Sommerreihe: Starke Frauen – Amy Beach

Gegen den Willen des Ehemanns

Hochbegabte Autodidaktin und kämpferisch in eigener Sache – Amy Beach komponierte als erste Amerikanerin eine Sinfonie

Collage Komponistinnen © gemeinfrei (13), F. Hoffmann La Roche Ltd., Yamaha, shutterstock, Christophe Abramowitz

Collage Komponistinnen

Ungläubiges Staunen erfasst einen bei der Lektüre der Biografie von Amy Beach. Die amerikanische Komponistin soll bereits im Alter von nur einem Jahr bis zu vierzig Melodien auswendig gesungen, im zweiten Lebensjahr aufgrund ihres absoluten Gehörs weitere Stimmen zum Gehörten hinzuerfunden und schließlich im dritten Jahr autodidaktisch Lesen gelernt haben. Kaum zu glauben auch die Geschichte, dass Beach wiederum ein Jahr später Klavierwerke aus dem Stand heraus transponieren konnte, um sie dem Originalklang gerecht auf verstimmten Klavieren wiedergeben zu können.

Und es kommt noch viel besser. Die ersten Kompositionen fertigte die am 5. September 1867 in Henniker, New Hampshire als Amy Marcy Cheney geborene Musikerin im Sommerurlaub bei ihrem Großvater an – ganz ohne Instrument. Wieder zuhause angekommen, präsentierte sie ihre Walzerstücke der Familie am Klavier. Später riet man ihren Eltern, die junge Amy auf ein europäisches Konservatorium zu schicken. Man entschied sich zwar dagegen, ermöglichte der jungen Begabung allerdings, Theorie- und Kompositionsunterricht in ihrer Heimat zu nehmen.

Amy Beach

Amy Beach © George Grantham Bain Collection/Library of Congress/gemeinfrei

Debütkonzert ebnete den Erfolgsweg

Im Jahr 1883 debütierte Amy Beach als Pianistin in der Boston Music Hall und begann anschließend in der Folgesaison eine Zusammenarbeit mit dem Boston Symphony Orchestra. Die Zeichen standen auf Erfolg, doch 1885 folgte die große Zäsur. Grund dafür war ihre Heirat mit Dr. Henry Aubrey Beach, der von ihr verlangte, ihren Klavierunterricht abzubrechen und ihre Konzerttätigkeit auf ein Maximum von zwei Konzerten im Jahr zu beschränken. Damit lag ihre Musikkarriere vorerst auf Eis. Zumindest fast: Denn unter ihrem neuen Namen “Mrs H.H.A. Beach” durfte Amy Beach, die übrigens gerne im Freien komponierte, ihre Werke mit Erlaubnis ihre Mannes veröffentlichen.

Sieben Jahre später jedoch trat sie mit ihrer „Messe in Es-Dur“ wieder in die Öffentlichkeit. Uraufgeführt wurde das Werk vom Handel und Haydn Society Orchestra, welches nie zuvor ein Werk einer Frau aufgeführt hatte – ein bahnbrechender Erfolg und zugleich Triumph über ihren Ehemann. 1893 vertrat Amy Beach die USA auf der Weltausstellung in Chicago, was ihr in Fachkreisen größere Bekanntschaft einbrachte und ihren weiteren Erfolg maßgeblich beeinflusste. Ihr Kompositionsstil orientierte sich, speziell bei ihren Klavierwerken, an der romantischen Tonsprache, zudem war Beach an der damals entstehenden Tonalität der Neuen Wiener Schule interessiert, deren Einfluss in ihrem Werk anklingt.

"Afer" von Amy Beach, Liedtext von Florence Earle Coates, 1909

„Afer“ von Amy Beach, Liedtext von Florence Earle Coates, 1909 © gemeinfrei

Schrieb ein Stück Musikgeschichte: Amy Beach

Mit ihrer „Gaelic Symphony“, schrieb Beach kurz nach dem Erfolg mit ihrer Messe schließlich ein Stück Musikgeschichte, als sie als erste Amerikanerin eine Sinfonie veröffentlichte. Das von dem Boston Symphony Orchestra uraufgeführte Werk löste beim Publikum und bei der Kritik große Begeisterung aus – ähnlich wie ihr Klavierkonzert, mit dem sie sich endgültig aus der Fremdbestimmung ihres Mannes löste. Nach dessen Tod im Jahr 1910 unternahm Beach eine drei Jahre umfassende Konzertreise durch Europa und präsentierte ihre Klavierwerke in Hamburg, Dresden, München und Breslau. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs musste sie jedoch in ihre Heimat zurückkehren, wo sie die nächsten zwanzig Jahre für die New Yorker St. Bartholomew’s Church arbeitete.

Nachdem sie jahrzehntelang nicht die musikalischen Freiheiten ausleben durfte, die ihr eigentlich zustanden, setzte sich Amy Beach nach dem Tod ihres Mannes für die Belange anderer Komponistinnen ein. Ihr Engagement für Musikerinnen, die trotz Ehe und Mutterschaft weiterhin tätig sein sollten und ebenso wie die männlichen Kollegen eine umfassende Ausbildung erfahren sollten, schlug sich vor allem in ihrer Arbeit in der durch sie mitbegründeten “Association of American Women Composers” nieder.

Anfang der 1940er Jahre wurde bei Beach eine Herzkrankheit diagnostiziert, die sie dazu zwang, ihre Tätigkeit in der Kirche niederzulegen. Sie starb am 27. Dezember 1944 in New York.

Sehen und hören Sie hier das „Allegro con fuoco“ aus der „Gealic Symphony“ von Amy Beach:

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