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Reisetipp Weimar

Was ihr wollt

Für den Sommer hält Weimar eine Vielzahl an musikalischen Vergnügungen bereit.

vonMaximilian Theiss,

Wer aus kulturellen Gründen nach Weimar reist (wobei die Stadt auch für Fahrradfahrer, Wanderer und romantisch veranlagte Touristen ganz Wunderbares bereithält), kann sich ein komplett auf die individuellen Vorlieben maßgeschneidertes Programm zusammenstellen, ganz ohne Kompromisse. Beziehungsweise fast ohne Kompromisse: Das kulturelle Massenspektakel findet man dann doch eher anderswo. Wobei sich Weimar zur Mittsommernacht der Pariser Tradition angeschlossen hat und im Rahmen einer Fête de la Musique die Straße und Plätze der Stadt zu einer gigantischen Konzertbühne macht. Diese Veranstaltung ist symptomatisch im besten Sinne für die Stadt (streng genommen auch für das Land Thüringen), denn anstelle eines großen Kulturzentrums finden sich im 60.000-Einwohner-Ort zahlreiche kleinere Veranstaltungsorte.

Da ist zum Beispiel der Orgelsommer, im Rahmen dessen internationale Organisten sonntäglich um 18 Uhr in die Herderkirche locken. Montags wiederum sind in der Tiefurter Christophorus-Kirche unter dem thematischen Überbau „Klänge der Hoffnung“ Musiker verschiedenster Couleur vom Klezmer bis hin zum Gospel zu erleben – meist unter freiem Himmel im Kirchhof. Die Bach-Biennale lässt „J.S. Superstar“ hochleben, „Yiddish Summer“ befasst sich – natürlich an den unterschiedlichsten Orten – mit der jiddischen Musik im osmanischen Kontext und bietet sogar einen Jiddisch-Sprachkurs an. Im Jugend- und Kulturzentrum mon ami wiederum geht zuerst Mozarts „Don Giovanni“, später „Die Zauberflöte“ über die Bühne. Selbst die örtliche Musikhochschule lockt mit ausgewählten Konzerten im Rahmen ihrer hochkarätig besetzten Meisterkurse in ihre Hallen.

Weimar: Die kleinste Kulturmetropole der Welt

Und das ist nur ein winziger Auszug aus all den musikalischen Veranstaltungen, die wiederum nur einen Bruchteil des kulturellen Angebots ausmachen: Goethe-Haus, Schiller-Haus, Bauhaus, dazu eine rege Museenlandschaft … Die Liste ließe sich ewig fortsetzen. Seltsamerweise gerät man in Weimar nicht, wie man vermuten würde, in ein weißes Rauschen voller Kulturtrubel mit ortsunkundigen Menschenmassen und entnervten Stadtbewohnern: Trotz der vielen und vielfältigen Möglichkeiten gibt sich Weimar auch in den Sommermonaten äußerst ruhig und entschleunigt, so dass man bei aller Unternehmungslust, die einen zwangsläufig beschleicht, sehr schnell einen Grad der Tiefenentspannung findet. Auch wehe Beine und qualmende Söckchen sind eher selten anzutreffende Nebenerscheinungen, denn die Wege hier sind erfreulich kurz.

Mag sich eine Millionenmetropole in Deutschlands Süden als größtes Dorf der Welt schimpfen, so verdient Weimar allemal das Attribut der kleinsten Kulturmetropole der Welt.

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