Sommerreihe: Starke Frauen – Rachel Portman

Von Oxford zum Oscar

In der Filmmusik gehört Rachel Portman als Frau zur Minderheit. Für sie selbst war das nie ein Thema. Mit dieser Einstellung gewann sie 1997 den Oscar für die beste Filmmusik

© gemeinfrei (13), F. Hoffmann La Roche Ltd., Yamaha, shutterstock, Christophe Abramowitz

Collage Komponistinnen

Collage Komponistinnen

Die Karriere von Rachel Portman begann 1982 in Oxford. Und wie in jeder guten britischen Geschichte war auch Hugh Grant daran beteiligt. Für den Studentenfilm „Privileged“ schrieb sie ihre erste Filmmusik, Grant spielte seine erste Hauptrolle. Aus Studentenfilmen wurden Spielfilme, von England ging es nach Amerika. Der Durchbruch in Hollywood gelang ihr 1992 mit dem Film „Die Herbstzeitlosen“ von Beeban Kidron. Fünf Jahre später gewann sie als erste Frau in der Geschichte den Oscar in der Kategorie „Beste Filmmusik“ für Jane Austens Klassiker „Emma“.

Nach dem Oscar bekam sie so viele Aufträge, dass sie sich aussuchen konnte, woran sie arbeiten wollte. Obwohl sie oft auf ihre Rolle als Frau in der männerdominierenden Musikszene angesprochen wird, sieht sich Portman selbst als „Komponist ohne Geschlecht“. Benachteiligt habe sie sich aber nie gefühlt, erzählte sie etwa dem Bayerischen Rundfunk. Der Erfolg spricht für sich: Bis heute schrieb sie die Musik für mehr als hundert Filme, darunter „Marvins Töchter“ mit Meryl Streep, Leonardo DiCaprio und Robert De Niro, „Chocolat“ mit Juliette Binoche und Johnny Depp sowie „Die Herzogin“ mit Keira Knightley und Ralph Fiennes.

© Benjamin Ealovega

Rachel Portman

Rachel Portman

Einfluss von folkloristischen Klängen

Geboren wurde Rachel Portman 1960 in Haslemere. Schon im Alter von dreizehn Jahren begann sie zu komponieren, Unterstützung erhielt sie dabei vor allem von ihrer Mutter. Nach ihrem Kompositionsstudium in Oxford standen ihr in den Anfangsjahren ihrer Karriere auch der Regisseur Alan Parker und der Produzent David Puttnam unterstützend zur Seite.

In ihren Kompositionen verzichtet Portman auf elektronische Instrumente. Lieber schreibt sie Melodien für Orchester, kammermusikalische Besetzungen oder einzelne Instrumente wie Klavier oder Klarinette. Auch von der häufig pompös komponierten amerikanischen „Blockbustermusik“ hält sie Abstand. Stattdessen lässt sie sich von den folkloristischen Klängen der Länder inspirieren, in denen die jeweiligen Filme spielen. Doch obwohl ihr Schwerpunkt auf der Filmmusik liegt, komponierte sie auch viele andere Werke, darunter die Oper „Der kleine Prinz“ nach dem Buch von Antoine de Saint-Exupéry.

Rachel Portman bekommt den Deutschen Filmmusikpreis

Rachel Portman wird im Oktober mit dem Deutschen Filmmusikpreis in der Kategorie „International“ ausgezeichnet, der im Rahmen der Filmmusiktage Sachsen-Anhalt verliehen wird. Die Veranstalter teilten mit, dass sich die Britin mit ihren kreativen Kompositionen in der von Männern dominierten Filmmusikbranche durchgesetzt habe.

Rachel Portmans oscarprämierter Soundtrack zum Jane Austen Klassiker „Emma“:

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