Saleem Ashkar im Porträt

Den revolutionären Geist der Sonaten befeuern

Der gefeierte Pianist Saleem Ashkar eröffnet seinen Beethoven-Zyklus in Duisburg

Saleem Ashkar © Luidmila Jermies

Saleem Ashkar

Palästinensischer Christ aus Israel – das klingt wie gemacht für eine Hauptrolle in Daniel Barenboims West-Eastern Divan Orchestra. Doch da wäre für Saleem Ashkar kein Platz. Denn er ist Pianist. Er lebt inzwischen in Berlin und wagt, was sich nur wenige seiner Kollegen zumuten: alle 32 Beethoven-Sonaten im Konzertsaal aufzuführen, sortiert nach Themen wie „Musik und Politik“, „Mendelssohns Beethoven“ oder „Kunst in existentiellen Zeiten“. Eine Herkules-Aufgabe. Und als wäre das noch nicht Herausforderung genug, schildert Ashkar in Filmen und Diskussionsrunden, was ihm Beethoven und seine Musik bedeuten.

Die Verzahnung von Künstler und Komponist soll die Musik noch wahrhaftiger, lebensnäher machen. Ashkar möchte den Kontext erforschen, in dem diese Werke geschrieben wurden und ihre Botschaft im Heute hinterfragen. „Jede Sonate ist für sich ein Diamant“, erklärt er in tadellosem Deutsch, „nichts ist Routine, nichts nur Handwerk“. In einigen Städten führt er seinen Sonaten-Zyklus an verschiedenen Orten auf, in Israel etwa in einem muslimischen Dorf, in einer christlichen Kirche in Jerusalem und im Konzertsaal von Tel Aviv, wo er mit 12 Jahren sein erstes öffentliches Konzert gegeben hat.

Für Saleem Ashkar ist Beethoven der ideale Komponist

Ashkar stammt aus Nazareth. Damals war er der Einzige, der dort Klavier lernte. „Ich fühlte mich zuhause fremd“, gesteht er. Wenn er heute in Nazareth auftritt und junge Eltern mit ihren Kindern im Konzert sieht, geht ihm das Herz auf. „Ich komme aus einem Land und einer Gesellschaft, die sehr politisch geprägt ist. Man beschäftigt sich mit Religion und Identität.“ Mit 13 Jahren sei er bereits voll in politischen Diskussionen eingebunden gewesen. Insofern ist Beethoven für ihn der ideale Komponist: „Wo immer von Idealismus und Humanität die Rede ist, taucht der Name Beethoven auf. Warum? Weil ihn diese Gedanken ein Leben lang umgetrieben und seinen revolutionären Geist befeuert haben.“

Den Beethoven-Zyklus nennt er ein „außergewöhnliches Ereignis, jedes Mal neu, bereichernd und erschöpfend zugleich.“ Daher ist für Saleem Ashkar ein „Nach dem Zyklus“ immer zugleich auch ein „Vor dem Zyklus“. „Man spürt diese Musik jedes Mal intensiver, sie ist eine intellektuelle und eine emotionale Herausforderung.“

Saleem Ashkar spielt Beethoven:

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