Großartiges Musikfestspiel

Rezension Christian Thielemann – Meistersinger

Großartiges Musikfestspiel

Der „Meistersinger“-Mitschnitt der Salzburger Osterfestspiele 2019 mit Georg Zeppenfeld als souverän gestaltender Schusterpoet und Christian Thielemann am Pult.

Luxus à la Karajan, dessen Dresdner „Meistersinger“-Einspielung von 1970 im Booklet umfänglich gehuldigt wird! Echte Erstklassigkeit hat eben keine Konkurrenz zu fürchten. Dieser Mitschnitt bestätigt die olympische Gleichrangigkeit von Kirill Petrenkos und Christian Thielemanns „Meistersingern“: Wann hört man Wagners polyfones Geflecht so intensiv, das Melos so lichtdurchflutet und das ideologisch zwiespältige Finale so spielerisch nachgiebig wie hier? Thielemanns „Meistersinger“ sind weniger transparent als andere Einspielungen und dennoch von beglückender Leichtigkeit ohne Verzicht auf Nachdruck. Zu Höhepunkten geraten hier auch Szenen, die sonst beiläufig vorbeiziehen. Alles wird mit großer, nie flacher Gestik und ohne Beeinträchtigung der vokalen Feinarbeit ausmusiziert. Nebenstimmen erhalten Gewicht. Dabei motiviert Thielemann Solisten und Chöre zu vertrauensvoller Interaktion. Ein großartiges Musikfestspiel mit mindestens drei euphorisierenden Sängerdarstellern: Georg Zeppenfeld ist der persönlichkeitsstarke und souverän gestaltende Schusterpoet mit Klugheit und stillen Reserven bis zum letzten Ton seines Partienmarathons. Sebastian Kohlhepp, mit dem Thielemann im ersten Akt Davids Regellitanei zum ganz großen Auftritt steigert, glänzt als lyrischer Konkurrent zum Ritter Stolzing. Adrian Eröd verleiht der von ihrem Schöpfer Wagner düpierten Figur des Beckmesser bewegende und dabei elegante Tiefenschärfe.

© Matthias Creutziger

Christian Thielemann

Christian Thielemann

Wagner: Die Meistersinger von Nürnberg
Georg Zeppenfeld, Klaus Florian Vogt, Jacquelyn Wagner, Adrian Eröd, Vitalij Kowaljow, Günter Haumer, Rupert Grössinger, Sebastian Kohlhepp, Salzburger Bachchor, Chor der Sächsischen Staatsoper Dresden, Staatskapelle Dresden, Christian Thielemann (Leitung)
Profil

Weitere Rezensionen

Rezension Christian Thielemann – Bruckner: Sinfonie Nr. 5

Statischer Luxusklang

Mit den Wiener Philharmonikern zelebriert Dirigent Christian Thielemann hochpriesterlichen Bruckner mit einem Hang zur Statik. weiter

Rezension Elīna Garanča – Live from Salzburg

Kalkuliert

An der Seite von Christian Thielemann und den Wiener Philharmonikern glänzt Mezzosopranistin Elīna Garanča bei der Salzburger Live-Aufnahme der „Rückert-“ und „Wesendonck-Lieder“. weiter

Rezension Rudolf Buchbinder – Beethoven: Klavierkonzerte

Fünf auf einen Streich

Fünf Orchester, fünf Dirigenten, fünf Klavierkonzerte: Rudolf Buchbinders Beethoven-Zyklus ist renommiert besetzt – kann jedoch nicht alle Erwartungen erfüllen. weiter

Termine

Sonntag, 13.11.2022 11:00 Uhr Semperoper Dresden

Julia Fischer, Sächsische Staatskapelle Dresden, Christian Thielemann

Mendelssohn: Die Hebriden op. 26, Violinkonzert e-Moll op. 64 & Symphonie Nr. 5 d-Moll op. 107

Montag, 14.11.2022 20:00 Uhr Semperoper Dresden

Julia Fischer, Sächsische Staatskapelle Dresden, Christian Thielemann

Mendelssohn: Die Hebriden op. 26, Violinkonzert e-Moll op. 64 & Symphonie Nr. 5 d-Moll op. 107

