierter Raum, gestaltet von Bühnenbildner Hermann Feuchter, in dem die Geschichte des Nürnberger Opernhauses während der Zeit des Nationalsozialismus in einem Bühnenbild interaktiv erlebbar wird. Zu sehen gibt es umfangreiches Bildmaterial zu Produktionen sowie zu Darstellern und Bühnenbilder, untermalt von einer Ton- und Bildschleife. Zudem geben Originaldokumente einen beispielhaften Einblick in den zu Propagandazwecken instrumentalisierten Opernbetrieb während des Dritten Reichs.

„HITLER.MACHT.OPER“

Insgesamt werden sieben Schwerpunkte gezeigt unter anderem Wagners „Meistersinger von Nürnberg“, die Reichsparteitage, die Institution Oper im NS-Staat inklusive der Operette, der Eingriff in Architektur bis hin zu Wagners „Götterdämmerung“, als letztgespieltes Werk vor der kriegsbedingten Schließung der Nürnberger Oper. Auch ein Rückblick auf die Zeit nach dem Ende des Dritten Reichs erwartet die Besucher.

concerti-Tipp:

Ausstellung „HITLER.MACHT.OPER – Propaganda und Musiktheater in Nürnberg“
15. Juni 2018 bis zum 3. Februar 2019
Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände
Nürnberg

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