Werk der Woche – Wagner: Die Meistersinger von Nürnberg

Historie statt Mythologie

Als sich Richard Wagner 1861 für die Umsetzung der „Meistersinger von Nürnberg“ entschloss, trug er die Idee bereits sechzehn Jahre mit sich herum. Seine Geldnöte waren schließlich ausschlaggebend für die Komposition

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Die Meistersinger von Nürnberg – Stolzings Probesingen. Gemälde von Michael Echter

Die Meistersinger von Nürnberg – Stolzings Probesingen. Gemälde von Michael Echter

„Die ‚Meistersinger’ sind dramaturgisch, sprachlich und musikalisch ein Meisterwerk“, schreibt Mathias Husmann in seiner Werkeinführung „Präludien fürs Publikum“ über Wagners einzige komische Oper. Um seine Vorstellungen von einem reformierten Kulturbetrieb fernab vom seichten Unterhaltungstheater umzusetzen, wählte Wagner für „Die Meistersinger von Nürnberg“ ein einziges Mal in seinem Œvre kein mythologisches Sujet.

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Humorvoller Wagner

Als Vorlage diente Wagner die Meistersinger-Tradition des 15. und 16. Jahrhunderts – ein zunftartiger Zusammenschluss von Sängern aus dem Handwerk –, die in der Handlung stellvertretend für die konservative, in ihren Reglements festgefahrene und in Wagners Augen spießige Bürgerschaft steht. Dieser setzt Wagner in humorvoll-gewitzter Weise ein progressives Lager entgegen, wobei er die Charaktere dem künstlerisch- und gesellschaftlichen Leben seiner Zeit entnimmt und sie – gänzlich Wagner untypisch – karikiert.

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Richard Wagner

Und immer wieder Geldsorgen

Trotz eines üppigen Vorschusses seines Verlegers Franz Schott und Richard Wagners rekordverdächtigem Tempo beim Verfassen des Texts – er schrieb an dreißig Tagen die gesamte Dichtung –, kam er, nachdem er die Kompositionsarbeit an dem Vorspiel beendet und selbige 1862 bei einem Konzert in Leipzig vorab uraufgeführt hatte, mit der Arbeit an der Oper nicht weiter.

Erst nachdem Wagner mit König Ludwig II. von Bayern einen liquiden Förderer gefundenen hatte, stellte er die Oper fertig.

Die wichtigsten Fakten zu Richard Wagners „Meistersinger von Nürnberg“:

Akte:

  1. Akt: Katharinenkirche in Nürnberg
  2. Akt: Straße in Nürnberg
  3. Akt: erste bis vierte Szene: Sachsens Schreibstube, fünfte Szene: ein freier Wiesenplan vor der Stadt Nürnberg

Orchesterbesetzung: Drei Flöten (auch Picc.), zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotte, vier Hörner, drei Trompeten, drei Posaunen, Basstuba, Pauken, Becken, Triangel, große Trommel, Glockenspiel (2 Spieler), Harfe, Laute und Streicher

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Spieldauer: 4:20 Stunden

Uraufführung: 21. Juni 1868, Nationaltheater München unter Hans von Bülow

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Referenzeinspielung

Wagner: Die Meistersinger von Nürnberg
Staatskapelle Dresden
Herbert von Karajan (Leitung)
Mitwirkende: René Kollo, Helen Donath, Theo Adam, Karl Ridderbusch, Peter Schreier, Kurt Moll
EMI Classics

Wie mit so vielen Einspielungen setzt Herbert von Karajan, auch mit dieser Interpretation von 1970, Maßstäbe für nachfolgende Generationen von Dirigenten. Neben Karajans meisterhaft-präzisem Dirigat ist auch die Gesangsleistung der prominenten Solisten-Besetzung richtungsweisend.

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Hier geht es zu den aktuellen concerti-Termintipps zu Wagners „Meistersinger“

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