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Buchrezension – Fuminori Nakamura: Die Flucht

Geistesflüge aus Japan

„Die Flucht“ ist ein vielschichtiger Roman um eine legendäre Teufelstrompete

vonSabine Näher,

Ist der Roman „Die Flucht“ des 1977 geborenen japanischen Schriftstellers Fuminori Nakamura ein Musikbuch? Das ist nicht leicht zu beantworten. Zwar rankt sich der Plot um eine legendäre Trompete, deren magischer Klang die japanische Armee im Krieg zu unerwarteten Siegen beflügelt haben soll, doch in den ersten gut 400 Seiten geht es nicht um Musik. Nakamura verknüpft hier mehrere Erzählstränge mit der Flucht des Journalisten Kenji Yamamine, der unversehens in den Besitz dieser Trompete gelangt ist und deshalb von mehreren Organisationen verfolgt und gejagt wird. Zum einen geht es um die tragische Liebesgeschichte zwischen Kenji und Anh, die wiederum als Aufhänger dient, um in die Geschichte Japans und Vietnams einzutauchen.

Von großer Bedeutung in diesen historischen Betrachtungen ist das Thema der Christenverfolgung. Aber auch die aktuelle politische Situation in Japan spielt eine Rolle: Yamamine veröffentlicht linksliberale Artikel, die in einem zunehmend nach rechts driftenden Land auf erbitterten Widerspruch stoßen. Ab Seite 411 werden, mit dem bewährten Stilmittel des Buchs im Buch, die „Memoiren des Trompeters Suzuki“ eingeflochten. Aus diesem Stoff hätte Nakamura leicht ein eigenes Buch gestalten können – und dieses wäre ein Musikbuch gewesen. Aber den Autor treibt offenbar zu vieles um, um sich thematisch derart einengen zu lassen. Seine weiten Geistesflüge, auf die man sich einlassen wollen muss, und sein beachtliches Erzähltalent bieten jedenfalls eine besondere Lektüre.

Fuminori Nakamura fühlt in „Die Flucht“ auch der komplexen jüngeren japanischen Geschichte nach
Fuminori Nakamura fühlt in „Die Flucht“ auch der komplexen jüngeren japanischen Geschichte nach

Die Flucht

Fuminori Nakamura
Diogenes, 582 Seiten
30 Euro

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