Porträt Dresdner Sinfoniker

Frank Zappa trifft auf eine Rockoper über das Massaker von Mexiko im Jahr 1968

Die Dresdner Sinfoniker feiern ihr 20-jähriges Jubiläum und eröffnen die Jazztage zusammen mit dem Universal Druckluft Orchester

© Frank Höhler

Dresdner Sinfoniker

Dresdner Sinfoniker

„Tear down this wall!“ Als Ronald Reagan 1987 in Berlin stand und Michail Gorbatschow aufforderte, die Mauer niederzureißen, schrieb er die Geschichte des Kalten Krieges fort. Dass genau 30 Jahre später sein Nachfolger Donald Trump an seiner eigenen Mauer an der mexikanischen Grenze einem ostdeutschen Orchester ein Konzert mit der gleichen Forderung verbieten ließ, enthielt dann doch so viel ironischen Sprengstoff, dass es die Dresdner Sinfoniker bis in die Tagesschau schafften.

Intendant Markus Rindt, Hornist und einst selbst aus der DDR geflohen, hatte sein Ensemble 1998 unter der Schirmherrschaft von Yehudi Menuhin im Dresdner Kulturpalast gegründet, um der zeitgenössischen Musik mehr Raum zu verschaffen. Schnell hatte sich eine Truppe zusammengefunden, der spezielle Projekte mit besonderen Komponisten, multimedialen Konzepten, Crossoverideen und in letzter Zeit expliziten politischen Botschaften wichtig sind. Für erstes Aufsehen sorgten die Sinfoniker, als sie den Komponisten Torsten Rasch einluden, Texte der Band Rammstein neu zu vertonen.

In der Folge meldeten sich die Pet Shop Boys, mit denen die Dresdner Raschs Filmmusik zu Sergej Eisensteins „Panzerkreuzer Potemkin“ vor Zehntausenden in London aufführten. Zum 800. Stadtjubiläum kamen die Boys zum Gegenbesuch, um von den Balkonen der Dresdner Flaniermeile aus eine „Hochhaussinfonie“ zu zelebrieren. Wenig später folgte die Aufführung der „Star Wars“-Ouvertüre inmitten von Londoner Straßenmusikern – per Ferndirigat mittels Videoleinwand von Dresden aus geleitet.

Politische Einmischung

Der Spieltrieb des Spektakels geriet in den letzten Jahren zugunsten ernsthafterer Projekte in den Hintergrund, vor allem seit der deutsch-türkische Musiker Marc Sinan zu den Sinfonikern stieß. Mit Großprojekten wie einer „anatolischen Reise“ oder der „Sinfonie für Palästina“ eroberte sich das Orchester eine politische Ausdruckskraft, die 2015 einen vorläufigen Höhepunkt im Konzertprojekt „Aghet“ fand, in dem der Völkermord an den Armeniern thematisiert wurde. Die Türkei entblödete sich nicht, bei der EU die Einstellung der Projektfinanzierung zu fordern. So viel politische Einmischung in die Musik hatte es wohl zuletzt zu Stalins Zeiten gegeben.

Etwas verspätet wollen die Sinfoniker nun ihr Jubiläum feiern – mit Frank Zappa, einem Druckluftorchester und einer Rockoper über das Massaker von Mexiko an protestierenden Studenten 1968. Bunter kann es kaum noch werden.

Die Dresdner Sinfoniker spielen die „Star-Wars“-Ouvertüre per Ferndirigat:

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