Zweischneidig

Rezension Jos van Immerseel – Beethoven

Zweischneidig

Jos van Immerseel bringt Beethovens Klaviermusik in überraschendem Klanggewand: So wie diese Werke womöglich zu Lebzeiten des Jubilars tönten.

Zum Beethoven-Jahr hat Alte-Musik-Spezialist Jos van Immerseel eine Auswahl aus Beethovens Fundus für Soloklavier neu eingespielt. Das Markante an den Interpretationen auf drei CDs: Historisch informiert auf einem Nachbau eines Hammerklaviers, wie es Beethoven um 1800 kannte. Überraschend neue Farben, rhythmische Gestalten, Akzente, Pausen, Reibungen, Haupt-, Neben-, Hintergedanken, all dies tritt außergewöhnlich geschärft hervor. Besonders atmosphärisch bei der „Mondscheinsonate“. Aber es zeigen sich auch die Grenzen eines solchen Instruments, das bloß eine Zwischenstufe in der Entwicklung zum modernen Klavier war: Manches wirkt klanglich dumpf, anderes dünn. Als Hörer des 21. Jahrhunderts habe ich oft den Eindruck, die Harmonien bleiben im Wortsinn unter dem Deckel, etwa bei der „Pathétique“. Jos van Immerseel holt zweifellos mit bravouröser Könnerschaft Bemerkenswertes aus dem Instrument heraus, Fans werden es lieben. Doch auf Dauer ist die Sache zweischneidig und eher etwas für Puristen.

Beethoven: Klaviersonaten

Jos van Immerseel (Hammerklavier)
Alpha

Sehen Sie hier Jos Van Immerseel mit dem ersten Satz aus Beethovens „Mondscheinsonate“:

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