Nominiert zum „Publikum des Jahres 2018“: die Sing-Akademie zu Berlin

Ein Chor aus seinem Publikum

Die Sing-Akademie zu Berlin ist die weltweit älteste gemischte Chorvereinigung – getragen von den Bürgern der Stadt.

© Maren Glocker

Sing-Akademie zu Berlin

Sing-Akademie zu Berlin

Rekord! Kein gemischter Chor weltweit besteht länger als die Sing-Akademie zu Berlin. Gegründet wurde sie am 24. Mai 1791 von ihrem ersten Direktor Carl Friedrich Christian Fasch und besteht bis heute aus Laiensängern und Liebhabern der Chormusik. Und gemäß der langen Tradition verstehen sich die Mitglieder selbst nicht als Konzertchor im klassischen Sinne, sondern in Anbetracht der Gründungsbezeichnung als „Kunstverein für die heilige Musik“, getragen seit jeher von den Bürgern der Stadt Berlin.

Gemäß den Idealen der freien Berliner Bürger um das Gründungsjahr ist noch heute jeder Sänger und jede Sängerin willkommen. Damit generiert sich der Chor seit seiner Gründung gleichsam aus seinem Publikum – ein Erfolgskonzept, das allein schon aufgrund des neuartigen Klangs im Gründungsjahr für Aufsehen sorgte. Spätestens seit dem 11. März 1829 ist die Singakademie zu Berlin international bekannt, als sie unter Felix Mendelssohn mit der Aufführung Bachs Matthäus-Passion die Wiederentdeckung des bis dato weithin vergessenen Komponisten einläutete.

Die Sing-Akademie zu Berlin und ihr Publikum

© Sing-Akademie zu Berlin

Sing-Akademie zu Berlin

Sing-Akademie zu Berlin

Einhergehend mit der Konzeption der Sing-Akademie ist auch die Zusammensetzung des Publikums einzigartig. „Der Prozentsatz an direkten Teilhabern am Chorgeschehen ist sehr groß“, berichtet Christian Filips, seit 2006 Programmleiter und Dramaturg der Sing-Akademie. „Das Publikum ist viel dichter am Chorgeschehen beteiligt. Es kommen viele Freunde und Familienangehörige, die natürlich indirekt involviert sind. Aus diesem Grund sind wir auch nach wie vor gegen eine weitere Professionalisierung des Chors. Es sollen keine Grenzen aufgebaut werden. Wir wollen ein Ort für jedermann sein.“

Heute besteht die Sing-Akademie zu Berlin aus dem Hauptchor, einem Kammerchor und einem Mädchenchor. Seit 2006 fungiert das Ensemble zudem als Ausbildungs- und Prüfungsformation für die Studenten der Universität der Künste. Das Repertoire umfasst zum einen den bekannten Kanon der Oratorienliteratur, zum anderen konzentrieren sich die Chöre auch auf unbekanntere Werke aus der Zeit zwischen 1750 und 1850 sowie auf die Aufführung zeitgenössischer Musik. Der Kammerchor engagiert sich zudem speziell für Werke der Berliner Musikgeschichte.

Zukunftsorientiertes Konzept

„Die Reaktionen des Publikums auf die musikalische Ausrichtung der Sing-Akademie versetzten die Chormitglieder immer wieder ins Staunen“, erklärt Filips und fügt hinzu, dass der Zuschauerschaft durchaus einiges abverlangt wird. „Wir haben keine feste Spielstätte, wechseln von Konzert zu Konzert den Aufführungsort, und doch bleibt uns das Publikum treu.“ Dass Fasch also mit seinen Prinzipien nicht nur den Zeitgeist des Gründungsjahrs traf, sondern auch ein zukunftsorientiertes Chormodell schuf, das über die Gegenwart hinaus Bestand hat, ist offenkundig. Den Beweis dafür liefert das Publikum – und das schon seit 1791.

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