News: Hamburger St. Nikolai Kirche steht ohne spielbare Orgel da

Wenn der Orgel die Luft ausgeht

Die Hauptkirche St. Nikolai im Stadtteil Harvestehude ist mit einem kaum noch spielbaren Instrument ausgestattet. Nun werden Spenden für eine Erneuerung und Erweiterung der Orgel gesammelt – benötigt werden drei Millionen Euro

Orgel der Hauptkirche St. Nikolai in Hamburg © H. Franck

Orgel der Hauptkirche St. Nikolai in Hamburg

Wenn manche Pfeifen einen Knick haben, andere zugelötet sind und beim Bau des Instruments am Material gespart wurde, wenn außerdem Stimmhaltung und Windversorgung instabil sind – dann ist es wirklich Zeit für eine neue Orgel. Und genau das ist die gegebene Situation an der Hamburger Hauptkirche St. Nikolai.

Deshalb wird schon seit Jahren nicht mehr am Hamburger Orgelsommer teilgenommen wie Hauptpastor Vetter erklärt: „Für große, konzertante Aufführungen ist das Instrument nicht mehr brauchbar, denn es sind ganze Register ausgefallen. Dieser Verfall hat sich natürlich schleichend vollzogen, aber seit einigen Monaten kann selbst der Sonntagsgottesdienst nicht mehr kalkuliert gespielt werden, weil man morgens oft feststellt, dass weitere Register ausgefallen sind oder das Instrument komplett streikt.“ Deshalb wird der Gottesdienst inzwischen mit anderen Instrumenten und Chorgesang gestaltet.

Die Pläne für St. Nikolai

Es ist eine stolze Summe von drei Millionen Euro erforderlich um die 5.354 Pfeifen zu überholen, die Orgel um 2.215 neue Pfeifen und um zwölf Schlagwerke zu erweitern. Außerdem soll die Tastatur auf mechanische Traktur umgestellt weil, weil die originale elektrische nicht mehr reparabel ist. Zu diesen ehrgeizigen Plänen erklärt Hauptpastor Vetter: „Es ist nicht allein eine Gemeindeorgel geplant, sondern zugleich ein für das Kulturleben in Hamburg bedeutendes Instrument. So wünschen wir uns, dass anknüpfend an frühere Kooperationen mit dem NDR Orgelkonzertreihen durchgeführt und aufgezeichnet werden. Auch die Nachwuchsförderung wird eine Rolle spielen.“

Das Geld soll über ein Fundraisingkonzept gesammelt werden, bei dem man Patenschaften für einzelne Pfeifen übernehmen kann. Eine Patenschaft für kleinere Pfeifen startet bei 50 Euro, für größere Pfeifen werden bis zu 8.000 Euro veranschlagt. Um auf dieses Fundraising-Projekt aufmerksam zu machen, hat Vetter jüngst mit dem Pfarrteam von St. Nikolai sowie dem Fundraiser Kai Widmaier am Haspa-Marathon Hamburg teilgenommen. „Wir begreifen dies als symbolische Aktion, weil auch die Finanzierung der Orgel für uns ein Langstreckenprojekt ist“, sagt Pastor Vetter dazu.

Marathon-Team für die Orgel der Hauptkirche St. Nikolai

Marathon-Team für die Orgel der Hauptkirche St. Nikolai © privat

Eine reiche Orgeltradition

Zwar sind unter anderem durch ein Benefizkonzert mit Iveta Apkalna in der Hamburger Elbphilharmonie, private Spenden und ein Zuschuss der Landeskirche bereits 300.000 Euro zusammengekommen, doch bis zu den benötigten drei Millionen Euro ist es noch ein weiter Weg. Das Ziel ist aber keineswegs zu hoch gesteckt, denn mit den Modernisierungsmaßnahmen wird an die reiche Orgeltradition von St. Nikolai angeknüpft: Der Vorgängerbau der Nikolaikirche in der Altstadt beherbergte ab 1687 ein Instrument des berühmten Stader Orgelbauers Arp Schnitger. Sie war zu ihrer Zeit die vermutlich größte Orgel der Welt und ging im Großen Band von 1842 komplett verloren. Das 1891 fertiggestellte Nachfolgeinstrument von Ernst Röver verfügte über 101 Register auf drei Manualen. Doch fielen Orgel und Kirche den Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg zum Opfer.

Während bis zum heutigen Tage die historische Kirche St. Nikolai ein Mahnmahl ist, wurde der Neubau ab 1956 im Stadtteil Harvestehude umgesetzt. Der Auftrag für das heutige Instrument ging an Willi Peter in Köln. Die neobarocke Orgel galt nach ihrer Einweihung 1962 mit ihrer elektrischen Tastatur, die Tasten und Pfeifen verbindet, als sehr modern. Als bespielbares Instrument hat sie ihre besten Zeiten lange hinter sich, doch soll ihr markantes, in seiner Form an Schiffssegel erinnerndes Orgelgehäuse erhalten und somit ihr optische Charakter werden. Beauftragt ist der Orgelbauer Philipp Klais, der auch die Orgel der Elbphilharmonie gebaut hat.

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