Wie bitte? Versteckt sich in Frédéric Chopins erstem seiner 24 Préludes wirklich diese Melodie? Mikhail Pletnev gibt eine unmissverständliche Antwort: Ja, hier lauert eine gesangliche Linie, die in anderen Aufnahmen allenfalls bizarr, fragmentarisch, nervös oder aufbrausend klingt. Wie anders hier! Pletnev ist nach knapp 20 Jahren wieder für die Deutsche Grammophon ins Aufnahmestudio gegangen. Mit dabei sein Flügel von Shigeru Kawai, an dem Pletnev auch in Konzerten immer wieder zu hören ist – ein Instrument mit auffallend weichem Klang. So hören wir die Chopin-Préludes als empfindsame Miniaturen, deren rebellisches Potenzial manchmal nur in einzelnen Takten, gar in einzelnen Akzenten hervortritt. Das sind Botschaften aus einem Reich des Träumens, der Versunkenheit. Überall ahnt man Chopins Einsamkeit – und das so unmittelbar, dass diese Aufnahme etwas Unverwechselbares bietet. Das gilt auch für die 24 Préludes von Alexander Skrjabin. Pletnev gibt sich streitbar und faszinierend zugleich.
Chopin: Préludes op. 28, Skrjabin: Préludes op. 11
Mikhail Pletnev (Klavier)
Deutsche Grammophon





