Keersmaekers „Rain“ auf Kampnagel

So wunderbar leicht
 wie ein rosa Sommerregen

Anne Teresa De Keersmaekers Choreografie „Rain“ erzählt von Leben und Vitaliät

Anne Teresa De Keersmaeker © Michiel Hendryckx/Wikimedia Commons

Anne Teresa De Keersmaeker

Geometrie, mathematische Figuren, pulsierende Repetition, kontinuierliche Variation – die choreografische Signatur von Anne Teresa De Keersmaeker ist mit „Rain“ nun auch auf Kampnagel zu sehen. Das 2001 entstandene Stück feierte 2016 sein Revival und steht für Keersmaekers motivisch-minimalistische Arbeit. Die Belgierin lernte von dem kitschverliebten Neoklassizisten Maurice Béjart, dessen École Mudra sie Ende der siebziger Jahre besuchte. Es folgten ihre erste Produktion („Asch“), ein Tanzstudium an der Tisch School of the Arts in New York und kurz darauf die Gründung ihrer eigenen Compagnie namens Rosas.

Die Nähe zur Musik schärft das künstlerische Profil

Mit der Produktion „Rosas danst Rosas“ feierte 1983 die mittlerweile international bekannte Truppe ihren Durchbruch. Das künstlerische Profil der Rosas besteht neben Keersmaekers Handschrift in der Nähe zur Musik. Während einige zeitgenössische Compagnien „stumme“ oder musikunabhängige Choreografien ausloten, ist den Belgiern die Auseinandersetzung mit verschiedensten Musikrichtungen und -strukturen besonders wichtig.

Die mathematische Nutzung des Raumes spielt dabei eine große Rolle und findet auch in „Rain“ ihre Anwendung. Der abgeklebte Boden hat sein eigenes geometrisches Muster, das mit den stets wechselnden runden und parallelen Formationen der Tänzer korreliert. Letztere findet eine Verstärkung in dem gerade herunterhängenden Fadenvorhang.

Keersmaekers „Rain“ auf Kampnagel

Voll pulsierender und kollektiver Energie machen die Rosas gemeinsam mit dem Ensemble Ictus Steve Reichs „Music for 18 Musicians“ in neuer Weise sicht- und erlebbar, und präsentieren dem Hamburger Publikum die damals bereits 20-jährige choreografische Erfahrung ihrer Gründerin. Anne Teresa De Keersmaeker eröffnete gemeinsam mit dem Théâtre Royal de la Monnaie 1995 das Performing Arts Research & Training Studio (P.A.R.T.S.) und füllte damit jene Lücke, die der Umzug von Béjarts École Mudra nach Lausanne hinterließ. Im gleichen Jahr erhielt sie die Ehrendoktorwürde an der Freien Universität Brüssel und feiert bis heute internationalen Erfolg als Choreografin – nicht zuletzt dank ihrer hervorragenden Tänzer.

„Rain“ von Keersmaeker:

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