Entgegengesetzte Interpretationen

CD-Rezension Say/Prosseda

Entgegengesetzte Interpretationen

Mozarts Klaviersonaten werden umso schwerer, je eingehender man sich damit beschäftigt: jeder Ton ist von Bedeutung

Mit Fazıl Say und Roberto Prosseda haben sich nun zwei Pianisten an eine Gesamteinspielung gemacht, deren Zugang unterschiedlicher kaum sein könnte.

Mozarts Klaviersonaten werden umso schwerer, je eingehender man sich damit beschäftigt: jeder Ton ist von Bedeutung. Fazıl Say hat allen Sonaten Titel gegeben (über deren Plausibilität man diskutieren kann) und nähert sich ihnen mit der Emphase eines Ausdrucksmusikers, dessen musikalisches Zentrum in der Romantik zu finden ist. Say ist ein so intelligenter wie fingerflinker Pianist, der in jedem Satz das Charakteristische sucht, das er mit pianistischen Mitteln herausarbeitet, dazu zählen Artikulation, Rubato und üppiger Pedaleinsatz. Das ist nie langweilig und wirkt dennoch ein wenig konventionell gegenüber Roberto Prossedas radikaler Lesart.

Prosseda, der zunächst die ersten sechs Sonaten eingespielt hat, deutet Mozart aus der Ästhetik seiner Zeit: als hoch differenzierte Klangrede, hinter der Mozarts vokale und instrumentale Einflüsse gerade deshalb umso deutlicher werden, weil sich Prosseda jeglicher Subjektivierung enthält. Dafür offenbart er auf dem Fazioli-Flügel eine artikulatorische Finesse, die Staunen macht: beispiellos sein Arsenal an Non-legato-Abstufungen wie sein dynamisches Spektrum. Man hört hier gebannt, wie Mozarts Musik, von jeglichem Gefühlsdusel befreit, in purer Reinheit zu uns spricht.

  Mozart: Klaviersonaten Nr. 1-18                                         

  Fazıl Say (Klavier)

  Warner (6 CDs)

  

  Mozart: Klaviersonaten Nr. 1-6

  Roberto Prosseda (Klavier)

  Decca (2 CDs) 

   

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Termine

Sonntag, 08.03.2020 11:00 Uhr Prinzregententheater München

Fazıl Say, Kammerorchester der Münchner Philharmoniker, Lorenz Nasturica-Herschcowici

Mozart: Klavierkonzerte Nr. 1 KV 37 F-Dur & Nr. 3 D-Dur KV 40, Mendelssohn: Streichersinfonie Nr. 9 C-Dur, Say: Klavierkonzert op. 4 „Silkroad“

Freitag, 20.03.2020 20:00 Uhr Staatstheater Mainz

Fazıl Say, Philharmonisches Staatsorchester Mainz, Hermann Bäumer

Erkin: Köçekce, Beethoven: Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll op. 37, Say: Sinfonie Nr. 1 „Istanbul Sinfonie“

Samstag, 21.03.2020 11:30 Uhr Staatstheater Mainz

Werkstattkonzert

Fazıl Say (Klavier, Leitung & Moderation), Landesjugendorchester Rheinland-Pfalz, Hermann Bäumer (Moderation)

Samstag, 21.03.2020 20:00 Uhr Staatstheater Mainz

Fazıl Say, Philharmonisches Staatsorchester Mainz, Hermann Bäumer

Erkin: Köçekce, Beethoven: Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll op. 37, Say: Sinfonie Nr. 1 „Istanbul Sinfonie“

Sonntag, 22.03.2020 11:00 Uhr Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz

Fazıl Say, Mitglieder des Philharmonischen Staatsorchesters Mainz, Sabine Fallenstein

Mozart: Klaviersonate Nr. 11 A-Dur KV 331 & Ch’io mi scordi di te KV 505, Say: Alevi Dedeler rakı masasında op. 35, Yürüyen Köşk op. 72b & Alla Turca Jazz

Mittwoch, 20.05.2020 20:00 Uhr Rosengarten Mannheim

Fazıl Say, Sankt Petersburger Philharmoniker, Yuri Temirkanov

Tschaikowsky: Ouvertüre zu „Romeo und Julia“, Beethoven: Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll op. 37, Rachmaninow: Sinfonische Tänze op. 45

Donnerstag, 21.05.2020 20:00 Uhr Philharmonie Essen

Fazil Say, Sankt Petersburger Philharmoniker, Yuri Temirkanov

Tschaikowsky: Romeo und Julia h-Moll, Beethoven: Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll op. 37, Rachmaninow: Sinfonische Tänze op. 45

Samstag, 23.05.2020 20:00 Uhr Konzerthaus Freiburg

Fazil Say, Sankt Petersburger Philharmoniker, Yuri Temirkanov

Beethoven: Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll op. 37, Schostakowitsch: Sinfonie Nr. 6 h-Moll op. 54

Dienstag, 26.05.2020 20:00 Uhr Philharmonie Berlin

Fazıl Say, St. Petersburger Philharmoniker, Yuri Temirkanov

Tschaikowsky: Fantasie-Ouvertüre „Romeo und Julia“ & Klavierkonzert Nr. 1 b-Moll op. 23, Rachmaninow: Sinfonische Tänze op. 45

Mittwoch, 27.05.2020 20:00 Uhr Liederhalle Stuttgart

Fazıl Say, Sankt Petersburger Philharmoniker, Yuri Temirkanov

Tschaikowsky: Ouvertüre zu „Romeo und Julia“, Beethoven: Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll op. 37, Rachmaninow: Sinfonische Tänze op. 45

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