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Buchrezension – Julius Berger: Ja. Cello!

Auf den Spuren seiner Lehrer

Cellist Julius Berger erinnert sich an wegweisende menschliche Begegnungen.

vonRoland H. Dippel,

„Aus meiner Sicht kann ich Musik nur so verstehen: als eine Kraft, die mich leitet, die mich verändert – eine Kraft, bei der ich in jedem Moment eingebunden bin, mit der ich mich identifizieren kann.“ Dieser Satz ist eine Headline auf der Website des Cellisten Julius Berger. Damit setzt er – wie im Submenü „Weggefährten“ – auf das verbindende Wesen von Musik. Und er bestätigt diese Haltung durch diese Hommage an die Lehrenden und die Instrumente seines Lebens. Das muss man ernst nehmen. Denn für den Merchandising-Gig eines Weltklasse-Cellisten mit ausgeprägtem Interesse an Neuem und Seitenpfaden ist dieses Brevier schlichtweg zu teuer, als Hymne einer im Klassik-Betrieb zwischen Wettbewerb und Quotendenken eher seltenen Menschlichkeit aber keineswegs. Hier wird auch klar, dass der Weg zum Gipfel viel Arbeit bedeutet. 

Berger gliedert die Kapitel wie vor wenigen Jahren Kent Nagano seine Biografie „10 Lessons of my Life. Was wirklich zählt“ nach ihn prägenden Menschen und Situationen. Aber Berger ist aphoristischer. Er reiht nicht geeignete Anekdoten für Kantinendialoge, sondern liebenswerte Gesten seiner Idole auf Augenhöhe mit Kollegen und Studierenden – zum Beispiel von Antonio Janigro, Zara Nelsova und Mstislaw Rostropowitsch sowie Bergers erster Lehrerin Ilse Hermann. Wesentliche Impulse zur Spieltechnik und Erarbeitung finden sich auch. Auf achtzig Seiten verwendet der Autor kein einziges kulturelles Trendschlagwort wie etwa „Selbstorganisation“ oder „Herkunftsforschung“. Dadurch versteht man sogar besser, was der Mensch und Künstler Berger meint.

Cellist Julius Berger
Cellist Julius Berger

Ja. Cello!Lehren für das Leben durch die Lehrer meines Lebens
Julius Berger
Schott, 80 Seiten
19,90 Euro

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