Aerosol-Studie mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks

Mit Abstand betrachtet

Durchgepustet: Wissenschaftliche Studie untersucht die Ausbreitung von Aerosolen beim Spielen von Trompete, Querflöte und Klarinette.

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Macht den Aerosolausstoß beim Spielen sichtbar: Flötistin Natalie Schwaabe vom BRSO

Macht den Aerosolausstoß beim Spielen sichtbar: Flötistin Natalie Schwaabe vom BRSO

Die Bläser im Orchester können in Zukunft möglicherweise wieder etwas näher zusammenrücken. Das ergab jetzt eine staatlich geförderte Studie der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und des Universitätsklinikums Erlangen in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk. Bei dem praktischen Versuch wurde mit Musikern des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks (BRSO) die akute Aerosolausbreitung und damit der mögliche Übertragungsradius von Viren beim Spielen von Blasinstrumenten getestet. Das Ergebnis zeigte, dass zumindest der seitliche Abstand der Musiker untereinander geringer ausfallen könnte als derzeit empfohlen wird.

1,5 Meter seitlicher Abstand hinreichend

Mithilfe der Basis-Substanz von E-Zigaretten konnte der Aerosolausstoß beim Musizieren auf verschiedenen Instrumenten sichtbar und messbar gemacht werden. Bei Trompete und Klarinette erreichte die nach vorn ausgestoßene Aerosolwolke eine Weite von bis zu eineinhalb, bei der Querflöte sogar bis zu zwei Metern. Sicherheitsabstände von drei Metern seien deshalb als angemessen zu bewerten, während die Abstrahlung zur Seite unter einem Meter blieb: „Ein seitlicher Sicherheitsabstand von 1,5 Meter erscheint daher, im Gegensatz zu den bisher empfohlenen 2 Metern, hinreichend“, empfiehlt Prof. Dr. Matthias Echternach, Leiter der Abteilung Phoniatrie und Pädaudiologie am LMU Klinikum.

Weitere Studien notwendig

Allerdings beziehen sich diese Daten nur auf die direkte Ausbreitung durch den Eigenimpuls beim Spielen. Laut PD Dr. Stefan Kniesburges, Strömungsmechaniker am Universitätsklinikum Erlangen, sei das permanente Lüften immer noch die entscheidende Voraussetzung für eine minimale Übertragung. Die Aerosolausbreitung unter Realbedingungen ist deshalb nach Ansicht der Studienleiter noch nicht ausreichend untersucht: „Hinsichtlich der realen Probe- und Auftrittsbedingungen des Musizierens sind weitere Studien notwendig, um zusätzliche Maßnahmen hinsichtlich ihres Potentials zur Risikoreduzierung und ihrer akustischen Auswirkungen zu untersuchen.“

Weniger Abstand gleich mehr Repertoire

Eine Reduzierung des Abstands zwischen den einzelnen Blasinstrumenten käme den Musizierenden entgegen: „Für uns Musiker ist es Grundvoraussetzung, dass wir uns untereinander gut hören, um musizieren zu können“, erklärt BRSO-Solo-Klarinettist Christopher Corbett. „Es wäre bereits enorm hilfreich, wenn die Abstände innerhalb einer Stimmgruppe in einer Reihe verkleinert werden könnten.“ Ein möglichst schnelles Einfließen der Erkenntnisse in die Vorgaben von Entscheidungsträgern wünscht sich auch BRSO-Manager Nikolaus Pont. Er erhofft sich dadurch neue Möglichkeiten: „Allein die Reduktion der seitlichen Abstände bei den Bläsern würde uns ermöglichen, wieder ein wesentlich größeres Repertoire zur Aufführung zu bringen.“

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