Dienstag, 15.11.2022 20:00 Uhr Semperoper Dresden

Julia Fischer, Sächsische Staatskapelle Dresden, Christian Thielemann

Mendelssohn: Die Hebriden op. 26, Violinkonzert e-Moll op. 64 & Symphonie Nr. 5 d-Moll op. 107

Sonntag, 20.11.2022 15:00 Uhr Isarphilharmonie München

Julia Fischer, Sächsische Staatskapelle Dresden, Christian Thielemann

Mendelssohn: Konzertouvertüre „Die Hebriden“, Violinkonzert e-Moll op. 64 & Sinfonie Nr. 5 D-Dur op. 107 „Reformationssinfonie“

Dienstag, 22.11.2022 20:00 Uhr Elbphilharmonie Hamburg

Julia Fischer, Sächsische Staatskapelle Dresden, Christian Thielemann

Mendelssohn: Die Hebriden op. 26, Violinkonzert e-Moll op. 64 & Sinfonie Nr. 5 D-Dur op. 107

Mittwoch, 23.11.2022 20:00 Uhr Elbphilharmonie Hamburg

Bruckner: Sinfonie Nr. 5 B-Dur

Sächsische Staatskapelle Dresden, Christian Thielemann (Leitung)

Donnerstag, 15.12.2022 20:00 Uhr Philharmonie Berlin

Camilla Nylund, Berliner Philharmoniker, Christian Thielemann

Wagner: Vorspiel & Karfreitagszauber aus „Parsifal“, R. Strauss: Vier letzte Lieder, Pfitzner: 3 Orchestervorspiele aus „Palestrina“, J. S. Bach: Präludion und Fuge Es-Dur BWV 552

Freitag, 16.12.2022 20:00 Uhr Philharmonie Berlin

Camilla Nylund, Berliner Philharmoniker, Christian Thielemann

Wagner: Vorspiel & Karfreitagszauber aus „Parsifal“, R. Strauss: Vier letzte Lieder, Pfitzner: 3 Orchestervorspiele aus „Palestrina“, J. S. Bach: Präludion und Fuge Es-Dur BWV 552

Samstag, 17.12.2022 19:00 Uhr Philharmonie Berlin

Camilla Nylund, Berliner Philharmoniker, Christian Thielemann

Wagner: Vorspiel & Karfreitagszauber aus „Parsifal“, R. Strauss: Vier letzte Lieder, Pfitzner: 3 Orchestervorspiele aus „Palestrina“, J. S. Bach: Präludion und Fuge Es-Dur BWV 552

Dienstag, 28.02.2023 20:00 Uhr Alte Oper Frankfurt

Wiener Philharmoniker, Christian Thielemann

Weber: Ouvertüre zu „Oberon“, Beethoven: Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 36, Mendelssohn: Sinfonie Nr. 4 A-Dur op. 90 „Italienische“

Auch interessant

Opern-Kritik: Semperoper Dresden – Aida

Ganz stilles und ganz großes Drama

(Dresden, 5.3.2022) Wagners Meisterdirigent Christian Thielemann debütiert mit Verdis „Aida“, die Katharina Thalbach in kunstvoll arrangierten Tableaus auf die Bühne bringt. Der Krieg in der Ukraine schwingt dennoch allgegenwärtig mit. weiter

TV-Tipp 18.9. 3sat: Wiener Philharmoniker und Christian Thielemann

Wien zu Gast in Barcelona

Aus der beeindruckenden Sagrada Família in Barcelona überträgt 3sat das Reisekonzert der Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Christian Thielemann. weiter

Opern-Kritik: Semperoper Dresden – Capriccio

Wenn die Frage schon die Antwort ist

(8.5.2021) Weltniveau: Die Semperoper Dresden und Christian Thielemann sind mit Richard Strauss' Opern-Schwanengesang musikalisch ganz bei sich. weiter

Kommentare sind geschlossen.