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Gartenreichsommer Dessau-Wörlitz 2022

Tönen lauschen und Gaumenfreuden genießen

Der Gartenreichsommer in Dessau-Wörlitz lockt mit Wandel- und Schlosskonzerten.

vonChristian Schmidt,

Ein Gartenreich in das sanfte Bergland südlicher Gefilde einzuschmiegen, mag eine schlichte Fingerübung für einen Landschaftsarchitekten sein – der Erfolg ist ihm gewiss. Dasselbe aber in den Niederungen der sich dahinschlängelnden Elbe zu schaffen, ist viel eher eine Kunst. Jährlich über eine Million Besucher tummeln sich hier im UNESCO-Weltkulturerbe, das auf den großen Reformer Fürst Leopold III. von Anhalt-Dessau zurückgeht. Seine bis heute frei zugänglichen Parkanlagen rund um den Wörlitzer See entstanden ganz im Geiste der Aufklärung und der Ideen Rousseaus: eben gerade nicht zum Müßiggang, sondern zur Bildung für alle, vornehmlich auch jene, die sich anders als der Fürst selbst malerische Reisen ins harmonische Italien nie würden leisten können. Nicht umsonst war er Vorbild für die modernen Herrscher seiner Zeit, und schon Goethe, Geheimrat aus dem benachbarten Weimar, ließ seiner Begeisterung freien Lauf: „Mich hat’s gestern Abend sehr gerührt, wie die Götter dem Fürsten erlaubt haben, einen Traum um sich herum zu schaffen.“

Die Lieblichkeit der Landschaft wirkt dabei auf die Besucher eher unbewusst: Sie fühlen sich mit den immer wieder überraschenden Perspektiven und der schon damals naturnahen Gliederung von vornherein wohl. Schließlich wurden mit den leopoldinischen Sichtachsen auch Architektur, Wasser und Natur zu einer Harmonie zusammengeführt, die erst durch dialektische Betrachtung ihre ganze Poesie entfaltet.

In dieser flachen und doch so anmutigen Landschaft lässt es sich nicht nur lustwandeln, sondern auch trefflich Tönen lauschen und Gaumenfreuden genießen. Seit einigen Jahren bespielen Musiker des nahen Anhaltischen Theaters Dessau in Kooperation mit einem lokalen Hotelrestaurant die Parks und Fließe des Gartenreichs. Ob in den pittoresken Schlössern der Gegend, in Gondeln auf dem See oder auf Schusters Rappen quer durch den Park – lehrreiches Genießen von Musik und Menüs steht hier ganz im Zeichen der über 200-jährigen Geschichte. So wäre die Perfektion des Landschaftsglücks fast gar nicht auszuhalten, müsste man sich nicht hie und da auf die lästigen Prozessionsspinner einstellen, denen man tunlichst aus dem Weg gehen sollte.

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